Burgdorf

Wenn ein Feuer gegen den Frost Alarm auslöst

Burgdorf171-mal rückte die Feuerwehr Burgdorf im letzten Jahr aus – so oft wie noch nie. Bei gut fünfzig Einsätzen gab es allerdings nichts zu tun, da der Alarm ungewollt ausgelöst worden war. Die Rekrutierung von Personal bleibt auch dieses Jahr ein wichtiges Thema.

Der Brand in der Oberburger Giesserei Hegi AG am 1. November machte auch den Einsatz der Autodrehleiter der Feuerwehr Burgdorf nötig. Im Einsatz standen die Wehrdienste von Oberburg, Kirchberg, Burgdorf und die Berufsfeuerwehr Bern.

Der Brand in der Oberburger Giesserei Hegi AG am 1. November machte auch den Einsatz der Autodrehleiter der Feuerwehr Burgdorf nötig. Im Einsatz standen die Wehrdienste von Oberburg, Kirchberg, Burgdorf und die Berufsfeuerwehr Bern. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Über mangelnde Arbeit konnten sich Kommandant Martin Rutschi und das Korps der Feuerwehr Burgdorf im letzten Jahr nicht beklagen: 171-mal wurde der Alarm ausgelöst – zwanzig Einsätze mehr als im Jahr 2016. Mit einem besonderen Ereignis, zum Beispiel einem Grossbrand oder einem extremen Hochwasser, ­seien er sowie die 4 Frauen und 85 Männer der Stützpunktfeuerwehr zum Glück nie konfrontiert worden.

Jedoch hätten vermehrt kleinere Brände gelöscht, nach Unwettern Bäume von der Strasse geräumt und ­Anfang Juni, nach einem automatischen Hochwasseralarm, die Emme nach Badenden und Campierenden abgesucht werden müssen.

Kopfzerbrechen bereitete Martin Rutschi die hohe Zahl an sogenannten ungewollten Alarmen. Mehr als 50-mal rückte die Feuerwehr aus, um dann am Einsatzort feststellen zu müssen, dass es gar nichts zu tun gab – weder zu löschen noch zu retten. Im Einsatzjournal heisst es da zum Beispiel zum 9. November: «Einmal mehr wurde der automatische Alarm in einem Gebäude durch Bauarbeiten ausgelöst. Keine weiteren Massnahmen durch die Feuerwehr nötig.»

Bis zu zwanzig Personen des Piketts, die allesamt einen Beruf ausüben und den Arbeitsplatz sofort verlassen müssen, wenn ein Alarm erfolgt, rückten vergeblich aus. Rutschi ist überzeugt, dass die meisten dieser unnötigen Einsätze vermieden werden könnten, «wenn die Sicherheits- und Bauverantwortlichen ihre Mitarbeiter korrekt schulen und immer wieder darauf aufmerksam machen würden, was das Auslösen eines ungewollten Alarms für Konsequenzen hat». Zum einen werden die Feuerwehrleute belastet, die ihre Arbeits- oder Freizeit opfern. Zum andern wird jedem Verursacher eines ungewollten Alarms Rechnung gestellt: 650 Franken pro Einsatz.

Werbung wird fortgesetzt

Das kann ganz schön ins Geld gehen. So kam es im letzten Herbst innert weniger Tage zu einer Serie von ungewollten Alarmen: am 10. September gleich zweimal, am 13., 15. und 19. September je einmal. Solche Einsätze stärken weder die Einsatzbereitschaft des Korps, noch erleichtern sie Kommandant Rutschi das Rekrutieren von neuen Feuerwehrleuten. Im letzten Sommer machte er sich, unterstützt von der Plakataktion «We Want You», auf Nachwuchssuche. Mit dem Ergebnis der Rekrutierungsbemühungen sei er nicht gänzlich zufrieden, sagte Rutschi auf Anfrage. Wohl sei das Minimalziel von fünf neuen Korpsangehörigen nur knapp verfehlt worden.

Aber: «Von den Jungen, die wir via Facebook und andere soziale Medien speziell angesprochen haben, konnten wir niemanden für einen Einsatz bei der Feuerwehr begeistern.» Rekrutiert werden konnten vier Personen mittleren Alters. Geschlagen geben will sich Rutschi trotz dieses mässigen Erfolgs jedoch nicht. Die Plakate würden auch in diesem Sommer in der Stadt aufgeklebt. Zudem werde die Feuerwehr vom 24. bis 27. Mai an der Burgdorfer Gewerbeausstellung in der Markthalle mit einem Stand vertreten sein.

Der Tod gehört dazu

Die Palette der Einsätze, welche die Feuerwehr Burgdorf im letzten Jahr leistete, ist gross. Neben den vielen erwähnten Fehlalarmen rückten die Frauen und Männer zu Bränden, Ölwehreinsätzen, Wasserleitungsbrüchen, Rettungsdiensten in Zusammenarbeit mit dem Spital Emmental und zu Personenbergungen bei Verkehrsunfällen aus. So steht im Protokoll des Einsatzleiters vom 4. April: «Nach dem Selbstunfall eines Personenwagenfahrers konnte eine Person nur noch tot aus dem Fahrzeug geborgen ­werden.»

Tage später wurde die Feuerwehr wegen eines sogenannten Vegetationsbrandes aufgeboten. Mehrere Kleinfeuer in einem Wald entpuppten sich jedoch als gewollte «Wärme­feuer». Mit diesen hatte ein Mann versucht, seine jungen Tannen vor Frost zu schützen. Gleich zweimal gerieten an verschiedenen Orten Thujabäumchen in Brand. Im Einsatzprotokoll heisst es dazu: «Der Brand konnte rasch gelöscht werden. Leider blieben nur die Hauptzweige ­übrig.»

Das Zmittag verrauchte

Kurios war eine Alarmmeldung im Oktober: Wasser läuft aus dem dritten Stock eines Wohnhauses. «Bei dieser Meldung fragt man sich, was einen da erwartet», schrieb der Einsatzleiter ins Journal. Die Lösung: «Vor Ort wurde dem Einsatzleiter mit­geteilt, dass bei offenem Fenster geduscht worden sei. Dabei muss Wasser aus dem Fenster die Fassade hinuntergeflossen sein.»

Ein automatischer Alarm liess die Feuerwehr kurz vor Weihnachten zu einem «Brand» ausrücken: Weil jemand sein Zmittag etwas gar lange in der Mikrowelle erwärmte, kam es zu einer Rauchentwicklung. Lakonisch hielt der Einsatzleiter fest: «Ob die Speisen noch geniessbar waren, ist zu bezweifeln.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2018, 11:53 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Stadtteil verliert sein Gesicht

Burgdorf 65 Jahre lang prägten die Industriegebäude der Maschinenfabrik Aebi das Bahnhofquartier. In Bälde wird diese Brache verschwinden und einer Grossüberbauung Platz machen. Mehr...

Das bietet die Burgdorf-App

Burgdorf Abfallkalender, Wanderrouten oder Restauranttipps: Die Stadt Burgdorf hat eine App lanciert. Wir haben sie einem Test unterzogen. Mehr...

Spital Emmental: Die Millionen sind verbaut

Burgdorf Die Erneuerung des Spitals Emmental ist abgeschlossen. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit ist das Bettenhaus bezugsbereit. Am Wochenende kann die Bevölkerung den 111 Millionen Franken teuren Ausbau besichtigen. Mehr...

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Versteckspiel mit dem TV

Tingler Immer schöner

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Wo die Toten ruhen: Anlässlich des Feiertags Eid al-Fitr besuchen Muslime den Friedhof von Nadschaf im Irak, der mit 5 Millionen begrabenen Menschen als grösster der Welt gilt. (16. Juni 2017)
(Bild: Alaa Al-Marjani ) Mehr...