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Es bleibt dabei: Roche schliesst

BurgdorfAm Aus für die Niederlassung in der Industrie Buchmatt gibt es zwar nichts mehr zu rütteln. Doch wenigstens hat sich der Roche-Konzern mit Angestellten und Behörden auf einen Sozialplan und auf das weitere Vorgehen verständigt.

Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher redet offen von einem «durchzogenen Kompromiss». Durchzogen deshalb, weil der Kanton das Schicksal der Roche-Niederlassung in Burgdorf nicht doch noch zum Guten wenden konnte. Verschiedene Gespräche auf höchster Ebene vermochten am scheinbar Unabänderlichen ebenso wenig rütteln wie die vom Gesetz vorgegebene Anhörung der Angestellten und deren Ideen für eine andere, bessere Zukunft des Insulinpumpen-Werks: Die einst als Disetronic gegründete und heute unter dem Namen Roche Diabetes Care geführte Firma in der Industrie Buchmatt verschwindet bis 2013, damit gehen auf einen Schlag 350 Stellen verloren. «Wir sind in der Absicht angetreten, die Schliessung zu verhindern, und haben dieses – zugegeben schwierige – Ziel nicht erreicht», fährt Rickenbacher fort. Ein Grosskonzern wie Roche könne halt nicht einfach so auf einen Entscheid zurückkommen, der schon weltweit kommuniziert sei – trotzdem mag der Volkswirtschaftsdirektor nicht einfach Trübsal blasen. Er, der noch vor zwei Monaten den aus heiterem Himmel verkündeten Schliessungsentscheid harsch kritisiert hatte, sagt nun: Die nachfolgenden Kontakte mit der Konzernspitze seien in angenehmem Klima verlaufen. Und sie hätten, vor allem, zu einer gemeinsamen Erklärung geführt, die sowohl den Angestellten wie auch der Stadt Burgdorf und dem Kanton Bern etwas bringe. Hilfen für neue Jobs In diesem von Vertretern der Stadt, des Kanton und der Roche-Zentrale in Basel unterzeichneten Papier stellt der Konzern einen Sozialplan in Aussicht, der laut Rickenbacher «über das übliche Mass hinausgeht». Er umfasst im Wesentlichen drei Hauptpunkte, wie Stefan Aebi als Standortleiter der Roche Diabetes Care AG erläutert. Erstens versucht Roche, die Betroffenen nach Möglichkeit intern weiterzubeschäftigen, ihnen im Verlauf der noch verbleibenden zwei Jahre neue Jobs an Hauptsitz von Diabetes Care in Mannheim oder anderen Roche-Standorten anzubieten. Wenn dies nicht klappt, will Roche den Betroffenen zweitens helfen, extern einen neuen Job zu finden. Drittens zahlt Roche schliesslich all jenen, die den Konzern verlassen müssen, eine Entschädigung aus – unabhängig davon, ob sie eine neue Stelle haben oder nicht. Wobei Aebi als klares Ziel formuliert, «dass niemand arbeitslos wird». Und wenn dies trotz aller Bemühungen nicht gelinge, «wollen wir wenigstens die Folgen abfedern». Fokus auf die Forschung Doch das ist nicht alles, was die gemeinsame Erklärung festhält. Roche verpflichtet sich nämlich weiter, für die Produktion einer neuen Generation von Insulinpumpen bevorzugt auf Firmen aus der Region Burgdorf und dem Kanton Bern zu setzen. Im November hatte der Konzern das Aus in Burgdorf unter anderem damit begründet, dass man die Fertigung der neuartigen Geräte an Dritte auslagern werde – klar, schränkt Aebi nun ein, werde man diese Aufträge weltweit ausschreiben. Bei gleichwertigen Angeboten werde die Nähe der Arbeitsplätze zu Burgdorf aber sicher eine Rolle spielen. Firmen, die solche Aufträge erfüllen könnten, gebe es im Grossraum Bern auf alle Fälle, sagt wiederum Rickenbacher, und vielleicht könnten auf die Art ja für die heutigen Roche-Mitarbeiter neue Stellen geschaffen werden. Denkbar wäre auch, dass eine dieser Firmen den Kauf des Roche-Gebäudes in der Buchmatt ins Auge fasst – der Volkswirtschaftsdirektor sagt, dass im Fall der Fälle auch die Wirtschaftsförderung zur Stelle wäre. Und Investitionen mit finanziellen Hilfen oder Steuererleichterungen unterstützen könnte. Zum Schluss verspricht Roche noch, auch nach dem Ende in Burgdorf im Kanton Bern präsent zu bleiben. Wenn auch nicht mehr mit einer eigenen Niederlassung, sondern «als Akteur im Wissens- und Technologietransfer zusammen mit Berner Hochschulen und Spitälern», wie es im Papier allgemein heisst. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang, dass die Basler für ihre klinischen Forschungen verstärkt auf Partnerspitäler und deren Patienten im Kanton Bern setzen. Keine Kritik am Standort Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch weist ihrerseits auf die Arbeitsgruppe hin, in der alle Partner der Erklärung vertreten sind. Sie soll den Prozess, wie er nun anlaufen wird, begleiten und überwachen. Dass man in einem guten Klima aufeinander zugegangen sei und sich am Schluss auch auf einen gemeinsamen Nenner habe verständigen können, sei «immerhin etwas», sagt sie. Und fügt mit Blick auf das Papier an, dass Roche nun in einer besonderen Verantwortung gegenüber den Angestellten, der Region und dem Kanton stehe. Beruhigend ist für sie weiter, «dass uns Roche stets versichert hat, wie gut der Standort und wie hoch die Qualität der Mitarbeiter sei». Das mache die geplante Schliessung zwar nicht verständlicher, zeige aber immerhin, dass Burgdorf für die Industrie attraktiv sei. Und dass die Stadt trotz allem als Wirtschaftszentrum eine Zukunft habe. Stephan Künzi>

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