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Murtner SP-Grossrat tritt zurück

Weil er aus dem «Schnellzug aussteigen» muss, tritt der Murtner SP-Grossrat René Fürst nach acht Jahren zurück.

«Kleine Leute? – Das sind wir am Anfang doch irgendwie alle. Schliesslich ist jeder nackt, wenn er auf die Welt kommt», meint René Fürst und spricht damit vor allem auch über sich selbst. Fürst kam nicht an der Universität in Kontakt mit der SP, sondern in der Gewerkschaft. Während andere im Gymnasium Formeln büffelten, stand Klein-René als Lehrling im Schuhladen. Und weil er sein Berufsleben nicht da beschliessen wollte, wo es angefangen hatte, machte er danach drei weitere Lehren: Grenzwachtschule, Zustellbeamter, Telegrafist. Heute ist er Leiter für Unternehmenslogistik bei der Micarna in Courtepin und hat einen Executive Master of Business Administration in der Tasche.

«Mal ein wenig geholfen»

Fürst geht charmant mit der Kellnerin im Restaurant um, ist leicht ergraut und gut angezogen. «Ich kanns nur so gut mit ihr, weil ich mal ein wenig geholfen habe, als sie hier neu war», erklärt er fast entschuldigend. Der Anlass: Die SP hatte Pause vom Grossen Rat, und die Genossen überforderten die Serviertochter komplett.

Auch das könnte als Analogie gelten, und zwar für Fürsts Verhältnis zur SP. Nach seiner Diagnose leidet die Partei am «Kopf-Basis-Syndrom». Die Führung gibt etwas vor, die Basis folgt. «Es ist nicht nur die SP, die den Bezug zur Basis verloren hat», sagt er. Aber die Partei habe von einer Arbeitnehmer- zu einer Akademikerpartei mutiert und den Draht zu den Nichtakademikern verloren. Die SP müsse wieder Themen aufnehmen, welche die Leute beschäftigen. «Aber die Akademiker schweben auf einer Welle und nehmen das nicht mehr wahr», glaubt Fürst. «Und», widerspricht der abtretende Grossrat dem Klischee von der ausufernd diskutierenden Partei, «so kritisch ist die SP gar nicht.» Er wirkt nicht glücklich dabei, obwohl er gern und oft lacht. Ums Lachen war es ihm in der Politik in der letzten Zeit nicht mehr so oft: «Ich habe genug vom Aufwand, der nichts bringt», sagt der 49-Jährige und differenziert nicht, ob er das auf die Politik bezieht oder auf die Parteiarbeit. Deshalb und aus anderen Gründen wird Fürst, der Homo politicus, wieder, als was er sich noch heute sieht: ein Animal laborans.

Bestes Wahlresultat

Den SP-Grossrat als Gegner zu haben war vielleicht keine leichte Sache. Aber so schlimm kann es nicht gewesen sein. Fürst wurde zwei Mal mit dem besten SP-Resultat in den Grossen Rat gewählt und musste deshalb über die SP hinaus Unterstützung gehabt haben.

Und weshalb der Rücktritt? «Nein, keine gesundheitlichen Probleme», sagt er. «Einfach mal aus dem Schnellzug aussteigen.» Ob darauf nicht die Leere folgt? «Leere», sagt er, «ist genau das, was ich brauche, um aus der Asche zu auferstehen.»

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