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«Wir sind in eine Negativspirale geraten»

Beim Regionalen Sozialdienst Rüdtligen-Alchenflüh tauchten im letzten Jahr administrative Mängel auf. Zwei externe Mandatsleiter haben die Aufgabe, den Betrieb zu ­reorganisieren.

Susanne Schär erklärt, was beim Regionalen Sozialdienst schiefgelaufen ist. Die Kernenrieder Gemeinderätin ist Präsidentin des zuständigen Gemeindeverbandes. Beat Büschi hat als externer Mandatsleiter die Aufgabe, die Mängel aufzudecken und zu beheben.
Susanne Schär erklärt, was beim Regionalen Sozialdienst schiefgelaufen ist. Die Kernenrieder Gemeinderätin ist Präsidentin des zuständigen Gemeindeverbandes. Beat Büschi hat als externer Mandatsleiter die Aufgabe, die Mängel aufzudecken und zu beheben.
Thomas Peter

«Wir sind in eine Negativspirale hineingeraten.» So erklärt Su­sanne Schär, was im vergangenen Jahr beim Regionalen Sozialdienst Rüdtligen-Alchenflüh und Umgebung passiert ist. Schär ist seit diesem Jahr Präsidentin des für den Sozialdienst verantwortlichen Gemeindeverbandes und war vorher bereits Vorstands­mitglied.

Ihr zur Seite steht Beat Büschi. Er ist Mandatsleiter der Firma Finances Publiques. Sie hat im Auftrag des Gemeindeverbandes seit vergangenem Herbst die Probleme im Sozialdienst der Gemeinden Rüdtligen-Alchenflüh, Lyssach, Aefligen, Kernenried und Rüti bei Lyssach aufgearbeitet.

Vor allem im administrativen Bereich sind Fehler aufgetaucht. Ans Licht gekommen sind die Mängel laut Schär erstmals Mitte 2015: «Damals kamen Mitarbeiterinnen auf den Vorstand zu und berichteten, dass nicht alles so lief, wie es sollte.» Es hätten Unterschriften gefehlt, und nötige Informationen seien nicht mehr weitergegeben worden, sagt die Präsidentin. Auch die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde meldete sich, weil Berichte vom Sozialdienst Rüdtligen-Alchenflüh fehlten.

Auch personelle Engpässe

Der Vorstand führte daraufhin mit dem Leiter des Sozialdienstes Gespräche und merkte: Es geht so nicht mehr. «Wir einigten uns darauf, dass er eine Auszeit nimmt», erklärt Schär. Im Frühling 2016 sprang ein interimistischer Leiter ein und stellte fest, dass nicht nur Berichte fehlten, sondern auch die Klientendossiers nicht so geführt wurden, wie es nötig gewesen wäre. Dazu kamen wegen Mutterschaftsurlaub und krankheitsbedingten Ausfällen auch personelle Engpässe.

So sei der Sozialdienst immer mehr in Schieflage geraten, sagt Schär. Daran habe auch die neu angestellte Chefin nichts ändern können. Büschi ergänzt: «Es ist ihr nicht gelungen, aus diesem Negativtrend, der geherrscht hat, herauszukommen. Das ist ihr nicht anzulasten.» Sie habe ihren Fokus einfach zu wenig auf die Zukunft richten und aufräumen können.

Deshalb kam Büschi überhaupt erst ins Spiel. Der Vorstand entschied sich für externe Hilfe und holte verschiedene Offerten ein. Finances Publiques erhielt schliesslich das Mandat. Büschi übernahm die strategische Un­terstützung des Sozialdienstes, Daniel Ramsauer von der Partnerfirma Abplanalp-Ramsauer AG besetzt seit dem 1. Dezember die operative Leitung des Sozialdienstes Rüdtligen-Alchenflüh.

Probleme lange nicht erkannt

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Hat der Vorstand als Aufsichtsorgan letztlich versagt? Diese Fragen stellte sich auch Susanne Schär: «Ja, wir haben die Probleme lange nicht erkannt», sagt sie selbstkritisch. Mit ein Grund dafür sei, dass der Vorstand aus Laien bestehe, die zu wenig Hintergrundwissen vom Sozialhilfewesen hätten.

Der Mandatsleiter stützt diese Aus­sage: «Ein Stück weit ist ein solches Gremium überfordert. Eine Sozialarbeiterin braucht etwa ein Jahr, bis sie eingearbeitet ist.» Ein Vorstand ohne professionelles Wissen habe keine Chance, ­alle Details eines Sozialdienstes zu sehen. Er könne dem Vorstand daher keinen Vorwurf machen.

Beim Sozialdienst Rüdtligen-Alchenflüh haben sich mit der Zeit kleine Fehler kumuliert: Laut Büschi waren Unterlagen nicht komplett, die Dossiers wurden nicht systematisch geführt, die Administration habe nicht nach klaren Regeln funktioniert. «Das war ein schleichender Prozess, der dazu geführt hat, dass der gesamte Sozialdienst überfordert war.»

Für die Verbandspräsidentin ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der turbulenten letzten Monate: «Einerseits müssen wir intern besser hinschauen. Andererseits würde ich das Con­trolling des Sozialdienstes in Zukunft extern machen lassen.»

Aufbruchstimmung

Jetzt befindet sich die Behörde mitten in einem Neustart. «Mich dünkt, es ist eine Aufbruch­stimmung spürbar», sagt Büschi. Es sei noch nicht alles über­wunden, schliesslich habe es ei­nige Personalwechsel gegeben. Einige Mitarbeiterinnen hätten fast nur noch über die Probleme gesprochen.

Doch mit neuem Personal konnte das geändert werden. Das hat laut Büschi aber Zeit gebraucht. Lange ging es darum, «Brände aus der Vergan­genheit zu löschen», sagt er. «Jetzt können wir uns langsam um bessere Prozesse und Abläufe kümmern.»

Wie lange das externe Mandat beim Sozialdienst noch dauert, können Schär und Büschi nicht definitiv sagen. Das hängt auch von der Zukunft des Dienstes ab. Denn mittelfristig ist das Ziel, sich dem Sozialdienst Kirchberg anzuschliessen. Darüber werde schon seit einiger Zeit gesprochen, sagt Schär.

Es habe bereits Kontakte zu den Sozialdiensten in Burgdorf und Hindelbank ge­geben, zu konkreten Verhandlungen ist es allerdings nie gekommen. Jetzt steht für Anfang März ein Termin mit Kirchbergs Behörden an. «Es geht um ein erstes informelles Gespräch und das weitere Vorgehen. Aber der ganze politische Weg liegt natürlich noch vor uns», sagt sie.

Keine Altlasten übergeben

Büschi weist darauf hin, dass die externe Begleitung des Sozialdienstes finanziell eine Belastung ist: «Im Vergleich zu den eigenen Personalkosten ist das viel teurer.» Deshalb wäre es wichtig, die interimistische Leitung möglichst bald abgeben zu können. Doch das hänge eben davon ab, wie die Gespräche mit Kirchberg verliefen.

«Wird eine Fusion zu einem ernsthaften Thema, wird es schwierig, die Leitung des Sozialdienstes neu zu besetzen», sagt er. «Denn eine neue Leiterin oder ein neuer Leiter wüsste nicht, in welcher Funktion er oder sie nach Kirchberg wechseln würde.»

Büschi erklärt, dass bis zu einem möglichen Zusammenschluss noch einiges zu tun bleibe. «Wenn es zu einer Fusion mit Kirchberg kommen soll, müssen wir sichergehen, dass hier in Rüdtligen-Alchenflüh die Standards der Sozialhilfe erfüllt sind.» Schliesslich wolle man keine Altlasten übergeben, sagt er. Und der Fusionspartner hat wohl kaum Interesse, Altlasten zu übernehmen.

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