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Windpark könnte eine Falle sein

Die Vogelwarte Sempach hat auf dem Schwyberg Daten gesammelt. Sie sollen die Auswirkungen des Windparks auf die Brut- und Zugvögel aufzeigen. Schätzungen für die Anzahl der Kollisionsopfer bei Zugvögeln liegen vor.

Der Schwyberg ist nicht nur für die Windkraft günstig gelegen. Hier führt möglicherweise eine wichtige Vogelzugroute durch.
Der Schwyberg ist nicht nur für die Windkraft günstig gelegen. Hier führt möglicherweise eine wichtige Vogelzugroute durch.
Aldo Ellena

Mit der Vogelstudie der Vogelwarte Sempach soll abgeschätzt werden können, wie viele Kollisionsopfer mit den geplanten Windrädern auf dem Schwyberg zu erwarten sind. «Es ist der erste Standort in den Voralpen, an dem solche ausführlichen Messungen durchgeführt werden», erklärt Petra Horch, Projektleiterin an der Vogelwarte Sempach.

Wie sie anfügt, wird die Studie aus diesem Grund eine Basis für künftige Windparkprojekte im Voralpengebiet sein. Steht der Windpark auf dem Schwyberg, werde das Gelände nochmals für eine Herbstsaison per Radar untersucht und in Nächten mit intensivem Vogelzug nach Kollisionsopfern abgesucht, um dann Vergleiche mit den Einschätzungen in der Studie zu ziehen. Zusätzlich wird die Vogelwarte in den Regionen Gotthard (für die Alpen) und Jura dieselben Untersuchungen durchführen. «Damit wir die geografisch wichtigen Regionen mit mindestens einer Studie erfasst haben», sagt Petra Horch.

Ein scharfer Blick

Zwei Drittel aller Zugvögel fliegen in der Nacht. Aus diesem Grund wurde deren Quantität mittels Radargerät ermittelt. «Dieses Gerät funktioniert gleich wie der Radar für die Flugzeugentdeckung im Militär», so Horch. Tagsüber wurde eine Simultanbeobachtung durchgeführt. Vogelkenner aus der Region zählten und bestimmten die Arten, während der Radar auch jene Vögel registrierte, die höher flogen, als das menschliche Auge inklusive optische Hilfsgeräte entdecken kann.

Grosse Spannweite

Die Resultate zeigen, dass in der Nacht im Mittel 26 Prozent und am Tag im Mittel 30 Prozent der Zugvögel im Höhenintervall fliegen, in dem die Windenergieanlagen zu stehen kommen. In absoluten Zahlen waren es gemäss Petra Horch in der Nacht 340 Vögel, die pro Stunde über eine Linie von einem Kilometer flogen. Am Tag ergaben sich ähnliche Zugdichten.

Für die Abschätzung des Kollisionsrisikos ging die Vogelwarte von der vereinfachenden Situation aus, dass die Vögel gleichmässig verteilt fliegen (keine Gruppen) und mit Turm und Rotorblättern kollidieren können. Dies ergibt eine Schätzung für alle neun Anlagen und über die ganze Herbstzugsaison hinweg von 68 bis 680 Kollisionsopfern am Tag und 291 bis 1165 Opfern in der Nacht. Basierend auf den Feldbeobachtungen und der Analyse der Radardaten, könne angenommen werden, dass über 95 Prozent der Kollisionen Singvögel betreffen würden.

Die Vogelwarte Sempach hat der Groupe E Greenwatt AG diesen Zwischenbericht der Zugvogeluntersuchung bereits geschickt. Die Auswertung der Brutvögeldaten steht noch bevor. Ohne Kenntnis über diese Angaben zu haben, will Petra Horch noch keine abschliessende Beurteilung der Bedeutung des Schwybergs für die Vogelwelt abgeben. Im Oktober wird der Gesamtbericht vorliegen.

Massnahmen prüfen

Gemäss Jean-Michel Bonvin, Direktor der Greenwatt AG, wartet die Projektleitung den Gesamtbericht ab, um zu entscheiden, welche Massnahmen aufgrund der Resultate getroffen werden. Gegen die Realisierung des Windparks würden die Zahlen seiner Meinung nach nicht sprechen. Auch für Yolande Peisl von Pro Natura Freiburg ist es noch zu früh, um etwas dazu zu sagen.

Einsprache beim Kanton

Die Verbände Pro Natura Freiburg, Mountain Wilderness, der Ornithologische Verein Freiburg, der Schweizer Vogelschutz sowie die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hatten Einsprache gegen das Baugesuch für die neun Windturbinen auf dem Schwyberg erhoben. Dies deshalb, weil der Windpark womöglich eine wichtige Vogelzugroute tangiere und das Baugesuch ohne ornithologische Abklärungen aufliege. Der Rekurs liegt beim Kanton.

Freiburger Nachrichten/ak/hus

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