Murten

Den Nachttopf einfach in die Gasse gekippt

MurtenDas Freilichttheater 1476 lässt die Murtenschlacht optisch wieder aufleben. In diesen Tagen dreht ein Filmteam TV-Spots an den Originalschauplätzen.

Kamera läuft: Topfleerete über die Hühner für die Filmaufnahme.

Kamera läuft: Topfleerete über die Hühner für die Filmaufnahme. Bild: Iris Andermatt

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Nebel hängt im Spichergässli. Die Pflastersteine sind mit klebriger Erde bedeckt. Ein Karren mit Stroh steht neben einer Stalltüre. «Die Pisse, Anna-Katharina!», ruft Regisseur Philippe Weibel. Auf sein Kommando tritt eine weibliche Gestalt auf eine Laube und leert einen weissen Nachttopf in die Gasse. Bis Weibel zufrieden ist, muss die Frau den Topf immer wieder ausschütten. Aufgefüllt wird er mit Wasser aus einem Kupferbecken, das neben dem Kamerateam steht. Anders als 1476, als Murten von den Burgundern belagert wurde, stinkt es weder nach Urin noch nach Mist. Hauptsache das Bild stimmt. 20 Trailer, die auf Telebärn und Facebook gezeigt werden, bewerben das Freilichtspiel 1476, das im nächsten Sommer aufgeführt wird.

«Jetzt die Hühner!», ruft Philippe Weibel. Mitarbeiter des Regionalverbandes Seebezirk verschwinden in einem Stall. Bald kommen sie zurück. Jeder trägt zwei blütenweisse Hühner auf dem Arm. Die Tiere stürzen sich auf die Körner, die ihnen reichlich auf die nasse Erde gestreut werden. Gackernd, pickend und scharrend bewegt sich das Federvieh im künstlichen Nebel. «Ob es damals schon Hortensien und Funkien in Töpfen gab?» flüstert eine Zuschauerin und zeigt auf Topfpflanzen neben dem Filmteam. Auch der Bonsai oben auf dem Mauervorsprung wirkt eher neuzeitlich. Aber die Filmer konzentrieren sich auf die historischen Fassaden, die Hühner und die Frau, die schon wieder den Nachttopf ausschüttet. Gackernd stieben die Hühner auseinander. Sieflüchten hinter die Topfpflanzen und bleiben dort, bis sie jemand wieder auf die Szene scheucht.

Satte Hühner haben keine Lust mehr, Körner zu picken. Jetzt sind sie durstig und trinken aus der Lache, wo sich das Nachttopfwasser gesammelt hat. Danach flüchten sie wieder hinter die Büsche. «Mit den Pferden gestern war es noch schlimmer. Die wollten auch gar nicht so, wie es die Filmer gern gehabt hätten», sagt Produzentin Morena Neuhaus. Sie sinniert, wie sehr sich das von den Franzosen belagerte Murten vom heutigen unterscheidet. «Ich glaube, die hatten hier nach der 12-tägigen Belagerung fast nichts mehr», sagt Neuhaus, während der Nachttopf ein weiteres Mal über den Hühnern ausgekippt wird.

An den Schuhsohlen klebt Dreck. Vorsichtig wagen sich die Hühner aus ihrem Versteck hervor und suchen scharrend nach Körnern. Zum Glück ist der Trailer gedreht. Mit dem Nachttopf in der Hand steigt Anna-Katharina die Treppe hinunter. «Ihr könnt jetzt die Hühner einfangen», sagt Weibel. «Gern. Das hab ich noch nie gemacht», freut sich Morena Neuhaus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.10.2013, 08:54 Uhr

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