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Finanzexperte mit Blick fürs Ganze

SteffisburgMorgen wird Beat Wegmann an der ersten GGR-Sitzung des Jahres zum neuen Ratspräsidenten gewählt. Der 57-jährige FDP-Vertreter gilt in der Partei als Finanzexperte, sieht sich selbst aber als politischer Allrounder. Ein spezielles Projekt führt ihn quer durch die ganze Schweiz.

«Es war für mich ein Schlag in die Magengegend.» Beat Wegmann erinnert sich nur ungern an den 28. November 2010. Damals hat seine Partei, die FDP, bei den Kommunalwahlen in Steffisburg herbe Verluste einstecken müssen. Im Grossen Gemeinderat (GGR) gingen zwei von sieben Sitzen verloren, im Gemeinderat einer von zweien. Die Resultate der Partei hätten ihn betroffen gemacht, und Wegmann ist sich sicher: «Wir wurden für Dinge abgestraft, die wir gar nicht verursacht haben. Die FDP scheint zurzeit einfach nicht trendy zu sein.» Persönlich hat Beat Wegmann die Wiederwahl in den GGR geschafft. Damit haben für ihn nach dem Wahlsonntag die Vorbereitungen zur nächsten grossen Aufgabe begonnen. Nach zwei Jahren als zweiter und erster Vizepräsident wird der 57-Jährige morgen, an der ersten GGR-Sitzung des Jahres, zum neuen Ratspräsidenten gewählt. Vom Bankwesen fasziniert Beat Wegmann ist 1953 als ältester von drei Söhnen in Sumiswald geboren. Aufgewachsen ist er in Unterseen, wo er bis in die dritte Klasse zur Schule ging. Danach zog die Familie weiter nach Interlaken; seine Mutter lebt heute noch dort. Später absolvierte Wegmann die Handelsschule in La Neuveville, ehe er bei einer Bank in Spiez seine erste Stelle antrat. 1980 schloss er die Ausbildung zum diplomierten Bankfachmann ab. «Kredite und Hypotheken übten seit jeher eine Faszination auf mich aus», erinnert sich Wegmann heute. 1997 brachte ein Stellenangebot ihn, Ehefrau Theres und die Kinder Corinne und Roger nach Steffisburg. Bei der Spar- und Leihkasse Steffisburg war der Platz als Stellvertreter des Chefs freigeworden. Wegmann packte seine Chance und hält bei der Bank bis heute den Posten als Leiter Finanzierungen inne. In den Fussstapfen des Vaters An seinem neuen Wohnort angekommen, war für ihn sofort klar: «Wo man sich daheim fühlt, soll man sich auch engagieren.» Wegmann stieg bei der Feuerwehr und im Tennisclub ein; in letzterem wirkte er drei Jahre als Vize- und gleich lange als Präsident. Doch wann und weshalb kam der Eintritt in die FDP? «Bereits mein Vater politisierte in dieser Partei, war in Interlaken im GGR und ebenfalls Ratspräsident», erklärt der Freisinnige. Er sei also durch das Elternhaus geprägt worden. Liberal bedeutet für Beat Wegmann «die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen». Eine Partei, in der Stimmzwänge herrschen, wäre für ihn nie in Frage gekommen. Erstmals für die FDP Steffisburg kandidiert hat Wegmann bei den Wahlen 2002. Er erreichte einen guten Ersatzplatz und rutschte per 1. Januar 2006, mitten in der Legislatur, in den GGR nach. «Seither bin ich in der Fraktion vor allem für Finanzfragen zuständig», sagt der 57-Jährige. Die aktuelle finanzielle Lage der Gemeinde präsentiere sich gut, meint der Bankfachmann. Das Dorf könne sich etwas leisten und habe gleichzeitig gute Perspektiven für die Zukunft. Sein Credo ist und bleibt aber: «Wir müssen zuerst sparen und dann ausgeben – nicht umgekehrt!» «FDP unter Wert geschlagen» Was Wegmann generell Mühe bereitet, ist die allgemeine Politikverdrossenheit im Volk: «Sie hat in den letzten 20 Jahren massiv zugenommen. Es wird heutzutage immer schwieriger, Leute zum Mitmachen zu bewegen.» Der Stellenwert der Politik müsse wieder steigen, schliesslich verdanke die Bevölkerung dem Schweizer System viele Rechte. Dass die FDP ihre Talsohle beim Wähleranteil durchschritten hat, davon ist Beat Wegmann überzeugt. Der aktuelle Erfolg der neuen jungen Parteien werde sich wieder relativieren, sobald der erste Schwung vorbei sei. Was seine eigene Partei betrifft, meint Wegmann: «Die FDP wird zurzeit unter ihrem Wert geschlagen. Die gute Arbeit der zwei profilierten FDP-Bundesräte wird uns im Wahljahr 2011 aber sicher Auftrieb verleihen.» Vom Bodensee bis nach Genf Im Leben von Beat Wegmann hat allerdings nicht nur Politik Platz. Nach wie vor spielt er einmal pro Woche ein Doppel bei den Senioren des Tennisclubs Steffisburg. Im Winter ist er regelmässig auf Skipisten anzutreffen. Zudem zeigt sich Wegmann fasziniert von der Fliegerei und zählt Lesen und Musik ebenso zu seinen Hobbys. Ein besonderes Projekt verfolgt er derzeit zusammen mit seiner Frau Theres: «Wir wandern auf dem Jakobsweg Stück für Stück vom Bodensee quer durchs ganze Land bis nach Genf. Mittlerweile sind wir in Fribourg angelangt.» Wegmann, der mit der Wanderung keine religiösen Ziele verfolgt, war von der Idee am Anfang «gar nicht begeistert». Mittlerweile sei er aber vom Weg fasziniert und könne dabei «so richtig«hinunterfahren». Zunächst denkt der zukünftige GGR-Präsident nun aber an den morgigen Tag und da verspürt er «schon ein gewisses Kribbeln im Bauch». Wegmann sieht sein Amtsjahr als persönliche Herausforderung und will es dementsprechend nicht auf die leichte Schulter nehmen. «Ich sehe mich als Präsident aller Parteien und werde dafür sorgen, dass die gute Parlamentskultur in Steffisburg weitergepflegt wird», verspricht Wegmann. Dabei gelte es, zunächst die drei neuen Parteien im Rat zu integrieren. Zu sehr auffallen möchte der FDP-Mann jedoch nicht. Er sieht sich – sei es nun als Mitglied im GGR, dessen Präsident oder auch im Privaten – «eher als Allrounder und nicht als Spezialisten». Gabriel Berger>

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