Trubschachen

Kunstausstellung Trubschachen findet nicht mehr statt

TrubschachenAls im Sommer 43'000 Personen die 20. Kunstausstellung Trubschachen in den Schulhäusern besuchten, ahnte niemand, dass es die letzte sein würde. Das Risiko wird den Organisatoren zu gross.

<b>Einer von 430 freiwilligen Helfern:</b> Max Thuner war für die Sicherheit verantwortlich. Eine grosse Bürde.

Einer von 430 freiwilligen Helfern: Max Thuner war für die Sicherheit verantwortlich. Eine grosse Bürde. Bild: Olaf Nörrenberg

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So still und bescheiden, wie die Gemäldeausstellungen in Trubschachen ihren Anfang genommen haben, so leise und ohne Spektakel wurden sie beendet: An seiner Hauptversammlung beschloss der Kulturverein Trubschachen letzte Woche, künftig keine Kunstausstellung mehr durchzuführen – jedenfalls nicht in der Art, die im vergangenen Sommer 43'000 Besucherinnen und Besucher angelockt hatte.

Denn was der einstige Lehrer Walter Berger in einzelnen Zimmern des alten Dorfschulhauses in den 1950er-Jahren angefangen hatte, entwickelte sich im kleinen Dorf zu einem gigantischen Unternehmen.

Überfordert

Werke der ganz Grossen wie Albert Anker, Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti und Cuno Amiet waren regelmässig ausgestellt. Damit haben die Organisatoren nicht bloss Scharen von Besuchern nach Trubschachen gelockt, sondern auch die Aufmerksamkeit nationaler Medien auf sich ge­zogen. Doch das Ganze hat einen Haken, von dem sich der Kulturverein jetzt lösen will.

«Die Bedingungen für Sicherheit und Infrastruktur haben die Grenzen des Machbaren erreicht», steht in einer Medienmitteilung. Prä­sident Oscar A. Kambly erklärt, weshalb: Die Schulhäuser, in denen die Bilder ausgestellt wurden, waren weder für die Be­herbergung so vieler Besucher gebaut, noch konnten sie be­züglich Klima den Schutz der kostbaren Werke sicherstellen. Kambly darf gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn einmal irgendwo ein Brand ausgebrochen wäre.

Hinzu kam, dass die gezeigten Meisterwerke nicht nur jedes Jahr älter wurden, sondern «wegen ihres konservatorischen Zustandes auch spröder, brüchiger und schutzbedürftiger». Gleichzeitig stieg ihr Wert gewaltig. «Ich schlief wesentlich besser, als das letzte Bild wieder bei den Leihgebern war», gesteht Oscar A. Kambly.

Waren die Bilder zu Bergers Zeiten noch in Wolldecken ein­geschlagen in Privatautos transportiert worden, reiste diesen Sommer jedes Bild in einer klimatisierten Kiste in einem Spezialtransport an, begleitet von ­Sicherheitsbeamten und Profis, die für den Umzug «von Nagel zu Nagel» verantwortlich waren.

Kommt hinzu, dass das Aus­stellungsteam nicht mehr wie einst Walter Berger einzelnen Sammlern gegenüberstand, sondern die rund 120 Exponate bei rund hundert Leihgebern beschaffen musste.

«Und es waren nicht mehr Menschen, die uns das Werk anvertrauten, sondern Institutionen und Organisationen.» Die Frage der Verantwortung liess sich offenbar kaum mehr regeln, jedenfalls nicht von einem Verein, der auf der Mitarbeit freiwilliger Helfer basierte. 430 Personen standen diesen Sommer im Einsatz.

«Sie waren bis zum Äussersten gefordert, mehr darf man ihnen nicht mehr aufbürden», sagt Kambly. Noch grösser und dafür professioneller zu werden, kam ebenso wenig ­infrage, wie eine Ausstellung ­ohne die grossen Meisterwerke zu organisieren.

Vollendet

Doch in Trubschachen spricht man jetzt nicht etwa bedauernd von einem Ende, sondern davon, dass «der Zyklus der Kunstausstellungen zur Vollendung gekommen» sei, wie in der Medienmitteilung steht. «Wir haben das Projekt zur Reife bringen können», doppelt Kambly nach und zitiert eine Aussage, die jemand vom Team der freiwilligen Helfer gemacht habe: «Eigentlich haben wir das achte Weltwunder vollbracht.»

Doch die Kunst soll nicht aus Trubschachen verschwinden. Der Kulturverein will sich jetzt neu ausrichten und sich wieder auf das ursprüngliche Ziel konzentrieren, das Walter Berger ­seinerzeit vor Augen hatte, als er die ersten Gemälde in die Schul­stuben hängte. Auf das Ziel, «Kunst mitten ins Leben zu bringen».

Was das konkret heisst, ist offen, sicher ist, dass das neue Projekt klein anfangen wird. «So wie Walter Berger damals auch klein angefangen hat», sagt Walter Guggisberg. Er ist Schulleiter in Trubschachen und gehört selber dem Vorstand des Kultur­vereins an.

Dort hilft er an vorderster Front Projekte zu generieren, mit denen «wir schöne und aufbauende Kunst, sei es Musik oder bildende, unter die Leute bringen können». Gerade in einer Zeit, da alles auf Digitalisierung und Standardisierung hinziele, sei dies wichtiger denn je, betont Oscar A. Kambly. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2017, 19:20 Uhr

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