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ARA-Gegner fordern Pipeline nach Biel

Am 10. Februar wird über den Ausbau der ARA Seeland-Süd in Muntelier abgestimmt. Die Gegner pochen auf eine alternative Lösung. Aber die Befürworter wollen bauen, die Zeit drängt.

Die ARA Seeland-Süd in Muntelier soll bis ins Naturschutzgebiet Chablais hineinwachsen. Visualisierung: PD
Die ARA Seeland-Süd in Muntelier soll bis ins Naturschutzgebiet Chablais hineinwachsen. Visualisierung: PD

Die Aktionsgruppe Planung & Entwicklung (P&E) Kerzers bekämpft den Ausbau der 40-jährigen ARA Murten in Muntelier zur ARA Seeland Süd vehement. Sie will die Bevölkerung überzeugen, bei der Abstimmung über den Baukredit von rund 63 Millionen Franken für das Projekt ein Nein in die Urne zu ­legen.

«Dieser Betrag ist eine Mogel­packung», sagte Fredi Schwab von der Aktionsgruppe am Montag vor den Medien. Denn die Leitung von der ARA Kerzers nach Muntelier würde weitere 4 Millionen kosten. «Zudem muss die ARA Kerzers für ihren Umbau 13 Millionen aufbringen. Das Ganze kommt also auf mindestens 83 Millionen Franken», sagt der kämpferische Agroingenieur, der ursprünglich Gemüsebauer war.

Schwab weist darauf hin, dass das gereinigte Wasser aus einer ARA nicht einmal zum Giessen von Gemüsefeldern gebraucht werden dürfte. Es in den Murtensee zu leiten, könne auch keine Alternative sein, wohl aber der Bau einer 25 Kilometer langen Pipeline, die das Abwasser zur ARA Biel in Brügg leiten würde. Diese könnte für rund 35 Millionen gebaut werden, wie Ingenieure für P&E berechnet haben.

Laut Schwab müsste in Biel keine Einkaufssumme entrichtet werden, wie man ihm dort mündlich zugesichert habe. Fredi Schwab und P&E möchten die Stimmbürger von dieser Alternative überzeugen.

Viel höhere Gebühren

Der teure ARA-Ausbau ginge auch den Verbrauchern ans Portemonnaie. Gemäss heutigen Berechnungen wären nach dem Ausbau 2 Franken pro Kubikmeter Abwasser zu erwarten. Demgegenüber würden die Kosten mit der Leitung zur ARA Biel nur rund 75 Rappen pro Kubikmeter betragen, Druckleitung, Pumpen und Gebühren inbegriffen. Gemäss Jahresberichten der ARA Laupen und Bern belaufen sich die dortigen Verarbeitungskosten auf nur rund 22 Rappen pro Kubikmeter Schmutzwasser. «Genau so viel würde es kosten, wenn wir unser Abwasser nach Biel leiten – das ist eine Vollkostenberechnung», sagt Schwab.

Dass die Gemeinden zu­sätzlich die gesetzlich vorgeschriebenen Trennsysteme für Schmutz- und Regenwasser erstellen müssten, werde weitere Millionen verschlingen, welche die Gemeinden und die Liegenschaftsbesitzer bezahlen müssten. Schwab warnt: «Die Zeche bezahlen die Wasserbezüger und die Umwelt.» Denn die ARA in Muntelier wäre trotz Ausbau noch zu klein, um rentabel zu sein. Vor allem wenn der Klärschlamm – wie vorgesehen – mit Lastwagen zur Verbrennung nach Châtillon gebracht würde, statt, wie in Biel, getrocknet und als Brennstoff in der Zementindustrie verwendet zu werden.

Aktion sauberer Murtensee

Sprachrohr der in Muntelier domizilierten ARA-Ausbau-Gegner ist die Vereinigung «Aktion sauberer Murtensee», die mit P&E zusammenspannt. «Ja, wir arbeiten zusammen. Die Kerzerser erwachen langsam und sind, wie die Muntelierer, zunehmend dafür, Nein zu stimmen», sagt Peter Halbherr von «Sauberer Murtensee». Auch er und seine Vereinigung plädieren für den Bau einer Pipeline und den Anschluss an die ARA Biel.

Auch wegen der hohen Betriebskosten von 5,8 Millionen pro Jahr, die die ARA Seeland-Süd mit sich bringen soll. «Nur eine teure ARA zu bauen und zu sagen, die sei sehr gut, das reicht nicht», sagt Halbherr. Er hofft, dass die Stimmberechtigten ein Nein in die Urne legen, weil sie erkennen, dass kein geklärtes Abwasser mehr in den Murtensee fliessen sollte, der die Region mit Trinkwasser versorgt.

«Alternativen geprüft»

Die Befürworter des ARA-Ausbaus haben eine andere Optik. «Es sind schon im Jahr 2010 Standortalternativen geprüft worden», erklärt Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin des Vorstands ARA Seeland-Süd, und gesteht, dass eine Pipeline allerdings nie im Gespräch gewesen sei. Schneider meint, es sei zu spät, zwei Monate vor der Abstimmung weitere Alternativen zu prüfen. «Ausser es würde Wesentliches gegen den Ausbau der ARA sprechen.»

Laut der Vorstandspräsidentin raten auch Fachleute vom Bau einer Leitung nach Biel ab, aus Kostengründen. Ob die Leitung wirklich so viel billiger wäre als der ARA-Ausbau, sei unklar. Zudem stehe man unter Zeitdruck. «Die ARA Kerzers darf ab Ende 2020 kein Abwasser mehr in den Erli­graben einleiten.» Die Planung sieht einen Anschluss der ARA Kerzers an die ARA Seeland-Süd erst für Anfang 2022 vor. «Deshalb müsste die Bewilligung für die Einleitung in den Erligraben allenfalls verlängert werden», sagt Schneider.

Das alles leuchtet Fredi Schwab nicht ein. «Die Behörden haben geplant, ohne diese Alternative zu prüfen», sagt er. Sein Mitstreiter Frank Steiner, ebenfalls Ingenieur, fügt an: «Den Behörden geht es um Strukturerhaltung. Dabei brächte die Leitung nach Biel einen Mehrwert, wie ich ihn in meiner ganzen beruflichen Karriere noch nie gesehen habe.»

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