Zum Hauptinhalt springen

Früher war nicht alles besser

Im Kellergewölbe der Tonne wähnt man sich in vergangenen Zeiten.

Auf der Bühne: Christian von Erlach, Ursula Walther-Hofer und Stephan Hugentobler (v.l.).
Auf der Bühne: Christian von Erlach, Ursula Walther-Hofer und Stephan Hugentobler (v.l.).
Susanne Keller

Gräueltaten, Mord und Tod lauern dieses Jahr im Kellergewölbe der Tonne Laupen. «Erschröckliches und Ergötzliches zur Erheiterung der Sinne» werde dem Volke vorgetragen, verspricht die Schauspielgruppe um Marcel Reber in ihrem Flyer.

Zu Beginn des Stücks «Leute, vernehmet die Geschichte!» zündet eine Geisterhand im Halbdunkeln eine Kerze an. Was folgt, ist ein süffiges Potpourri aus Gesang und Text. Es ist ein Abend voller Edelkitsch und hemmungsloser Lust an gruseliger Mortalität. Fündig wurde der Regisseur der Gruppe – Marcel Reber – in der eigenen Bibliothek. Heinrich Heine mit seinem «Belsatzar» bildet ebenso Teil des Programms wie «Vier Leben enden mit einem Schlag und morgen ist Feiertag» von Gustav Schwab.

Achterbahn der Gefühle

Mit schaurigen Balladen entführen die fünf Schauspieler ihr Publikum in verflossene Zeiten. Und doch, die Themen sind aktuell, werfen Fragen auf. «Wir sind der Hoffnung beraubt», sagt Ursula Walther-Hofer auf der Bühne. Im Hintergrund ist Kriegsgeschehen zu sehen, der Geruch nach Blut und Verderben hängt förmlich im Raum. Trotzdem: Die Schauspieler haben einen vergnüglichen Abend versprochen, und das Premierenpublikum lacht immer wieder herzhaft. Etwa, wenn Christian von Erlach den Hund des Försters nachahmt, oder wenn sich im Stück eine Anarchistin in einen Polizeikommissar verliebt.

Zwischendurch sind Texte und Lieder nicht nur mit einem Zuckerguss überzogen, nein, sie sind durchtränkt davon. Liebende himmeln sich an, und die Welt versinkt in Rosa-Rot. Hängen bleiben kann das Publikum in dieser kitschigen Welt nicht. Zur Melodie von Freddy Quinns Seemannslied stirbt ein Fremdenlegionär im Wüstensand, und die Ritter vom Orden der Konjunktur geistern durch das Kellergewölbe. Schliesslich wird auf der Diplomatenjagd der Aussenminister erschossen. Die Jagdgesellschaft entschliesst sich dennoch für eine ausgelassene Feier.

Cabaret macht Zwangspause

Das Programm ist laut Reber eine Zwischenlösung. Eigentlich wäre der Auftritt des Cabaret Scherzgrenze vorgesehen gewesen. Doch es musste eine Zwangspause einlegen. Um gleichwohl in der Tonne ein Programm anbieten zu können, stellte Reber eine Ersatzgruppe aus Stammspielern zusammen. Nebst den Auftritten in dieser Formation gehen die Mitglieder zum Teil auch einzeln auf Tour.

Bis 23. Februar, www.dietonne.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch