Wenn es rappelt in den Kisten

Stereotype und Muster entlarvt die Theatergruppe Burgdorf, indem sie sie ins Absurde führt. «Zurück auf Wolke 4» ist ein süffisantes und schräges Stück Beziehungsaufarbeitung.

Kuriose und doch vertraute Ansichten: Aus der Begegnung im Lift wird für die Figuren von Sabine Siegenthaler und René Schärer mehr.

(Bild: Daniel Fuchs)

Keine Frage, Wolke Nummer 7 ist den Frischverliebten vorbehalten. Und damit deren zuckergussfarbenen Illusion der unwiederbringlichen Perfektion. Als Bühne für ein Theaterstück taugte dieser Ort, dieser Zustand gerade deswegen nicht. Er eignet sich doch viel besser als Stillleben, als fernes Bild.

Auf Wolke 4 herrscht der Alltag und mit ihm die Ernüchterung, Verbitterung und Hinnahme in Beziehungsdingen. Hier lebt das Ideal in Form von Sehnsüchten und spiegelt sich in den Ängsten derer, die sich zurück nach Wolke 7 sehnen.

Hier, auf dem Boden der Realität, hat Daniel Nobs sein heiteres Stück angesiedelt. Der Bieler Regisseur und seine muntere Burgdorfer Truppe kokettieren dabei mit allerhand Bekanntem: Einer lockeren Folge von Beziehungsbildern, deren Muster und Stereotype in ihrer Überhöhung entlarvt werden.

Komisch, geradezu absurd inszeniert Nobs seine Burgdorfer Premiere also ganz bewusst. In der Umsetzung erinnert «Zurück auf Wolke 4» mal an Woody Allens schräge Beziehungskisten, mal kommt eine Szene in bester loriotscher Manier daher.

Ängste und Sehnsüchte

Der Effekt ist derselbe: Im Publikum fühlt man sich den Spiegel vorgehalten. Also verliert im Theater Z ein Therapeut (Toni Kunz) so sehr die Fassung («Dieser Kindheitsmist, der kotzt mich an!»), dass sich die Rolle hin zu seiner Patientin (Monika Broger) verschiebt.

Oder ein polternder Cowboy (René Schärer) platzt in das beschauliche Leben eines älteren Ehepaars, worauf die Frau (Lilo Lévy-Moser) sich mit ihm aus dem Staub macht, als offenbarte sich ihr die letzte Chance auf ein abenteuerliches Leben.

Dann ist da das junge Paar, das sich im Lift trifft und dessen Gedanken sich offenbaren. «Ich sehe sie jeden Morgen im Aufzug. Ich schaue sie an» – «Ob er merkt, dass ich merke, dass er mich anschaut?» Sie (Sabine Siegenthaler) nimmt ihm noch vor dem Date das Versprechen ab, sie nicht zu verletzen, während er taktisch alles daransetzt, sie in die Kiste zu kriegen.

Erst grandios wortlos, dann in einem ­Zeitungsschlagzeilen-Stellvertreter-Krieg marchen die Figuren von Therese Alchenberger und Ruedi Schütz die Entsorgung des Altpapiers in bester Ehepaarmanier aus. Sie gewinnt.

Irrwitzige Dialoge

Es ist ein dichter Takt, den das Publikum in 75 Minuten zu sehen bekommt. Die Dialoge sind irrwitzig und rasant, die Darsteller durchs Band weg überzeugend. Und die Schlusspointe, die zielt natürlich auch gnadenlos an Wolke 7 vorbei.

Aufführungen: 14., 16., 17., 21., 23., 24. Februar, 2. und 3. März um 20.15 Uhr sowie 18. Februar um 16 Uhr im Theater Z, Hohengasse 2. Tickets online: www.tipo.ch/wolke4.

Berner Zeitung

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