«Wir sind kein elitärer Club mehr»

Burgdorf

Eine geschlossene Gesellschaft: Lange waren Service-Clubs für die oberen Schichten bestimmt. Seit 100 Jahren gibt es den Lions Club. Und er zeigt sich heute of­fener als in vergangenen Zeiten.

Praktisch veranlagt: Im Pleerwald hat der Lions Club eine Feuerstelle gebaut. Zensor Werner Kugler (links) und Präsident Stefan Bauer (rechts).<p class='credit'>(Bild: Olaf Nörrenberg)</p>

Praktisch veranlagt: Im Pleerwald hat der Lions Club eine Feuerstelle gebaut. Zensor Werner Kugler (links) und Präsident Stefan Bauer (rechts).

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Ein elitärer Zirkel älterer Herren, die sich in holzvertäfelten Hinterzimmern über die wichtigen Geschäfte unterhalten. Dabei trinken sie einen edlen Tropfen, rauchen Zigarre. So die Vorstellung jener, die sich selbst nicht zu dieser geschlossenen Gesellschaft zählen dürfen.

Doch entsprechen sogenannte Service-Clubs heute noch diesem weit verbreiteten Bild? Das einstige Image sei schon längst überholt, meint Werner Kugler vom Lions Club Burgdorf. Er hat dort das Amt des Zensors inne, ist also für das Wohl der Mitglieder zuständig. «Wir sind kein elitärer Club mehr», sagt er. Man habe heute Mitglieder mit den verschiedensten Berufen: vom Schreiner bis zum Pfarrer.

Jeder kann aber doch nicht beitreten. Aufgenommen wird nur, wer von mindestens einem Lion zur Aufnahme empfohlen wird. Dass sich so die gesellschaft­lichen Schichten nicht ganz und gar vermischen, scheint nahe­liegend.

Und dass die berufliche Position nach wie vor eine Rolle spielt, bestätigt auch Kugler, der selbst Oberförster und Liegenschaftsverwalter bei der Burgergemeinde ist. «Natürlich wollen wir Leute mit interessanten Funktionen gewinnen», so der Zensor.

Für eine bessere Welt

Der internationale Lions Club feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. 1917 gründete ihn Melvin Jones. Der Geschäftsmann aus Chicago war damals Mitglied eines Business-Clubs.

Doch nebst den Geschäften wollte er sich für die eigene Gemeinde und gar eine bessere Welt einsetzen. Nach dem Rotary Club (1905) und dem Kiwanis Club (1915) setzte Jones so den Grundstein für einen weiteren Service-Club in den USA.

1953 wurde dann der Lions Club in Burgdorf gegründet, nachdem es bereits in den grösseren Schweizer Städten wie Zürich, Bern oder Genf solche Clubs gegeben hatte. Und der Grund­gedanke sei seither derselbe geblieben, meint Kugler: «Jene, die begütert sind, schauen zu jenen, die etwas weniger haben.»

So hilft der Lions Club Burgdorf derzeit zwei Familien, die es nicht einfach haben. Die einen haben ein Kind mit einer Beeinträchtigung, und die anderen sind Eltern von Drillingen. «Wir geben ihnen Geld, damit sie sich eine Haushaltshilfe leisten können.»

Auch Organisationen wie die Pfadi werden unterstützt. Das Geld dafür stammt einerseits aus den Beiträgen der Mitglieder. Bei jeder Sitzung zahlen sie 10 Franken ein und leisten einen Jahresbeitrag. Zudem organisiert der Club Veranstaltungen und sammelt Geld. Manchmal legen die Lions gleich selbst Hand an.

So bauten sie zum 100-Jahr-Jubiläum eine Feuerstelle im Pleerwald. Oder sie machen einen Ausflug mit dem Alterszentrum. «Es muss einfach der Region dienen», so Kugler. Für dieses Engagement werde es aber immer schwieriger, Leute zu finden. Denn nebst verschiedenen Aktionen stehen ­monatliche Treffen auf dem Programm.

«Von zehn ­Angefragten ­nehmen im Schnitt zwei die Einladung zur Mitgliedschaft an.»Werner KuglerZensor beim Lions Club Burgdorf

Gerade jüngere Leute wollten solche Verpflichtungen oft nicht mehr eingehen, meint Kugler. «Von zehn Angefragten nehmen im Schnitt zwei die Einladung zur Mitgliedschaft an.» Wer dann aber einmal dabei sei, bleibe dies meist ein Leben lang. Was jedoch dazu führt, dass das Durchschnittsalter der 49 Lions mit 62 Jahren recht hoch ist.

Frauen erwünscht

Ein reiner Herrenclub sind die Burgdorfer Lions heute nicht mehr. Sechs Frauen sind dabei. Dafür brauchte es erst einen Entscheid von oberster Instanz. 1987 fällte der Oberste Gerichtshof in den USA das Urteil, dass der Rotary Club Frauen nicht länger ausschliessen dürfe.

Im selben Jahr tat es der Lions Club dem Rotary gleich. Bis es im Emmental so weit war, dauerte es aber ein bisschen länger. 2008 wurden die ersten Frauen aufgenommen. Doch nicht weil man zuvor keine weiblichen Mitglieder gewollt habe, meint Kugler.

«Es war schwierig, Frauen zu finden, die Mitglied werden wollten.» Im nächsten Jahr steht nun erstmals eine Frau an der Spitze: Margrit Friedli, Leiterin der Spar- und Leihkasse Wynigen, wird Präsidentin der Lions. So öffnet sich der traditionsreiche Zirkel Schritt für Schritt.

Berner Zeitung

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