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Frutigen übernimmt Rettungsdienst

adelbodenSeit kurzem deckt der Rettungsdienst des Spitalstandorts Frutigen auch die Region Adelboden ab.

Adelboden wird auch weiterhin durch einen professionellen Rettungsdienst betreut, einfach nicht mehr jederzeit vor Ort. In den Monaten Dezember bis April ist jeweils ein Ambulanzfahrzeug in Adelboden stationiert, in der übrigen Zeit wird das Gebiet von Frutigen aus abgedeckt. So sind in der letzten Zeit die Ärzte und Organisationen durch den Rettungsdienst fmi (Frutigen-Meiringen-Interlaken) informiert worden. Dieser ist gegenüber dem Kanton verantwortlich für das Funktionieren des Rettungsdienstes in seinem Gebiet. Wie in Lauterbrunnen und Grindelwald wurde diese Aufgabe in Adelboden bisher an ein privates Unternehmen ausgelagert. Im Engstligtal war dies Bergmann Taxi. Die Neuorganisation wurde notwendig, weil Bergmann den Vertrag mit dem Rettungsdienst fmi gekündet hat. Dies passierte bereits auf Ende letzten Jahres, die Wintersaison wurde aber noch verlängert. Kritik an Zusammenarbeit Auslöser für die Vertragskündigung von Seiten Bergmanns war die Auflösung des Vertrages durch den Skipool – unterzeichnet von Markus Hostettler, wie Yvonne Bergmann betont. Der Pool entrichtete jährlich 4000 Franken. «Die Verantwortlichen lobten zwar die geleistete Arbeit, aber den Vertrag kündeten sie dennoch. Wir haben uns dann überlegt, ob wir weiterhin das ganze Jahr rund um die Uhr einsatzbereit sein wollen. Und in Anbetracht der gesamthaft ungenügenden finanziellen Entgeltung haben wir uns entschlossen, den Rettungsdienst zu beenden», sagt Yvonne Bergmann. Dazu kam der Diebstahl eines der beiden Reisebusse im letzten Jahr, der eine grundsätzliche Überlegung zur Firmenzukunft auslöste. Bergmann kritisiert den mangelnden Rückhalt bei der Gemeinde, fehlende Gesprächsbereitschaft und die einseitig zu Gunsten des Rettungsdienstes fmi ausgerichteten Entschädigungen sowie die Zusammenarbeit allgemein. Sie hält aber explizit fest, dass die Arbeit mit den Pistenpatrouilleuren und den lokalen Ärzten «während 20 Jahren ausgezeichnet funktionierte». «Wir haben auch nach zwanzig Jahren die Freude am Rettungsdienst nicht verloren, schliesslich haben wir einiges in Material und Ausbildung investiert – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass wir die ganze Zeit präsent waren. 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr. 20 Jahre lang.» Damit ist aber Schluss. Mit dem Eintritt von Sohn Hansjürg in das Unternehmen schauen Bergmanns dennoch optimistisch in die Zukunft: «Wir haben einen zweiten Reisebus beschafft, einen der modernsten in der ganzen Schweiz. Neben den Fahrten mit zwei Kleinbussen und vier Taxis werden wir auch weiterhin mit unserer eigenen weissen Ambulanz Transporte auf Anmeldung machen. Wir haben alle Bewilligungen und werden diese auch weiter verlängern», sagt Yvonne Bergmann. Dies umfasst angemeldete Patiententransporte ins Spital oder zur Rehabilitation sowie Rückverlegungen nach Hause, zum Beispiel verunfallte Feriengäste. «Aber wenns um Notfälle geht, sind wir nicht mehr zuständig. Da soll jetzt der Rettungsdienst fmi schauen, wie er klar kommt.» Neues Einsatzkonzept Zum Kündigungsgrund äussert sich Martin Hofer, der Leiter des Rettungsdienstes fmi, nicht. Er verweist an die Firma Bergmann. Wichtig ist, was mit der neuen Situation für den Notfall-Patienten ändert. Hofer erklärt, dass die Einsätze im Gebiet Adelboden analysiert sowie mit dem Gemeinderat, den Bahnunternehmen und den niedergelassenen Ärzten diskutiert wurden und folgendes Startszenario festgelegt sei: Die Versorgung von Adelboden erfolgt grundsätzlich vom Standort Frutigen aus. In Frutigen wird ein drittes Ambulanzfahrzeug beschafft, das Team wird personell verstärkt. In den Monaten Dezember-April wird in Adelboden ein Tagestandort betrieben. Das heisst, dass von 9 bis 21 Uhr in der Wintersaison eine Ambulanz stationiert und Personal in den heutigen Räumlichkeiten der Kantonspolizei im Gemeindehaus bereit sein wird. Rückt die Ambulanz aus, so wird eine weitere vom Spital Frutigen nachrücken. Die Versorgung wird mit dem Aufbau eines First Responders (siehe Kasten) und dem Beizug eines niedergelassenen Arztes bei lebensbedrohlichen Ereignissen ergänzt. Bei Grossanlässen, auch ausserhalb der Wintersaison, wird der Standort Adelboden punktuell besetzt. Der aktuelle Vertrag zwischen fmi und Bergmann bestand seit 2002 und beinhaltete auch, dass bei Grossereignissen zum Einsatz im restlichen Kantonsgebiet aufgeboten werden konnte. Das Unternehmen erhielt eine Basisentschädigung pro Einwohner, musste dafür die fmi-Anforderungen an Qualität (Einsatzzeit, Hygiene usw.) einhalten. «Die Einnahmen aus den Einsätzen gingen, zur Deckung der Unkosten, an die Firma Bergmann», so Hofer. Martin Hofer hält fest, dass man die Einsatzstatistik genau ausgewertet habe: «Die Vorgabe, dass wir in 80 Prozent der Einsätze innert 30 Minuten vor Ort sein müssen, decken wir auch von Frutigen aus ab.» Man habe Erfahrungen von den Standorten Meiringen und Interlaken, da seien Einsätze in Hasliberg oder Beatenberg zeitlich vergleichbar. In Adelboden würden 50 bis 60 Prozent aller Einsätze in der relativ kurzen Wintersaison geleistet, deshalb sei in dieser Zeit auch künftig eine Ambulanz vor Ort. Das Konzept sei auch nicht in Stein gemeisselt, doch aufgrund der Erfahrungen sicher ein gangbarer Weg. Das von Bergmanns eingesetzte Material (zum Beispiel die «gelbe» Ambulanz) gehört dem fmi-Rettungsdienst, die Bergmann-eigene «weisse» Ambulanz müsste aber ersetzt werden. «Ein Kredit von rund 250000 Franken ist bereits gesprochen worden. Wir ersetzen diese mit einem neuen Fahrzeug – aufgrund der neuen Situation mit Standort Frutigen.» Auch in Ausbildungsbelangen hätten die Adelbodner von den fmi-Angeboten profitieren können. Martin Hofer bedauert den Entscheid der Adelbodner sehr, denn «es ist allen bewusst, dass Bergmanns die Arbeit mit Herzblut und enormem Engagement leisteten». Hans Rudolf Schneiderwww.taxi-bergmann.ch www.rettungsdienst-frutigen.ch >

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