Wie aus Liebe Besessenheit wurde

Während mehrerer Monate bedrohte er seine Ex-Freundin und stellte ihr nach. Nun wurde ein 37-jähriger Mann aus dem Emmental verurteilt.

Stalking ist in der Schweiz nach wie vor kein eigener Straftatbestand (Symbolbild/iStock)

Stalking ist in der Schweiz nach wie vor kein eigener Straftatbestand (Symbolbild/iStock)

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Das Ende einer Beziehung geht auf der Seite des Verlassenen oftmals mit verletzten Gefühlen einher. Schnell ist da eine Nachricht verschickt, die gar nicht so gemeint war: ein erbärmliches Flehen oder gar eine Beleidigung. Doch so weit, wie ein heute 37-jähriger Mann aus dem Emmental 2016 gegangen ist, entspricht bestimmt nicht der Norm.

Seiner Ex-Freundin schrieb er Mitteilungen wie: «Ich kann auch die ganze Nacht vor deinem Haus warten. Habe mir ein Monatsabo gekauft, kann so oft hin- und herfahren, wie ich will. Das Spiel hat gerade erst begonnen.» Oder: «Wenn ich dich nochmals erwischen sollte, schwöre ich bei Gott, dass dich nicht mal deine eigene Mutter mehr erkennen wird.»

Und er liess es nicht bei Nachrichten bewenden. Als die Frau aus ihren Ferien zurückkehrte, fand sie ein Kissen, bedruckt mit einem Schutzengel, vor ihrer Haustür. Auf der Rückseite sah sie dann seine Botschaft: «Den wirst du jetzt bitter nötig haben.»

Zudem suchte der Verlassene die ehemalige Freundin mehrfach bei ihr zu Hause und auch an ihrem Arbeitsort auf. Zwar habe sie ihn bei diesen Aktionen nie zu Gesicht bekommen, aber er habe ihr Mitteilungen geschickt und die Besuche angekündigt oder sie wissen lassen, dass er sie gesehen hatte, berichtete das Opfer vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau.

«Ich habe viel mit Stalking-Fällen zu tun, aber einen solch krassen habe ich noch nicht gesehen», sagte der Anwalt des Opfers. Es seien jegliche Interventionsschwellen überschritten worden. Alles Zureden seinerseits sowie der Staatsanwaltschaft und der Polizei hätten nichts genützt. Es sei so weit gegangen, dass der Angeklagte im September 2016 in Untersuchungshaft gemusst habe. Doch auch danach habe er nicht aufgehört.

Wollte «nur» Angst machen

«Er hat dem Opfer nach der Untersuchungshaft keine Nachrichten mehr geschickt, so wie es von ihm verlangt wurde», entgegnete die Verteidigerin des Angeklagten. Dass er stattdessen seinen Whatsapp-Status bis zu zehnmal am Tag änderte und dem Opfer seine Botschaften auf diesem Weg zukommen liess, gestand der Täter hingegen. Er habe aber nicht gewusst, dass er das nicht hätte tun sollen.

Als ihm der Staatsanwalt gesagt habe, er solle damit aufhören, habe er es allerdings sofort unterlassen. Überhaupt seien seine Mitteilungen und Statusmeldungen nicht ernst gemeint gewesen. «Ich wollte ihr etwas Angst machen, getan hätte ich ihr aber nie etwas.» Er habe noch nie eine Frau angefasst.

Auch wenn er die Drohungen nicht wahr gemacht habe, handle es sich hierbei um Stalking, so Gerichtspräsidentin Muriel Mallepell. «Vielleicht würden die Handlungen einzeln betrachtet noch nicht als solches zählen, doch die Wiederholungen während längerer Zeit machten es aus», hielt die Gerichtspräsidentin fest. Einen spezifischen Straftatbestand für Stalking gibt es in der Schweiz zwar bis heute nicht. Einzelne Stalking-Handlungen sind hingegen strafbar: darunter fallen etwa Drohung, Nötigung, Beschimpfung, Sachbeschädigung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage.

185 Whatsapp-Nachrichten

In all diesen Punkten wurde der Täter für schuldig erklärt. Für Letzteren, weil er dem Opfer innert einer Woche 185 Whatsapp-Nachrichten geschickt hatte. Und weil er nicht nur Worte, sondern auch Taten sprechen liess. So packte er Gegenstände, die sie bei ihm gelassen hatte, in einen Abfallsack, zerstörte sie und warf den Beutel einer Freundin seiner Ex in den Garten. Dies, weil er sich ihrem Haus zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr habe nähern dürfen, begründete der Angeklagte sein Vorgehen.

Auch schlug er mit blosser Faust Dellen in eine Fahrstuhltür im Gerichtsgebäude, nachdem er erfahren hatte, dass er in Untersuchungshaft müsse. Und dem Polizisten drohte er Gewalt an. Hinzu kommt Drogenkonsum: Der Täter nahm Amphetamine, rauchte Cannabis und verstiess somit gegen das Betäubungsmittel­gesetz.

Teure Anfälle

Verurteilt wurde der 37-Jährige zu 6,5 Monaten Freiheitsstrafe bedingt bei einer Probezeit von 5 Jahren. Zudem wurden eine Verbindungsbusse von 2250 Franken, eine Genugtuung für das Opfer von 1500 Franken und eine Entschädigung von 3655 Franken für die Fahrstuhltür ausgesprochen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.04.2018, 14:33 Uhr

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