Wo sich alles um Beätu dreht

Bumbach

Seit Samstag stand im Saal des Gasthofs Rosegg die Leinwand bereit. Zwischen Cordon bleu, Kaffee Zwetschgen und Bierflaschen warteten die ­Schangnauer nur auf eines: Dass Beat Feuz Weltmeister wird – dann gingen sie Ski fahren.

So reagierten die Fans von Beat Feuz im Gasthof Rosegg. Video: Martin Burkhalter
Martin Burkhalter@M_R_Bu

Sonntag, 13.30 Uhr: Jetzt kann es losgehen, das Rennen, auf das die Schangnauerinnen und Schangnauer schon seit Samstagmittag hier am Fusse des Hohgants warten, neben ebenjener Skipiste, wo Beat Feuz, Beätu, das Skifahren einst erlernt hat. Jetzt wollen sie sehen, wie der Bumbacher Kugelblitz in St. Moritz alles perfekt macht und Schangnau, das Emmental, den Kanton Bern, ja die ganze Schweiz vergoldet.

Schon seit Samstag sind die Tische im Saal des Gasthofs Rosegg in Bumbach zu langen Tafeln angeordnet. Ganz vorne steht die Leinwand, links an den Tischen 11 und 12 hat sich der Fanclub Beat Feuz versammelt. Die Servicemitarbeiterinnen in bordeauxroten Poloshirts jonglieren unermüdlich riesige Tabletts durch die Gänge, schwer beladen mit grossen Bierflaschen, Cordon bleus, Schweinsbraten, mit Kaffee creme, Kaffee Feuz, Kaffee Zwetschgen.

Nachdem die Abfahrt wegen der Maloja-Wolken am Samstag hatte verschoben werden müssen, hat das Warten am Sonntag nun endlich ein Ende. In St. Moritz sind es 40 000 Leute, in Bumbach knapp 100, die es kaum erwarten können, den Kugelblitz siegen zu sehen. In St. Moritz ist es laut, in Bumbach eher ruhig.

An Tisch 16 sitzen Einheimische, die auch den Namen Feuz tragen, aber nur entfernt verwandt sind. Prognosen? «Chunnt druf a.» Mehr ist nicht zu erfahren. Schangnauer sind ja unauf­geregte Leute. Und man kennt sich hier, nickt und prostet sich zu. Schnell wird klar: Beat Feuz ist ein Kitt in dieser Gemeinde, Schangnau, mit etwa 1000 Einwohnern. Und der Gasthof Rosegg wird an solchen Wochenenden zu einer Art Familien­treffen.

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Mehr als die Hälfte der Anwesenden kennen den Beätu mehr oder weniger persönlich. Kein Wunder. Von der Terrasse aus sieht man den Bauernhof, wo er aufgewachsen ist. Beat hat auch heute noch dort oben ein Stöckli gemietet.

Feuz hat die Startnummer 13. Nur bei Patrick Küngs Auftritt mit der Nummer 10 wird es unruhig im Rosegg-Saal. Sonst quittiert man die Rennergebnisse noch mit mehr oder weniger stummem Nicken, greift nach der Bierflasche oder einem Pommes frites.

Dann der grosse Moment. Feuz macht alles perfekt und fährt an die Spitze. 1:38,91. Kurzer Jubel, man prostet sich zu, dann zufriedene Gesichter. Ab jetzt herrscht aber Anspannung. Die nächste knappe halbe Stunde sitzen die sonst so ausgeglichenen Emmentaler wie auf Nägeln: Seufzer, Schnaufer, Räuspern.

Die Fahrt des Kanadiers Erik Guay entlockt dann noch der einen oder anderen Dame einen Jauchzer. Die Männer ­greifen sich derweil an die Stirn. Winzige zwölf Hundertstel fehlen dem Kanadier am Schluss zum Sieg.

Kurz darauf lässt man dem Wirt bereits ausrichten, er solle langsam aber sicher das Buffet für eine Lokalrunde bereit machen. Das Wort Lokalrunde fällt noch mehrere Male. Vor allem, nachdem auch der Norweger Alexander Aamodt Kilde nicht an Feuz rangekommen ist.

Und schon beginnen sich die Reihen zu lichten. Zu sicher scheint der Sieg, zu schön ist das Wetter draussen und zu verlockend die Bumbacher Skipiste.

Dann kommt doch nochmals Aufregung in die bodenständige Stimmung. Der Oberländer Nils Mani mit der Startnummer 23 fährt im oberen Streckenabschnitt besser als Feuz, gefährlich besser. «Du hee!», tönt es aus den Reihen. «Scho guet.» Man mag dem Diemtigtaler eine gute Fahrt zwar gönnen, aber «wehe». Unten aber ist Feuz nicht zu schlagen, und Mani erntet dann von den Schangnauern noch ein nettes «schade».

Jetzt kann Feuz nichts mehr passieren. Der Sieg ist sicher und der Saal des Gasthofs schon fast leer. Die Lokalrunde gibt es trotzdem: Weisswein. Bumbacher und Schangnauer seien dann nicht das Gleiche, erklärt ein mittelalterlicher Herr an Tisch 16 noch. An Tagen wie diesen aber werden alle für ein paar Stunden zu Bumbachern.

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