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EWB verkauft Kunden teures Erdgas

GaspreiseWer von Energie Wasser Bern Gas bezieht, muss wesentlich mehr bezahlen als in anderen Schweizer Städten.

Obschon Erdgas immer stärker nachgefragt wird, können die Bezüger ihren Anbieter nicht frei wählen. Wer in der Stadt Bern Gas beziehen will, muss dies grundsätzlich bei Energie Wasser Bern (EWB) tun. Das Monopol beim Gasbezug müssen die Berner allerdings teuer bezahlen: Die Gaspreise der EWB sind je nach Höhe des Verbrauches zum Teil über 30 Prozent teurer als in anderen Schweizer Städten, wie ein konkretes Beispiel zeigt. Kurt Trachsel verwaltet in Burgdorf und in Bern zwei ähnlich grosse Bürogebäude, die beide mit Gas beheizt werden. In Burgdorf bezieht er das Gas von Localnet. Als Trachsel im Frühling die Gasrechnungen der beiden Gaslieferanten erhalten hat, ist ihm aufgefallen, dass EWB für die gleiche Menge Gas über 30 Prozent mehr verlangt als Localnet in Burgdorf. Pro Liegenschaft bezieht Trachsel jährlich rund 350000 Kilowattstunden Gas. «Zuerst dachte ich, dass es sich um einen Fehler handelt», sagt Trachsel. Nach einigen Nachforschungen bei EWB und Localnet stellte sich aber heraus, dass beide Rechnungen absolut korrekt sind und die Preisdifferenz von 30 Prozent der Realität entspricht. Für Trachsel bedeutet dies, dass die Heizkosten in Bern rund 11000 Franken höher sind als in Burgdorf. Oder anders gesagt: Mit dem Betrag, den Trachsel in Burgdorf durch die tieferen Gaspreise spart, kann er sich nach zehn Jahren eine neue Heizung kaufen. «Differenz ist überrissen» «Es mag zwar sein, dass die lokalen Verhältnisse einen 10 bis 15 Prozent höheren Gaspreis rechtfertigen. Die Preisdifferenz von über 30 Prozent ist nach meiner Auffassung ganz einfach überrissen und in keiner Weise nachvollziehbar», ärgert sich Trachsel. Wie erklärt man bei EWB die massiv höheren Gaspreise in Bern im Vergleich zu Burgdorf? «Das Erdgasnetz in Bern ist veraltet. Daher tätigen wir grosse Investitionen in die Netzinfrastruktur, was in den letzten Jahren zu einer defizitären Erdgasrechnung führte. Dies wurde per 1.Oktober 2010 korrigiert, weshalb die Investitionskosten nun den Erdgaspreis beeinflussen», heisst es bei der EWB-Medienstelle. Korrigiert heisst in diesem Falle, dass die Gaspreise durchschnittlich um 14 Prozent erhöht wurden. Diese Preiserhöhungen wurden vom eidgenössischen Preisüberwacher überprüft und als korrekt eingestuft. Die EWB-Argumentation lässt darauf schliessen, dass die Stadt Bern als Eigentümerin von EWB in den letzten Jahren generell zu hohe Gewinne abgeschöpft hat und in der Folge zu wenig Geld für Ersatzinvestitionen beim Gasnetz eingesetzt wurde. Alleine im vergangenen Jahr führte die Stadt Bern von den 59,1 Millionen Franken Gewinn 40 Millionen Franken in die Stadtkasse ab. Die Zeche für die zu tiefen Abschreibungen während der letzten Jahre für die Erdgasinfrastruktur bezahlen nun die EWB-Kunden in Form von höheren Gaspreisen (vergleiche Box). Der Hauptgrund, warum im vorliegenden Beispiel der EWB-Kunde über 30 Prozent mehr bezahlt als in Burgdorf, ist, dass Localnet den Kunden Trachsel in die Kategorie «Grosskunden» nimmt und EWB hingegen nicht. Localnet in Burgdorf zählt Kunden ab einem Bezug von 300000 Kilowattstunden bereits zu den Grossbezügern. Bei EWB in Bern erreichen Kunden diese Schwelle erst bei 600000 Kilowattstunden–also doppelt so hoch. Kein Wunder also, dass EWB in ihrer Kundendatei nur eine Handvoll «Grosskunden» hat. Bern im Vergleich teuer Ein Vergleich mit anderen Schweizer Städten zeigt, dass EWB generell zu den teuersten Gasversorgern gehört. Über alle Kategorien hinweg zahlen Kunden in Zürich, Basel und Genf weniger als in Bern. In Bern bezahlt ein normaler Haushalt rund 25 Prozent mehr als in Basel. Nur in Lausanne ist Erdgas noch teurer. «Wir haben bei Erhebungen der Gaspreise festgestellt, dass Bern zu den Städten mit den höchsten Gaspreisen zählt», sagt Beat Niederhauser, stellvertretender Preisüberwacher. Bis jetzt sind Vergleiche von Gaspreisen schwierig, denn die Tarifsysteme der Anbieter sind sehr unterschiedlich gestaltet. Bis Ende Sommer sollen aber die detaillierten Gaspreise der Anbieter in der Schweiz im Vergleich vorliegen. Niklaus Bernhard>

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