Bütikofen

«Wir haben es gut zusammen»

BütikofenEs ist ein klassisches Bauerndorf, beschaulich und ein bisschen verschlafen. Jeder kennt in Bütikofen jeden. Ein Besuch bei zwei Rentnerehepaaren, die sich im Ort heimisch fühlen.

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Werner Wyss schlendert die Strasse entlang, vorbei an stattlichen und denkmalgeschützten Bauernhäusern, an alten Stöckli und Scheunen. «Bütikofen ist ein typisches Strassendorf», sagt der 74-jährige Meisterlandwirt: Der ehemalige SVP-Grossrat und ­Ex-Gemeinderatspräsident von Kirchberg ist im Ort aufgewachsen, hat hier bis zur Übergabe des Betriebs an den Schwiegersohn und die Tochter gebauert. Noch heute ist er hier daheim. Er kennt die Menschen und die Landschaft gut.

Und wie Wyss so die Strasse entlanggeht, offenbart sich: Die Siedlung am östlichen Hang der Talmulde der Oesch, zwischen Burgdorf, Kirchberg und Ersigen gelegen, umgeben von Hügeln, Feldern und Wäldern, hat den klassischen Charme eines Bauerndörfleins bewahrt.

Während in Kirchberg, zu dessen ­Gemeinde das Dorf zählt, in den letzten Jahrzehnten rege gebaut wurde, hat sich in Bütikofen nur wenig verändert. Im 100-Seelen-Dorf gibt es Höfe, ein paar wenige Einfamilienhäuser und ein Schulhaus. Ja, man kann den Flecken als idyllisch bezeichnen. Es ist ruhig hier – abgesehen vom Verkehr, der bisweilen herrscht, weil die Strasse durch den Weiler ein beliebter Schleichweg ist.

Bütikofers Blumenpracht

Die Leute hier sind gastfreundlich, wie sich herausstellen wird. «Kommen Sie, ich stelle Ihnen zwei pensionierte Ehepaare vor», sagt Werner Wyss. Wir kehren bei zwei Bütikofern ein. Erstere heissen – welch ein witziger Zufall – Bütikofer; Helena und Walter Bütikofer. Sie ist 80, er 84 Jahre alt.

Sie haben vier Kinder und sechs Grosskinder. Seit dreissig Jahren wohnen sie in einem umgebauten Bauernhaus zur Miete. Damals zogen sie von Heimiswil nach Bütikofen. Was ihre Leidenschaft ist, wird gleich klar: Das Haus, das um 1800 erbaut wurde, ist liebevoll mit Blumen geschmückt. Rote und rosa Geranien zieren die Laube oder hängen in Töpfen von der Decke. Ein Oleander blüht, Petunien in allen Farben recken ihre Köpfe in die Höhe.

Derzeit habe sie mit Wässern alle Hände voll zu tun, sagt Helena Bütikofer. Ihren Gatten habe sie freilich in die Pflege eingebunden, zum Beispiel, um Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen und Kannen zu schleppen. Wenn die 80-Jährige über die Blumen spricht, blüht sie auf. Manchmal, verrät sie lächelnd, rede sie mit ihnen. «Sie hören halt immer zu. Aber ach, kommen Sie doch herein.» Bütikofers bitten an den Küchentisch und bieten etwas zu trinken an. Immer aufgeschlossener werden die beiden.

Auf die Vorteile von Bütikofen angesprochen, sagt der ehemalige Schreiner, der ursprünglich aus Ersigen stammt: Es sei besonders die ländliche Gegend, die ihm ­gefalle, die Nähe zum Wald. Helena Bütikofer ergänzt: «Ja, und die Dorfgemeinschaft, die gelebt wird. Wir haben es gut zusammen, kein Gstürm. Wir grüssen uns und halten ab und zu einen Schwatz.» Zweimal im Jahr fänden zudem Anlässe statt, wo sich das ganze Dorf treffe: die Sichlete und das Racletteessen. Beides werde von Pro Bütikofen organisiert.

«Wir kommen zurecht. In Bütikofen muss man sich halt irgendwie organisieren, wenn man älter wird.»Helena Bütikofer

Ein Manko aber sei die fehlende Anbindung an den öffentlichen Verkehr, meint sie. Um Besorgungen im nahen Kirchberg zu machen, sei man auf ein Auto angewiesen – und sie könne nicht Auto fahren. Ihr Mann zwar schon, aber irgendwann gehe das nicht mehr. Dann müssten die Familienangehörigen einspringen, oder sie müssten die Nachbarn um Hilfe bitten. «Wir kommen zurecht. In Bütikofen muss man sich halt irgendwie organisieren, wenn man älter wird.»

Liechtis Gemüsegarten

Dann ist es Zeit, ein Haus weiterzugehen, zu Ruth und Christian Liechti. Die 71- und der 75-Jäh­rige haben fünf Kinder und vier Enkelkinder. Sie zogen 1985 von Hindelbank nach Bütikofen. Wenn sie zu Hause sind, dann sind sie mit grösster Wahrscheinlichkeit im Garten anzutreffen. So auch heute. Sie haben gerade Stangenbohnen gepflückt.

Es gebe immer etwas zu tun, sagt Ruth Liechti. Kein Wunder, hier wachsen Salate und Gemüse jeglicher Art, Rüebli, Sellerie, Lauch, Broccoli, Zucchetti, Lauch, Gurken und und und. Seit ihr Mann im Ruhestand sei, habe er die Rolle des Hauptjäters übernommen, sagt sie, während sie auf die Terrasse führt.

Daneben besitzen Liechtis einen Hund, Hühner, Gänse und Kaninchen. Christian Liechti war früher in der Landwirtschaft angestellt, von Melker bis Traktorfahrer habe er alles gemacht. In der Ferienzeit helfe er noch hie und da aus. Er erinnert sich: Als sie nach Bütikofen kamen, habe es zehn Milchbetriebe gegeben, heute würden gerade noch zwei Betriebe Kühe halten.

Auch Liechtis schätzen an Bütikofen die Nähe zur Natur und das gute Auskommen mit den Anrainern. Zum Thema Durchgangsverkehr sagt er nur: Darüber könne man sich aufregen oder es nehmen, wie es sei. Liechtis bevorzugen Letzteres.

Zumal sie ohnehin hinter dem Haus auf der Laube sitzen und von dort aus die Aussicht bis hin zum Jura und die Sonnenuntergänge geniessen würden. Etwas, was übrigens auch Bütikofers regelmässig tun. Beiden Rentnerpaaren ist das kleine Bauerndorf ans Herz gewachsen. Hier fühlen sie sich ­daheim. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2018, 06:18 Uhr

Ein Lied und ein Schulhaus

Es Dörfli lyt im Bärnerland, das ghört no ganz em Buurestand.
Dert sy si no vom alte Schlag, es wärchet eine, was er mag. Scho früeh bim erschte Sunne­strahl
grüesst är sys Bütikofetal.

Het eine Leid u Unglück gha, so tuet me für ihn zämestah. Da hei si no ne rächte Sinn, me läbt fürs Dorf u freut si drin. Es Wirtshus mit Theatersaal bruchts nid im Bütikofetal.


Kaum zu glauben, Bütikofen hat ein eigenes Lied. Frieda Mäder, ehemalige Einwohnerin, verfasste es 1935 für die Oberschule. Die zwei Strophen daraus beschreiben, was die Siedlung auch heute noch ist: ein Bauerndorf.

Bütikofen, das zur drittgrössten Emmentaler Gemeinde Kirchberg zählt, besteht aus circa 35 Wohnhäusern, hauptsächlich Bauernhöfen. Dazu kommen die Aussenweiler Ey, Wangele, Weiher und Düttisberg. 105 Einwohnerinnen und Einwohner leben im Ort, 1,8 Prozent der Gesamtbevölkerung von Kirchberg. In Bütikofen gibt es keine Beiz, keinen Laden, keine Busverbindung und seit Jahrzehnten keine Käserei mehr. Aber es gibt ein Schulhaus, darin werden heute zwei Kindergarten- und eine Unterstufenklasse geführt. Schon seit 1975 wird ein Schulbus betrieben, wobei Kinder aus dem Dorf Kirchberg nach Bütikofen chauffiert werden und umgekehrt. Auf Bauernhöfen werden zudem Direktverkäufe und Events wie beispielsweise Kindergeburtstage angeboten. Auch Räume für Anlässe werden vermietet. Ende Juli dieses Jahres fand beim Luderhof ein internationales Motocrossrennen statt (wir berichteten).

Obwohl Bütikofen, 1261 erstmals erwähnt, seit je zur alten Rechtsamegemeinde Kirchberg gehörte, bewahrte es lange seine wirtschaftliche und landwirtschaftliche Eigenständigkeit. Zweimal – 1856 und 1867 – stellten die Bewohner an den Regierungsrat sogar ein Gesuch um Lostrennung von Kirchberg. Nicht zuletzt, weil ein Grasweg die einzige Verbindung ins Nachbardorf war. Die Bütikofer blitzten ­jedoch ab. Dafür wurde später die ersehnte Strasse gebaut. Nach einem Hin und Her wurde sie 1874 fertiggestellt. (nnh)

Serie

40 Gemeinden umfasst das Emmental. Ortschaften, die meist aus deutlich mehr als nur einem Dorfkern bestehen, die sich in grössere Ortsteile und kleinere Weiler gliedern. Diesen kleineren Einheiten widmen wir eine Serie: «Die Unerwähnten» heisst sie, weil sich ihre Bezeichnungen der Gemeindehierarchie unterwerfen.

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