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«Ich weiss nicht, warum ich es getan habe»

Ein 23-jähriger Mann ist am Strafgericht Sense in Tafers wegen Exhibitionismus und sexueller Belästigung verurteilt worden.

Die Vorfälle ereigneten sich alle im Frühjahr 2008 am Bahnhof Flamatt. In drei Fällen hat der junge Mann sich vor Frauen entblösst und sich dabei selbst befriedigt. In einem weiteren Fall hat er eine junge Frau auf dem Parkplatz beim Bahnhof Flamatt belästigt. Er hat sie gefragt, ob sie ihm «einen blasen» wolle, ob er sie anfassen dürfe, sagte ihr, sie habe «einen geilen Arsch», und wollte von ihr trotz ihres offensichtlichen Widerstands wissen, ob er sie «ficken» dürfe. Bei allen Fällen ist der Angeklagte als Täter identifiziert worden. Er gab dies zu, auch wenn er sich nicht an die Details oder die Gesichter der Frauen erinnern konnte.

Von einem Mann verfolgt

Hingegen bestritt er in der Befragung von Gerichtspräsident Reinold Raemy, sich der Tätlichkeit schuldig gemacht zu haben. Eine Frau hatte angegeben, dass sie von einem Mann auf dem Weg vom Bahnsteig nach Hause verfolgt worden ist. Als alle anderen Passagiere ihres Wegs gegangen waren, hat dieser sich ihr von hinten genähert und an die Schulter gefasst. Erst als sie laut aufschrie, ergriff er die Flucht. Die junge Frau, die wenige Wochen vorher auch schon Opfer eines Exhibitionismusvorfalls geworden war, sagte vor Gericht, dass sie nicht sicher sei, ob es sich beim zweiten Vorfall wirklich um den gleichen Täter gehandelt habe. «Ich habe nie jemand angerührt», betonte der Angeklagte an der Verhandlung mehrfach. «Ich würde nie eine Frau anfassen. Da bin ich 100-prozentig sicher.»

Unter Druck gestanden

Als Reinold Raemy die Gründe für sein Verhalten zu ergründen versuchte, antwortete der junge Mann: «Ich weiss nicht, wieso ich das getan habe. Ich kann es mir selber nicht erklären.» Er sei ziemlich unter Druck gestanden, weil er die Lehrabschlussprüfung nicht bestanden habe und sie in jenem Jahr nachholen musste. «Ich habe Cannabis konsumiert, um mit dem Druck klarzukommen.» Er sei hyperaktiv gewesen und habe nach einem Joint besser lernen können. Dafür habe er dann nicht mehr genau gewusst, was er tat.

Nachdem er von der Polizei aufgegriffen wurde, hat der Mann eine Therapie angefangen. «Die Gespräche haben mir gut getan. Ich bin heute sicher, dass ich so etwas nicht wieder tun werde.»

Mittleres Verschulden

Der amtliche Verteidiger des jungen Mannes, Ingo Schafer, plädierte dafür, den Anklagepunkt der Tätlichkeit fallen zu lassen. Das Tatverschulden wiege nur mittelschwer, und die Übergriffe seien nicht schwer gewesen. Ausserdem verwies der Anwalt auf das psychiatrische Gutachten, das dem Angeklagten eine mässige Verminderung der Zurechnungsfähigkeit zugestand. Ingo Schafer plädierte auf eine Geldstrafe «im unteren Bereich», eine bedingte Strafe und eine Busse.

Das Gericht folgte weitgehend den Anträgen der Verteidigung. Es verurteilte den Mann wegen mehrfachen Exhibitionismus, sexueller Belästigung und Cannabiskonsums. Vom Vorwurf der Tätlichkeit wurde er freigesprochen, da «der rechtsgenügliche Beweis für eine Verurteilung» fehle. Zu Gunsten des Mannes sprach sein kooperatives Verhalten.

Das Urteil lautet auf eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 100 Franken, bedingt auf zwei Jahre, sowie eine Busse von 400 Franken.

ats/im

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