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Fuhrers Verführung: Der verkehrte Veston

ModeMarc Fuhrer kehrt bei Anzügen und Vestons das Innere nach aussen – und macht damit Unsichtbares sichtbar. Das Ergebnis: unkonventionelle Herrenmode. Am Samstag stellt der junge Berner Designer seine Kollektion erstmals einem grösseren Publikum vor.

Schon immer war der Mattstetter an Mode interessiert. Dass in ihm ein Modemacher schlummert, spürte Marc Fuhrer aber erst am Schluss seiner Lehre zum Dekorationsgestalter. Kurzfristig entschied er sich für das dreijährige Studium am Institut Mode-Design der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel. Von Beginn weg verschrieb sich der 26-Jährige der Männerbekleidung. Fuhrer sieht bei der Männermode mehr Potenzial als in der dominierenden Damenmodewelt. In der Männermode könne noch wirklich Neues und Innovatives kreiert werden. Einmal die Damenwelt mit seinen Schöpfungen zu beglücken, ist für ihn im Moment unvorstellbar. Kleider wie Glace-Cornets Alle drei seiner früheren Herrenkollektionen entstanden während des Mode-Design-Studiums. In seiner ersten Kollektion «Ice Cream, I Scream» kombinierte Fuhrer sommerfarbige eiskugelförmige Jacken mit beigen Biskuithosen und erweckte das «Glace-Cornet» zum Leben. In der zweiten Kollektion «Shine on!» inszenierte er das Pink-Kitsch-Disco-Feeling. In der letztjährigen erschuf er den kosmopolitischen «Playground Soldier» – seine erste Auseinandersetzung mit dem Thema Uniform, das ihn fortan beschäftigte. Während seines sechsmonatigen Praktikums bei einem Londoner Herren-Couturier befasste sich der Designer intensiv mit dem Herrenanzug, was ihn zur Diplomkollektion inspirierte. Die Sezierung des Sakkos In einer regelrechten Operation sezierte der Design-Student einen typischen Anzug, um ihn anschliessend in chirurgischer Manier wieder zusammenzusetzen. Fast wie ein Mechaniker an seinem Motorrad herumschraubt, experimentierte Fuhrer mit den freigelegten Einzelteilen. Fasziniert von der komplexen und durchdachten Machart des Herrenanzugs, untersuchte er die Futterinnenteile, die Knöpfe, den Kragen, die Nähte. Mit Gespür fürs Detail und Fingerspitzengefühl tastete er sich an die 15 Teile seiner aktuellen Diplomkollektion heran. Fuhrer definiert das traditionelle zeitlose Kleidungsstück neu und knackt den uniformen Anzugcode. Er macht sonst unsichtbare Feinheiten wie Innenfutter und Pikierstiche meisterlich sichtbar, wodurch eine originelle Ästhetik entsteht. Konventionelle Anzugmaterialien wie feinste Baumwollen treffen auf progressive Outdoormaterialien wie Neopren oder Polyester. Mit der Verarbeitung von hochwertigen Rosshaareinlagen im Brustbereich nimmt er ein Element der klassischen Sakkoschneiderei auf. Er spielt mit Längen und Proportionen, kehrt sonst Verborgenes nach aussen. Und dies ist durchaus wörtlich zu verstehen: als Appell an die hartschalige Anzugträgerschaft, das eigene «Innenleben» zu offenbaren und Gefühl zu zeigen. Männer, die seine Mode tragen, sind bereit, «mit dem Klischee des klassischen Anzugträgers zu brechen, das vorherrschende Männerbild zu verändern und neu zu prägen», so Fuhrer. Neben Fuhrer gibt es in diesem Abschlussjahr 17 weitere Diplomandinnen und Diplomanden, die ein vergleichbares Endziel verfolgen wie er selbst. Den gegenseitigen Austausch empfand er als wertvoll. Das Wichtigste sei, «die Ziele zu kennen und sich stets treu zu bleiben». Seine Bewunderung gilt denn auch jenen jungen Kreateuren, die genau dies taten und heute vom Modemachen leben. Er selbst muss seine Entwürfe bisweilen noch den kritischen und wertenden Blicken der Modeexperten an der Fachhochschule aussetzen. Solchen Momenten begegnet er mit Anspannung und Interesse zugleich. Jeder Experte gewichte unterschiedlich und lege Wert auf das eine oder andere Detail. Das sei ein aufschlussreicher Prozess, an dem er künstlerisch wachse, sagt er. Weg vom Schrillbunten Fuhrer kehrt nicht nur das Innenfutter des Anzugs heraus, sondern auch einen Teil seiner Seele. Genau diese Echtheit widerspiegelt sich in der Kollektion, die den vollzogenen Wandel des Designers verbildlicht: weg von der schrill-bunten Jungs-mode hin zur elegant-eigenständigen Herren-Couture. Marc Fuhrer freut sich, seine Kreationen am Samstag erstmals einem breiten Publikum zu präsentieren. Wohin sein Weg nach der Show und damit dem Ende seiner Lehrzeit führt, ist unklar. «Ich will meinen Traum als Modedesigner leben. Aber wie und wo, bleibt offen.» Daniela DambachMode: Die Diplommodeschauen des Instituts Mode-Design der Fachhochschule Nordwestschweiz finden morgen Samstag um 17 und 20 Uhr in der Kaserne Basel statt.>

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