Kantonsgericht befasst sich mit dem Brand des Hotels Kaiseregg

Freiburg

Vier Jahre nach dem Brand des Hotels Kaiseregg in Plaffeien ist der Fall immer noch hängig.

In der Nacht auf den 19. Januar 2015 stand das Hotel Kaiseregg in Flammen.<p class='credit'>(Bild: Charles Ellena)</p>

In der Nacht auf den 19. Januar 2015 stand das Hotel Kaiseregg in Flammen.

(Bild: Charles Ellena)

Die Affäre rund um das Hotel Kaiseregg in Plaffeien kommt nicht zur Ruhe. Zum wiederholten Mal befasste sich am Montag eine Gerichtsbehörde mit dem Fall und versuchte, die Hintergründe des Brandes zu klären, der sich in der Nacht auf den 19. Januar 2015 ereignete.

Dieses Mal war es das Kantonsgericht unter dem Präsidium von Dina Beti. Dies, weil der Besitzer der abgebrannten Liegenschaft sowie ein mit ihm bekannter Geschäftsmann, der als Drahtzieher der Brandlegung verdächtigt wird, das erstinstanzliche Urteil weitergezogen hatten. Das Bezirksgericht Saane hatte den Besitzer im März 2018 wegen versuchten Versicherungsbetrugs und Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von dreissig Monaten verurteilt, sechs davon unbedingt.

Der mutmassliche Drahtzieher erhielt damals eine Strafe von viereinhalb Jahren, dies nicht nur wegen Anstiftung zu Brandstiftung und Vorbereitungshandlungen für Brandstiftung, sondern auch wegen vieler weiterer Delikte. Er verbüsst seine Strafe derzeit in Bellechasse.

Kritik an der Untersuchung

Am Montag nun haben die fünf Rechtsvertreter beider Lager sechs Stunden lang Plädoyers gehalten, um dem Kantonsgericht ihre Sicht der Dinge darzulegen. Die beiden Anwälte des Liegenschaftsbesitzers, Jacques Meuwly und André Clerc, kritisierten das Verfahren und kreideten den Untersuchungsbehörden viele Fehler an. Die Beweismittel seien nicht oder nur schlecht geprüft worden. «Die ganze Anklage basiert nur auf Hypothesen und nicht auf Beweisen», so Meuwly.

Clerc argumentierte mit der Unglaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen. Dabei handelt es sich um den eigentlichen Brandstifter, der den Liegenschaftsbesitzer und den mutmasslichen Drahtzieher schwer belastet hat. Der Besagte hatte gegenüber der Polizei gut ein Jahr nach dem Brand gestanden, das Feuer gelegt zu haben, ihm sei dafür Geld versprochen worden. «Unser Klient hatte es gar nicht nötig, das Hotel Kaiseregg anzünden zu lassen», betonte Rechtsanwalt Clerc. Denn zum Zeitpunkt des Brandes sei noch nicht klar gewesen, ob die Pläne, das Hotel abzureissen und darauf zehn Wohnungen zu bauen, wirklich nicht realisierbar wären. Die beiden Anwälte verlangten, dass ihr Klient freigesprochen wird.

Auch der Verteidiger des als Drahtzieher verdächtigten Geschäftsmannes kritisierte, dass die Anklage gegen seinen Klienten konstruiert worden sei. «Er hatte keinen fairen Prozess», so Anwalt Stefan Disch. Auch er argumentierte damit, dass der Brandstifter eine zentrale Figur sei. Er störte sich daran, dass dieser bereits verurteilt ist und deshalb nicht befragt werden konnte. Er beantragte, die Strafe drastisch zu mildern.

Motivation war Geld

Staatsanwalt Fabien Gasser liess sich von den Vorwürfen nicht beirren. Er wiederholte, was er bereits vor einem Jahr am Bezirksgericht gesagt hatte: Die beiden Angeklagten hätten die Sache gemeinsam ausgetüftelt, dafür gebe es einige Indizien. Der Brandstifter sei hart bestraft worden und hätte keinen Gewinn daraus schöpfen können, jemanden zu Unrecht zu belasten. «Die Lügner sind nicht die Zeugen, die Polizei oder die Staatsanwaltschaft, sondern die beiden Angeklagten», so Gasser. Die Motivation für alle Aktivitäten des Drahtziehers sei Geld gewesen. Das Kantonsgericht fällt das Urteil am Dienstagnachmittag.

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