Ein Zimmer für 100 Franken pro Tag

Flamatt

Die Starlight-Bar beim Bahnhof Flamatt geriet in die Schlagzeilen, weil der Oberamtmann das Bordell schliessen liess. Nun ist es wieder offen. Ein Besuch.

Der Blick in eines der Zimmer. Die Prostituierten, die im Bordell arbeiten, sind zwischen 21- und 27-jährig und kommen aus Rumänien.

Der Blick in eines der Zimmer. Die Prostituierten, die im Bordell arbeiten, sind zwischen 21- und 27-jährig und kommen aus Rumänien.

(Bild: Aldo Ellena/FN)

Die Starlight-Bar in Flamatt hat die perfekte Lage, um mit Zug oder Bus erreicht zu werden. Doch der Besitzer und die Prostituierten, die dort arbeiten, lachen und winken ab: Ihre Kunden kommen nicht mit dem öffentlichen Verkehr, sondern mit Auto oder Taxi. Sie kommen aus der Region Freiburg und Bern, viele von ihnen sind Stammgäste.

Ende Februar war die Bar mit den sechs Zimmern für Prostituierte in die Schlagzeilen geraten, weil der Sensler Oberamtmann die Räume im ersten Stock provisorisch schliessen liess. Die Freiburger Kantonspolizei hatte festgestellt, dass sich zu viele Frauen in den Prostituiertenzimmern aufhielten und dies zu Problemen bei der Hygiene und der feuerpolizeilichen Sicherheit geführt hatte.

Die 22-jährige Maria ist noch immer aufgebracht, wenn sie an diesen Tag zurückdenkt. «Wir hatten vier Stunden Zeit, unsere Sachen zu packen. Aber wo sollten wir denn hin, und wo vor allem konnten wir in der Zwischenzeit unser Geld verdienen?» Maria zieht nervös an ihrer Zigarette, während sie erzählt. Für sie hatte die dreiwöchige Schliessung des Lokals eine Lohneinbusse zur Folge. Sie stammt wie die anderen fünf Frauen der Kontaktbar – so nennen sie ihren Arbeitsplatz, der gleichzeitig ihre Wohnung ist – aus Rumänien.

Des Geldes wegen

Seit acht Monaten arbeitet Maria in der Starlight-Bar. Vor 4 Jahren kam sie in die Schweiz, um als Prostituierte Geld für sich und ihre Familie in Rumänien zu verdienen. «Ich habe in Rumänien ein Kind durchzubringen», sagt sie. Alle zwei bis drei Monate reist sie für drei Wochen zurück zu ihrer Familie. Mit den Arbeitsbedingungen und ihrem Einkommen ist Maria zufrieden. «Hier kannst du waschen, kochen, dich mit den anderen Frauen austauschen und sie notfalls um Hilfe rufen, sollte es Probleme geben.» Maria bezahlt dem Besitzer des Zimmers pro Tag 100 Franken Miete.

Bettwäsche, Handtücher, Strom, Internetanschluss und Präservative sind in der Miete inbegriffen. Die Einnahmen aus der Sexarbeit mit den Freiern gehen an die Frauen. Der Mindestbetrag für ein Angebot liegt bei 100 Franken. Anderswo liege er bereits bei 30 Franken, sagt Maria. Während sie erzählt, diskutiert sie immer wieder mit den anderen jungen Frauen in ihrer Muttersprache. Sie sind zwischen 21 und 27 Jahren alt. Maria spricht als Einzige gut Deutsch.

«Bin kein Zuhälter»

Besitzer der Starlight-Bar ist der 35-jährige Nenad Cvetanovic aus Düdingen. Er hat das Lokal im Mai 2013 übernommen, als Quereinsteiger, wie er sagt. Aus seiner Sicht wäre die Schliessung der Prostituiertenzimmer nicht nötig gewesen; die Polizei habe überreagiert. Die Hygienemängel seien auf einen noch nicht behobenen Wasserschaden zurückzuführen gewesen. Diesen habe er nun repariert und deshalb das Lokal Mitte März bereits wieder öffnen können, sagt Cvetanovic.

In der Zwischenzeit seien die Frauen bei ihm zu Hause untergebracht gewesen. Cvetanovic stört sich daran, dass er von einer Gratiszeitung als Zuhälter bezeichnet wurde. Es sei nicht so, dass die Frauen in ihren Zimmern eingesperrt seien, betont er. Sie hätten das ganze Haus zur Verfügung und könnten pro Woche auch einen Tag freinehmen.

Freiburger Nachrichten

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