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Uniform bringt keinen Respekt

«Einige haben den Respekt gegenüber der Polizei komplett verloren», sagen zwei Freiburger Polizisten. Morddrohungen, Spuckattacken, tätliche Angriffe – sie berichten aus ihrem nicht immer einfachen Alltag.

Nicht nur im Ordnungsdienst, wie hier nach einer Eishockeypartie Freiburg-Bern, müssen sich Polizisten einiges gefallen lassen.
Nicht nur im Ordnungsdienst, wie hier nach einer Eishockeypartie Freiburg-Bern, müssen sich Polizisten einiges gefallen lassen.
Alain Wicht / Liberté

Immer wieder sind Meldungen von Übergriffen gegen Polizisten zu hören. Im Kanton Zürich beispielsweise sollen in Zukunft Aussenstehende härter angefasst werden, die sich bei Kontrollen oder Festnahmen einmischen. An den Gerichten des Kantons Freiburg häufen sich die Fälle, in denen Drohung oder Gewalt gegen Behördenvertreter, meistens Polizisten, zum Thema werden.

Eine Szene, die anscheinend immer wieder mal vorkommt, wie zwei Gendarmen berichten. Zu ihrem eigenen Schutz bleiben diese anonym. «Ich habe in meiner über zehnjährigen Dienstzeit schon unzählige Morddrohungen bekommen, habe die Reifen meines Autos aufgeschlitzt vorgefunden, auch meine Familie wurde mehrfach bedroht», sagt ein dreifacher Familienvater, «es ist nicht immer einfach, das zu vergessen.»

Beängstigende Erlebnisse

Für einige Personen scheint die Uniform ein eigentlicher Anreiz zur Provokation zu sein. «Gewisse Leute haben keinen Respekt vor der Uniform. Selbst wenn sie in Untersuchungshaft landen, benehmen sie sich noch arrogant. Wir versuchen Personenkontrollen in einem vernünftigen Rahmen durchzuführen, was leider auch nicht immer klappt.» So erzählt der erfahrene Polizist mit Mühe von einem Ereignis auf der Schützenmatte: «Wir wurden um vier Uhr morgens hingeschickt, mehrere Personen randalierten, zertrümmerten Mobiliar und Scheiben. Als wir ankamen, richtete sich die Aggression sofort gegen uns, es kam zu einem Geschubse und Handgemenge. Das war schon beängstigend, da wir auch in der Minderheit waren. Als wir die Personen mit Verstärkung verhaftet hatten, war nur Hass in deren Augen zu sehen. In diesem Fall waren die Morddrohungen (angedeutetes Kehledurchschneiden) ernster zu nehmen als in den meisten anderen Fällen.» Andererseits gebe es Personen, die vor allem in der Gruppe agieren und schnell ganz klein werden, wenn sie in der Zelle landen, ergänzt sein jüngerer Kollege.

Immer wieder Alkohol

Alkohol sei einer der einflussreichsten Faktoren für das aggressive Verhalten, berichten die beiden Polizisten. Daher könne man auch nicht sagen, dass es in urbanen Gebieten schlimmer sei als auf dem Land. «Gerade an den Jugendfesten der Bezirke kocht die Stimmung schnell hoch. Die Veranstalter kooperieren aber sehr gut mit uns und sind froh, wenn wir Präsenz markieren.» In städtischen Gebieten kracht es häufig, was vor allem daran liegt, dass das ausgehfreudige Volk (auch vom Land) sich an den Wochenenden da versammelt, wo das Angebot am grössten ist. Der ältere Polizist glaubt, dass die Gewaltbereitschaft im Vergleich zu seinen ersten Berufsjahren zugenommen hat, allerdings sei dafür nur ein kleiner Teil der Bevölkerung verantwortlich. Ein gesellschaftliches Problem, meint er.

Bei allen negativen Erfahrungen wollen die beiden befragten Polizisten der mobilen Einsatzkräfte die Situation nicht dramatisieren. Sie betonen die Freude am Beruf und den guten Korpsgeist der Freiburger Kantonspolizei. Dieser gebe den nötigen Rückhalt nach schwierigen Erlebnissen. Zudem verlaufe die grosse Mehrheit der Einsätze ruhig.

ats/pj

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