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Fluchttreppe stört tatsächlich

Die beim Umbau des Schweizerhofs in Kandersteg erstellte Feuertreppe muss abgebaut und ersetzt werden. Sie verunstalte die Fassade des denkmalgeschützten

2005 wurde Ulrich Künzi die Bewilligung für den Umbau des ehemaligen Kandersteger Hotels Schweizerhof und die Umnutzung in ein Alters- und Pflegeheim erteilt. Dieser Entscheid enthielt eine Brandschutzauflage, wonach unter anderem bei jedem Haustrakt eine Aussenfluchttreppe gebaut werden musste. Künzi hielt sich an diese Auflage und installierte auf der Nordwestseite des Gebäudes eine Stahlkonstruktion mit Treppen und Podesten. Dadurch sollte im Brandfall eine Flucht aus beiden Trakten des Gebäudes von allen Geschossen aus möglich sein. Dezente Alternative Nach Aufforderung der Gemeinde Kandersteg reichte Künzi 2006 für diese Feuertreppen ein nachträgliches Baugesuch ein. Die Kantonale Denkmalpflege (KDP) beantragte, dieses Gesuch nicht zu bewilligen. «Die Treppe beeinträchtigt die als schützenswert deklarierte Liegenschaft in unangemessenem Ausmass», so die KDP. Der Regierungsstatthalter liess daraufhin von Architekten eine etwas dezentere Alternative ausarbeiten, welche anschliessend bewilligt wurde. Er verfügte zudem den Abbruch der bereits erstellten Treppe, soweit sie dem neuen Plan nicht entspricht. Künzi war damit nicht einverstanden und gelangte ans Verwaltungsgericht des Kantons Bern. Er fand, dass die Treppe bereits mit dem Entscheid von 2005, welcher auch die Brandschutzauflage enthielt, bewilligt worden sei. Das neue Verfahren erübrige sich daher. Bewilligung nicht inklusive Das Verwaltungsgericht aber schloss sich der Meinung der Vorinstanz an: «Der Entscheid von 2005 hat Künzi nur das Recht respektive die Pflicht eingeräumt, eine Feuertreppe zu bauen. Eine Bewilligungserteilung für die konkrete Gestaltung der Treppe kann daraus nicht abgeleitet werden», so das Verwaltungsgericht in seinem vergangenen Montag veröffentlichten Urteil. Künzi brachte vor, ein optimaler Brandschutz für die Bewohner des zukünftigen Heims gehe allfälligen ästhetischen, denkmalschützerischen Vorbehalten vor. «Damit hat er zwar grundsätzlich Recht», schrieben auch die Richter. Der Zweck der Treppe – die Rettung im Brandfall – lasse sich aber auch mit einer weniger auffälligen Konstruktion erreichen. «Die von Künzi erstellte Treppe ist somit nicht bewilligungsfähig», so das Urteil. Treppe ersetzen? Das Gericht prüfte weiter, ob Künzi die Treppe nun tatsächlich teilweise entfernen und neu bauen muss. Das müsste er nicht, wenn er «in gutem Glauben angenommen hätte, er sei zum Bauen ermächtigt». In diesem Fall dürften aber auch keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen. «Künzi als Architekt hätte klar sein müssen, dass eine solche massive Metallkonstruktion das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes erheblich verändert», heisst es im Urteil. Dass solche Veränderungen bewilligungspflichtig seien, hätte der Architekt ebenfalls wissen müssen. «Er kann daher nicht als gutgläubig gelten», kam das Gericht zum Schluss. Künzi brachte weiter vor, die verlangten Änderungen an der Fluchttreppe seien unverhältnismässig. Das Gericht war anderer Meinung: «Angesichts der erheblichen öffentlichen Interessen – Denkmalschutz und Einhaltung des Baurechts – erachtet das Gericht die Änderungskosten von 68000 Franken nicht als unverhältnismässig.» Es wies daher die Beschwerde ab und auferlegte Künzi die Verfahrenskosten von 3000 Franken. Dieser kann seine Beschwerde ans Bundesgericht weiterziehen. Ulrich Künzi war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Nora Scheidegger >

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