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Endlich: 700 Meter langer Uferweg ist offen

Der 700 Meter lange Uferweg vom Thuner Bahnhof in die Schadau ist seit gestern offen. Eine Begehung mit Überraschungen.

Des Spaziergängers Fuss verlässt den Asphalt und betritt den neuen Holzsteg. Gegenüber der ehemaligen Post Rosenau, am Ende der Thuner Schiffländte, beginnt der Uferweg, der ihn dem Wasser entlang Richtung Schadau führt. Links trennt ihn ein Geländer vom Kanal, rechts ein Maschendrahtzaun von den Bahngleisen – so viel Sicherheit muss sein, schliesslich werden hier auch Eltern mit ihren kleinen Kindern unterwegs sein. Nach ein paar Dutzend Metern ist der Steg zu Ende. Der Fuss verlässt das Holz und tritt auf einen Mergelbelag, der unter den Schuhsohlen knirscht. Das Auge freut sich: Der Uferweg wird plötzlich breiter; da sind Rasenflächen, noch kaum begrünt, und kein eiserner Zaun mehr, der den Spaziergänger vom Ufer trennt. Dafür Büsche, ebenfalls noch jung und zart. Es stoppt der Fuss mitten im Schritt: Was ist das? Woher kenne ich diese Skulptur bloss?, fragt sich der Uferwegwanderer. Sie erinnert ein wenig an Schiffe, die leicht daherschweben. Des Rätsels Lösung: Per Aria, Durch die Luft, heisst das Kunstwerk von Heidi Locher aus den Achtzigerjahren. Es stand früher beim kleinen Kanal im Gebiet des Restaurants Holiday, gegenüber dem heutigen KKThun. Der Fuss setzt seine Bewegung fort – um wenig später schon wieder einzuhalten. Was ist das? Sind das Parkfelder am Boden? Auf dem Uferweg? Nicht doch: Es sind die Ausmasse des früheren Bahnhofs Scherzligen, die von den Linien markiert werden. Eine Infotafel klärt den Spaziergänger auf: Warum es hier in alten Zeiten einen zweiten Thuner Bahnhof gab. Und warum er irgendwann von der Entwicklung überholt und nutzlos wurde. Die alte Schiffländte lag ebenfalls in diesem Gebiet, erfährt der Wissensdurstige in Deutsch, Französisch und Englisch – schliesslich sollen auch die Besucher der Kyburgstadt das neue Bijou beschreiten. Eine Art Pfeil immer Wasser zeigt, wie die Ländte früher verlief. Ein Tor mit einer Tafel lässt den Fuss erneut verweilen. Manchmal sei das Tor geschlossen, der Weg gesperrt, steht da. Wegen des Krans der Balmholz AG. Deren Ledischiffe legen etwas weiter vorne an, und der gewaltige Schienenkran hievt ihre Schotter-fracht über den Uferweg, um sie auf der anderen Seite auf Bahnwagen verladen zu können. Heute und jetzt hat der Uferweglustwandler Glück: Das Tor ist offen, der Fuss nimmt seinen Weg wieder auf. Da werden sich die Touristen aber freuen: ein Fernrohr! Wie haben wir das als Kinder doch immer geliebt: eine Münze runterwerfen, und plötzlich öffnet sich dem Auge eine neue Welt. Doch wo ist hier der Schlitz für meinen Obolus? Und wieso kann ich das Fernrohr weder schwenken noch heben und senken? Schauen wir trotzdem durch. Nein, hier wird nicht verraten, was das Auge überrascht und den Geist entzückt. Nur so viel: Das Fernrohr ist auch eine Zeitmaschine! Das Auge ist wieder in der Gegenwart – und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Völlig neue Blickwinkel offenbaren sich ihm: auf das Schloss, das Kleist-Inseli und die Berge, die zur Uferwegeinweihung mit frischem Weiss bezogen sind. Und vor dieser Kulisse der Balmholz-Kran und die Schotterberge. Natur trifft auf Industrie, Idylle auf stählerne Romantik: nicht vereint, aber in harmonischer Nachbarschaft. Weiter schreitet der Fuss Richtung Schadau. Der Weg verengt sich wieder, das Auge sieht eine weitere Skulptur und erfährt das nächste Déjà-vu: Es ist «Wehrhaftes Handwerk» von Bernhard Luginbühl, das hier steht. Vorher war es in der Innenstadt, am Sternenplatz, wo es nie so recht zur Geltung kommen wollte und trotzdem beachtet wurde. So sehr, dass es gar den Übernamen Dosenöffner bekam. Hier verlässt der Uferweg das Wasser, führt wieder ins Landesinnere. Zuerst an Booten vorbei, die aufgebockt darauf warten, wieder in ihr Element entlassen zu werden. Und erneut gehts ans Wasser: Der Steg über den Kohlenweiher markiert die letzte Station des Uferwegs. Der Fuss muss zurück auf die Seestrasse. Zum Glück ist es nicht weit bis zum Schadaupark, wo er wieder dem Wasser entlangschlendern darf. Marc Imboden>

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