Zurück zu den Ursprüngen

BurgdorfDer Umbau der spanischen Weinhalle in Burgdorf ist in vollem Gang. Und immer wieder kommen geschichtsträchtige Überraschungen zum Vorschein.
Regina Schneeberger

Wer sein Haus saniert, reisst in der Regel Altes raus, überstreicht abgeblätterte Farbe mit frischer. Nicht so bei der spanischen Weinhalle in der Burgdorfer Oberstadt. «Wir wollen möglichst zurück zum Historischen», sagt der Winterthurer Architekt Ruedi Zehnder. Seit Ende 2017 werden die beiden aneinandergebauten Häuser an der Schmiedengasse 1 saniert.

Im Sommer 2019 soll die Gaststube im Erdgeschoss wieder als solche genutzt und sollen die sechs Wohnungen in den beiden Obergeschossen bezogen werden. Das Gebäude ist Zeuge einer langen Geschichte. Gar ein Teil der Stadtmauer aus zähringischer Gründungszeit wird im Fundament vermutet. In seiner heutigen Form wurde es nach dem Stadtbrand im Jahr 1706 wieder aufgebaut. Von damals stammt auch das viereckige Treppenhaus. Ein Novum für jene Zeit, waren doch runde Wendeltreppen Standard.

Farbe entfernen

Bis auf die Form war von der ursprünglichen Treppe vor der Sanierung aber nicht mehr viel zu sehen. Im Treppenhaus seien die originalen Sandsteinwände von diversen Farbschichten und Verkleidungen befreit worden, so der Burgdorfer Architekt Heinz Sägesser, der für die örtliche Bauleitung zuständig ist. Diese Farbschichten zu entfernen, ohne den Sandstein zu beschädigen, sei eine aufwendige Arbeit. «Heute würde man dieses Treppenhaus nicht mehr einfach so streichen», sagt Isabella Meili, Bauberaterin der bernischen Denkmalpflege. Doch vor 20 oder 30 Jahren sei man dafür weniger sensibilisiert gewesen.

Nicht mit dem Vorschlaghammer

Während beim Treppenhaus eindeutig war, was zum Vorschein kam, stiess man andernorts auf Überraschungen. Etwa in einer der Wohnungen im Hinterhaus. Unter der Deckenverkleidung entdeckten die Bauarbeiter beim Abbruch per Zufall Malereien aus dem 18. Jahrhundert. Rot und schwarz gesprenkelt, sollte hier wohl Granit imitiert werden. «Schon bei den Abbrucharbeiten konnte man nicht einfach mit dem Vorschlaghammer drauflos», sagt Sägesser. Sonst wären schnell einmal wertvolle Zeitzeugnisse zerstört worden. Klar, dass eine solche Sanierung auch mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Doch die Besitzer hätten keine Eile und würden viel Wert auf den Erhalt der geschichtsträchtigen Elemente legen, so Architekt Zehnder. Vor eineinhalb Jahren haben Johanna und Andreas Hugi das Haus gekauft. Sie wollen es dereinst nicht selbst beziehen. Die sechs Wohnungen sollen vermietet werden. Zwischen 1100 und 2300 Franken sollen die Eineinhalb- bis Dreieinhalbzimmerwohnungen monatlich kosten, sagt Hugi auf Anfrage.Fast jedes Logis birgt einen geschichtsträchtigen Schatz. So etwa jene Wohnung im ersten Obergeschoss Richtung Schmiedengasse.

Ein Renaissancetäfer ziert die Wand. Auch der Kachelofen, blau bemalt auf weissem Grund, versetzt in die Vergangenheit. Dieser stand aber nicht ursprünglich hier, sondern stammt aus dem Lager der Denkmalpflege in Münchenbuchsee. Muss eine Ausstattung mit geschichtlichem Wert aus einem Haus entfernt werden, kommt sie in diesen Fundus. «Passt einer der Gegenstände zeitlich in ein denkmalgeschütztes Haus, stellen wir ihn zur Verfügung», sagt Meili. Zudem wird ein Teil der werterhaltenden Sanierungsarbeiten vom Kanton und aus dem Lotteriefonds finanziert.

Wie gross dieser Anteil sein wird, kann Meili im Moment noch nicht sagen. Bezifferbar sind aber schon die gesamten Sanierungskosten: Rund 3,5 Millionen Franken. Während der Umbau der Wohnungen schon weit fortgeschritten ist, gibt es bei der Gaststube im Erdgeschoss noch einiges zu tun. Und vor allem eines beschäftigt die Bauherrschaft derzeit. «Einen Pächter für das Restaurant suchen wir noch», so Andreas Hugi.

Am Montag, 26. November, lädt die Bauherrschaft zur Besichtigung der Liegenschaft. Um 14 Uhr und 16 Uhr findet jeweils ein Rundgang statt. Anmeldung unter: hugi@sulbana.com oder 079 430 39 56.

Berner Zeitung

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