Wenn sich Zeit speichern liesse

Alles dreht sich um das Thema Zeit beim ­diesjährigen Seniorentheater. Diese vergeht für die Zu­schauer wie im Flug. Gespielt wird die Komödie «Dr alt ­Ingold» von Damian Zingg.

Die Neuigkeiten über eine Zukunftsuhr machen die Anwohnerinnen ­besorgt. Ist dem Neuankömmling zu trauen?

Die Neuigkeiten über eine Zukunftsuhr machen die Anwohnerinnen ­besorgt. Ist dem Neuankömmling zu trauen? Bild: Daniel Fuchs

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Die Senioren-Theatergruppe hat sich dieses Jahr für ein etwas tiefsinnigeres Stück entschieden. Den gewohnten Schalk muss man aber nicht vermissen. «Die Spieler haben sich ausserordentlich intensiv vorbereitet», sagte die Regisseurin Christina Schilt zu Beginn der Vorstellung im Kirchgemeindehaus Langnau. Und nicht nur die Spieler haben viel Aufwand betrieben: Die diesjährige Kulisse ist mit Liebe zum Detail gestaltet.

Zu sehen ist der Garten der Villa Mösli in Biel. Dem an der Strassenlampe unterhalb der Bühne angebrachten Schild ist zu entnehmen, dass sich hier der Mösliweg befindet.

Eine besondere Persönlichkeit

Mit einem begrünten Zaun ist der Garten vom Nachbarhaus abgegrenzt. Dort sitzt die quirlige Frau Segessenmann, gespielt von Ursula Lehmann, in einem Liegestuhl und versucht, ihre Neugier hinter einer Zeitschrift zu verstecken. Denn im Nachbargarten wird verkündet: Ein neuer Mieter soll in die Senioren-WG einziehen.

Als dann die etwas bornierte Nachbarin Frau Hürlimann (Frieda Utiger) einen Mann zur Villa begleitet, ist klar, dass es sich bei dem neuen Mieter um eine besondere Persönlichkeit handeln muss. Herr Rothenbühler (Fred Schilt) muss denn auch erst sicherstellen, dass es im künftigen Heim seines Chefs keine Probleme mit dem Strom geben wird. «Manchmal bastelt er, bis das Stromnetz zusammenfällt», erklärt er.

Nicht käuflich

Der neue Mieter ist ein berühmter Bieler Uhrenmacher: der alte Ingold, gespielt von Christian Stotzer. Die Bewohnerinnen und Nachbarinnen der Villa Mösli werden bei der Aussicht auf ein Treffen mit dem gut betuchten Junggesellen nervös, während der etwas zurückgebliebene Herr Segessenmann (Peter Schlegel) mit ein bisschen Speichel am ­Finger versucht, den enormen Schmerz des Mückenstichs an seinem Arm zu lindern.

Herr Ingold wird von den Damen feierlich begrüsst und mit Geschenken überhäuft. Der neue Bewohner kümmert sich aber lieber rasch einmal um seine neuste Erfindung. Und die Hausherrin Frau Messerli (Monika Schwander) erschrickt, als nach sanfter klassischer Musik plötzlich laute Bohrgeräusche aus ihrer Villa dröhnen. Auch in den folgenden Tagen wird keiner so richtig warm mit Herrn Ingold. Obwohl die sonst so melancholische Frau Rüdisühli (Annelies Strahm) zur Höchstform aufläuft und die ganze Villa mit verschiedensten Uhren aus Brockenstuben ausstattet.

Nur der Mann im Hause findet einen Draht zum Uhrmacher: Herr Dubois (Hansueli Gerber) weiss den Mieter mit einer Flasche Bier und einem philosophischen Gespräch über die Zeit zu beeindrucken. «Man kann Zeit teilen, verlieren und stehlen, aber kaufen – das geht nicht», hält Ingold fest. Und Dubois ergänzt: «Obwohl Zeit doch eigentlich Geld ist.»

Teure Pläne

Doch mit seiner neuen Erfindung will Ingold sich nun der Zeit bemächtigen. Zusammen mit Ro­thenbühler sammelt und speichert der Uhrmacher Zeit. Während die beiden dieser wichtigen Aufgabe nachgehen, treffen sich die anderen Bewohner im Garten. Der Nachbar Herr Segessenmann ist auch dabei, aber leider wieder nicht ganz fit. Spätestens als er zwischen einem wüsten Hustenanfall weinerlich verkündet: «Es ist halt psychisch!», kann das Publikum das Lachen nicht mehr zurückhalten. Danach verkündet Frau Guggisberg (Elisabeth Gerber) erstaunliche Neuigkeiten aus ihrem Stammcafé in Biel: «Die verrückten Konstruktionen kosteten ihn sein Vermögen!» Ingold sei nicht mehr reich, alles habe er in die Erfindung einer Zukunftsuhr gesteckt.

Und auch Ingolds neue Erfindung wirkt kostspielig: eine goldene Maschine, mit der Ingold die gespeicherten, gesparten vierzig Jahre zurückholen will. Diese selbst gebastelte Requisite mit den zwei Zeiträdern beeindruckt auch den Theaterbesucher. Und die Erfindung funktioniert sogar: Ingold und das Versuchskaninchen Frau Guggisberg werden über Nacht wieder zu wild tanzenden Jugendlichen. Aber dass die Jugend nicht nur Gutes mit sich bringt, wird ihnen zu spät klar: Die Stadtverwaltung ist hinsichtlich des jugendlichen Aussehens der beiden überzeugt, dass die AHV-Renten zurückgefordert werden müssen. «Jetzt musst du wieder vierzig Jahre arbeiten gehen», ruft Dubois lachend aus seinem Fenster.

Vorstellungen: Mittwoch, 14. 3., 19.30 Uhr, Donnerstag, 15. 3., 14 Uhr, Samstag, 17. 3., 19.30 Uhr, Sonntag, 18. 3., 14 Uhr. Im Kirch­gemeindehaus Langnau. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.03.2018, 20:31 Uhr

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