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Fitnesscenter ging die Luft aus

Das Quadis, das drittgrösste Fitnesscenter in der Region Thun, ist am Boden: Das Konkursverfahren ist am 8. Juli eröffnet worden. Am selben Tag schloss der Betrieb seine Türen. Ist

Wer die Nummer des Fitnesscenters Quadis an der Tempelstrasse in Allmendingen einstellt, kann warten, bis er oder sie schwarz wird: Das Freizeichen tutet wieder und wieder, ohne dass jemand den Hörer abnimmt oder sich ein Anrufbeantworter einschaltet. Und wer im Internet die Adresse des Unternehmens eintippt, kann zwischen zwei Seiten hin- und hersurfen: der Homepage und einem Kontakt- respektive An-frageformular. Der Grund für diese Kommunikationslücken: Das Quadis ist seit dem 8. Juli geschlossen. Das Unternehmen hat Schulden und leere Kassen, das Konkursverfahren ist ebenfalls am 8. Juli eingeleitet worden. «Ein Preiskampf tobt» René Karlen, der Inhaber des Quadis, wollte sich gegenüber dieser Zeitung nicht zur Bruchlandung seiner Firma äussern. Doch die Recherche in der Fitness-Branche zeigt: Das Quadis ist eventuell Opfer seiner eigenen Billig-Strategie geworden. «Die Schliessung ist ganz klar darauf zurückzuführen, dass ein enormer Preiskampf unter den verschiedenen Centern tobt», sagt Hanspeter Grossen, der an der Bernstrasse in Steffisburg das Input-Trainingscenter betreibt und seit 25 Jahren in der Fitness-Branche mitmischt. «Wir haben sehr viele Mitglieder verloren, weil im Quadis ein Abo viel weniger kostete als bei uns.» Er sage seit der Eröffnung des Quadis vor drei Jahren, dass man mit einem Abo-Preis von weniger als 1000 Franken pro Jahr nicht geschäften könne. «Das geht höchstens, wenn ein Paar gemeinsam ein kleines Center betreibt. Sobald das Center aber grösser wird, steigen die Kosten, etwa für die Mitarbeiter und den Strom.» «Hausaufgaben machen» Tom Seger, Inhaber des TC Training Center an der Panoramastrasse beim Bahnhof Thun, spricht von einem «gesunden Konkurrenzkampf in der Region Thun». Bestehen könne auf Dauer nur, wer seine Hausaufgaben mache. Dazu gehört bei ihm, dass er nur Fitnessinstruktoren mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis anstellt. Wichtig seien zudem gesunde Finanzen, Beständigkeit, ein optimales Gästemanagement und Marketing. Seger empfiehlt auch den kleinen Fitnesscentren, die Rechnung durch externe Profis revidieren zu lassen. «Wer das tut, findet viel eher Banken, die bereit sind, Kredit zu geben.» Die Familie Seger ist seit 40 Jahren in der Fitnessbranche tätig. Tom Seger hat in diesem Jahr den Award der Zeitschrift Fitness Tribune bekommen. Damit zeichnet die Zeitschrift Personen aus, die sich «in hervorragender Weise für die Fitnessbranche und die dahinterstehende Philosophie einsetzen». Urs Rüegsegger, Inhaber des Daytona Gym an der Bernstrasse in Thun, sagt ebenfalls: «Die Konkurrenz auf unserem Gebiet ist in der Region Thun tatsächlich sehr gross.» Wenn der einzelne Betrieb überleben wolle, müsse er sich von den anderen abheben. Rüegsegger setzt deshalb auf die Karte «klein, aber fein». «Wir sind ein familiärer Betrieb, in dem sich fast alle kennen, zudem achten wir auf eine gute Atmosphäre.» Die Schliessung des Quadis hatte bisher positive Auswirkungen auf das Daytona Gym: «Die Quadis-Mitglieder suchen nun nach einem neuen Trainingsort – einige haben auch bei uns vorbeigeschaut», sagte Rüegsegger weiter. Er hat die Gunst der Stunde erkannt und für sie eine Sonderaktion gestartet mit tieferen Preisen für einen Schnuppermonat. Gibts Geld zurück? Input und TC sind die grössten Fitnesscentren in der Region Thun. Den dritten Rang belegte bisher das Quadis. Dessen Kunden schauen nun in die Röhre: Sie haben ihre Abos zwar bezahlt, doch es bestehen kaum Chancen, dass sie etwas von ihrem Geld zurückbekommen. Bei Konkursverfahren gilt die Priorität den grossen Gläubigern und den Löhnen des Personals. Wer in die Räume des Quadis einzieht, ist zurzeit noch offen. Kurt Weder, Miteigentümer der Liegenschaft und in der Region als früherer Präsident des FC Thun bekannt, erklärte auf Anfrage, die Nachfolge sei noch nicht geregelt. Marc Imboden >

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