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Fusionen nicht einziges Rezept

Bern ist nur samt den Regionsgemeinden stark genug, um mit Zürich, Basel und Genf mithalten zu können. Dies das Fazit

«Ich wähle Sie im Fall ab!» Solche Androhungen erhalte er regelmässig von unzufriedenen Bewohnern aus Agglomerationsgemeinden, erzählte Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) gestern an einer Tagung im Westside. Er antworte solchen Kritikern jeweils, dass sie in die Stadt ziehen müssten, wenn sie ihn abwählen wollten. Dieses Müsterchen beweist für ihn seine Theorie: «Viele Bürgerinnen und Bürger aus der Region Bern ärgern sich darüber, dass sie in der Stadt nicht mitreden können.» Dies, obschon sie Bern als «ihre Stadt» wahrnähmen, hier arbeiteten und einen grossen Teil der Freizeit hier verbringen würden. Tschäppät, der schon seit Jahren die Idee propagiert, Stadt und Region müssten näher zusammenrücken, plädierte gestern an einer Podiumsdebatte im Westside dafür, den Grossraum Bern als neue «Hauptstadtregion» zu stärken. Dazu könnten auch Fusionen ein Mittel sein. Unter der Leitung der beiden BZ-Redaktoren Stefan von Bergen und Jürg Steiner diskutierten neben Alexander Tschäppät auch der bernische Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP), Dominique Folletête (FDP), Gemeindepräsident von Bremgarten, und Politologe Claude Longchamp. Im Grundsatz waren sich die vier einig und warben vor den Kommunalpolitikern dafür, stärker zusammenzuarbeiten. Grossprojekte als «Motor» Für eine Zusammenarbeit brauche es einen «Motor», sagte Longchamp. In Zürich sei dies seinerzeit der Bau des Flughafens gewesen, in Bern werde es der Umbau des Verkehrsknotenpunkts Bahnhof Bern sein. «Solche Grossprojekte können heute weder die Stadt noch der Kanton alleine stemmen», pflichtete ihm Tschäppät bei. Wolle man Bundesgelder dafür erhalten, müsse man als «starke Region» auftreten. «Sonst haben wir keine Chance gegen die Metropolitanräume Zürich, Basel und Genf.» Stadt und Regionsgemeinden reichen darum aus Sicht der Podiumsteilnehmer nicht aus, um national mitspielen zu können. «Wir müssen auch Partner in unseren Nachbarkantonen gewinnen», betonte Regierungsrat Rickenbacher. Man sei darum auch vom Arbeitstitel «Hauptstadtregion Bern» abgekommen und plädiere nun für eine «Hauptstadtregion Schweiz». Solothurner oder Freiburger sollen sich nicht ausgeschlossen fühlen. Beim Thema Gemeindefusionen hielten sich die Podiumsteilnehmer zurück, wissen sie doch alle, was sie damit für Emotionen wecken. «Würde die Stadt ein solches Projekt vorantreiben, käme sofort heftiger Widerstand aus den Gemeinden», sagte Tschäppät. Zusammenschlüsse müssten darum «von unten nach oben» angeregt werden. «Würden nur die Gemeindepräsidenten entscheiden, gäbe es rasch Gemeindefusionen», vermutet Bremgartens Gemeindeoberhaupt. Tschäppät widersprach: «Dann käme es nie und nimmer zu Gemeindefusionen.» Die Politiker wollten sich ja wohl kaum selber abschaffen. Fusionen seien nur eine Möglichkeit zur stärkeren Zusammenarbeit, entgegnete Claude Longchamp. Als Mitglied des Vereins «Bern neu gründen» rief er dazu auf, nun möglichst rasch verschiedene Varianten zu prüfen, damit der Grossraum Bern gestärkt werden könne. Mirjam Messerli>

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