Krauchthal

Zum Rückbau verurteilt

KrauchthalBis vor Verwaltungsgericht hat sich ein Liegenschaftsbesitzer gewehrt. Jetzt muss er seine Zufahrt wieder abtragen. Denn er hatte ohne Bewilligung gebaut.

Der Hausbesitzer aus Krauchthal hat mit seinen Bauten in der Landwirtschaftszone den zulässigen Rahmen gesprengt.(Symbolbild/Andreas Blatter)

Der Hausbesitzer aus Krauchthal hat mit seinen Bauten in der Landwirtschaftszone den zulässigen Rahmen gesprengt.(Symbolbild/Andreas Blatter)

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Hätte er gutgläubig gehandelt, wäre seine Lage heute vielleicht eine etwas angenehmere. Aber im Fall dieses Liegenschafts­besitzers aus der Gemeinde Krauchthal spricht das Verwaltungsgericht von «Bösgläubigkeit».

Der Mann habe wissen müssen, befanden die Richter des Verwaltungsgerichts, dass er die Arbeiten nicht ohne Baubewilligung hätte ausführen dürfen. Er bewohnt in der Landwirtschaftszone ein Gebäude, das einst als Ferienhaus erbaut worden war. Entstanden war es in einer Zeit, als das Raumplanungsgesetz noch nicht zwischen Bau- und Nichtbaugebieten unterschied.

Strasse, Parkplatz, Mauer

Doch seit Mitte 1972 ist klar, dass auf einer solchen Parzelle bauliche Erweiterungen nur erlaubt sind, «wenn die Identität der Baute oder Anlage einschliesslich ihrer Umgebung in den wesent­lichen Zügen gewahrt bleibt», schreibt das Verwaltungsgericht.

Mit einer 2,5 Meter breiten und gut 10 Meter langen, teilweise asphaltierten Strasse hat der Bauherr den allenfalls noch zulässigen Rahmen aber gesprengt. Kommt hinzu, dass er auch einen etwa 65 Quadratmeter grossen Abstellplatz realisiert, ober- und unterhalb der Zufahrt Stützmauern errichtet und zum Gebäude eine Treppe mit Podest gebaut hat.

Keinen Grund für Ausnahmen

Im Juni 2015 forderte die Gemeinde Krauchthal den Bauherrn auf, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Das tat er. Doch weil das Amt für Gemeinden und Raumordnung keine Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone erteilen wollte, wies die Gemeinde das Gesuch ab. Sie verband ihren abschlägigen Bescheid mit dem Auftrag, die widerrechtlich erstellten Bauten rückzubauen und den ursprünglichen Zustand herzustellen.

Dagegen wehrte sich der Hausbesitzer mit einer Beschwerde an die kantonale Baudirektion. Doch diese stützte die Haltung der Gemeinde weitgehend, weshalb der Mann seine Hoffnungen auf die Verwaltungsrichter setzte. Diese geben ihm nun insofern recht, als er eine Löffelsteinmauer nicht entfernen muss. Aber die Zufahrt mit dem Parkplatz muss er innerhalb von sechs Monaten zurückbauen. Zudem werden ihm für das Gerichtsverfahren Kosten von 3000 Franken auferlegt.

«Wuchtige Elemente»

Für das Verwaltungsgericht war der Fall klar: «Der neu erstellte Abstellplatz mit Zufahrtsweg ist ein unübersehbarer Einschnitt in die ehemals mehr oder weniger regelmässig abfallende und überwachsene Böschung.» Die Stützmauern würden als «wuchtige Elemente» in Erscheinung treten, der Hang wirke «vollständig verbaut». Die Ansicht des Beschwerdeführers, wonach es sich bei den Massnahmen «um eine Verbesserung gestalterischer Art» handle, teilten die Richter nicht.

Die Richter sahen nicht ein, weshalb sich die Gemeinde Krauchthal «treuwidrig verhalten» haben sollte, wie der Bauherr bemängelt hatte.

Es nützte dem Bauherrn auch nichts, darauf hinzuweisen, dass seine Liegenschaft heute als Dauerwohnsitz diene. Und dass die baulichen Massnahmen «für eine zeitgemässe Wohnnutzung erforderlich» seien.

Im Kampf gegen die Wiederherstellungsverfügung hat der Beschwerdeführer offenbar auch das Argument der Verkehrssicherheit ins Feld geführt. Doch das sei «un­beachtlich», schreibt das Verwaltungsgericht und macht klar: «Denn obwohl die baurechtliche Ordnung den widerrechtlich erstellten Abstellplatz nicht zulässt, ist der Beschwerdeführer selbstredend nicht berechtigt, sein Fahrzeug in verkehrsgefährdender Weise auf der öffentlichen Strasse zu parkieren.»

Im öffentlichen Interesse stehe zudem, dass das fragliche Grundstück im Perimeter des kommunalen Landschaftsschutzgebietes stehe, wo sich Bauten und Anlagen gut ins bestehende Gefüge einordnen müssten.

Doppelte Fläche verbaut

Die Richter sahen auch nicht ein, weshalb sich die Gemeinde Krauchthal «treuwidrig verhalten» haben sollte, wie der Bauherr bemängelt hatte. Für ihn bestand offenbar eine Diskrepanz zwischen der Tatsache, dass er das Gebäude als Dauerwohnsitz umnutzen, nicht aber eine Parkiermöglichkeit in der Nähe des Wohnhauses realisieren konnte. Dieses Argument ist für das Verwaltungsgericht «nicht entscheidend».

Es stützte sich vielmehr auf die Frage, ob die Identität der Parzelle mit jener aus dem Jahr 1972 übereinstimmt. Doch das war ohnehin nicht mehr der Fall. Im Laufe der Jahre waren ein ­Badehaus mit Garderobe, eine Schwimmbadüberdeckung und der Anbau eines Schopfes hinzugekommen. Wie dem Urteil zu entnehmen ist, waren diese Bauprojekte allerdings erst 1974 und 1981 bewilligt worden, also nachdem die Parzelle bereits dem Nichtbaugebiet zugewiesen war.

So habe sich die überbaute Fläche gegenüber der massgebenden Zeit vom 1. Juli 1972 «mehr als ver­doppelt». Im Verwaltungsgericht steht deshalb: «Eine Gesamtbetrachtung ergibt somit, dass die seit dem 1. Juli 1972 vorgenom­menen baulichen Veränderungen (. . .) nicht mehr als von untergeordneter Natur bezeichnet werden können.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.04.2018, 15:26 Uhr

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