Burgdorf

Wenn die gute Stube zum Konzertlokal wird

BurgdorfQuerflötistin Ursula Seiler Kombaratov und Klarinettist Igor Kombaratov öffnen ihr Wohnzimmer für Hauskonzerte. Sie wollen damit Menschen jeglichen Alters die Schönheit der Musik und deren Literatur näherbringen.

In den eigenen vier Wänden bietet Familie Kombaratov vierteljährlich Konzerte an. Für das Programm ist Igor Kombaratov zuständig,  um Marketing und Werbung ist Ursula Seiler Kombaratov (links) besorgt. Im Bild ist auch Tochter Jola.

In den eigenen vier Wänden bietet Familie Kombaratov vierteljährlich Konzerte an. Für das Programm ist Igor Kombaratov zuständig, um Marketing und Werbung ist Ursula Seiler Kombaratov (links) besorgt. Im Bild ist auch Tochter Jola. Bild: Thomas Peter

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Der Raum ist puristisch möbliert und sehr gross. In einer Ecke steht ein schwarzer Flügel. Vor der riesigen, rahmenlosen Fensterfront mit Blick auf das Burgdorfer Bahnhofquartier lädt eine weisse Sofagruppe zum Ent­spannen ein.

Auf einem Esstisch aus Massivholz sind Kinder­bücher und weitere Spielsachen auszumachen. Jola Kombaratov, eine lebhafte 4-Jährige, schwirrt durch den Raum. Setzt sich an den Flügel, greift in die Tasten – um zu zeigen, dass hier, in ihrer Familie, Musik einen hohen Stellenwert hat.

Tatsächlich laden ihre Eltern, das Musikerpaar Ursula Seiler Kombaratov und Igor Kombara­tov, seit kurzem zur Hausmusik ein. Dazu wird das feudale Wohnzimmer, dank Klappstühlen und weiteren Polstermöbeln, flugs zum Konzertlokal. Bis zu fünfzig Besucher haben dann in der «guten Stube» Platz.

Begeistert aufgenommen

Das erste öffentliche Burgdorfer Konzert mit dem Hausherrn an der Klarinette und seinem russischen Freund Raouf Mamedov am Flügel sei vom Publikum begeistert aufgenommen worden, resümiert das Musikerehepaar. Allerdings seien die Plätze noch etwas spärlich besetzt gewesen. «Alles ist noch Neuland, wir haben für den Anlass zu spät Werbung gemacht», erklärt Ursula Seiler Kombaratov.

Die Idee, Leute für Konzerte in die eigene Stube einzuladen, kam auch bei der Stadt Burgdorf gut an. Die städtische Kultur­beauftragte Dagmar Kopše sei von der Idee jedenfalls begeistert gewesen, freut sich Seiler.

Den finanziellen Zustupf für die Deckung der Kosten können die Kombaratovs gut gebrauchen. Mit den Eintrittspreisen – bis 16 Jahre sind Kinder gratis dabei – bezahlen sie die eingeladenen Musiker. Für das jeweilige Programm ist der Hausherr zuständig, der selbst auch Ensembles leitet.

Derweil kümmert sich Ursula Seiler Kombaratov um das Marketing und die Werbung. Bei alldem kommt ihr zugute, dass sie als ausgebildete Keramikde­signerin auch eine begnadete Zeichnerin ist. Die witzigen, dem Thema Musik gewidmeten Karten sprechen für sich.

Eine Idee, geboren in Tenniken

Seit knapp einem Jahr wohnt die Familie im UBS-Gebäude an der Bahnhofstrasse. Zuvor war sie in Tenniken daheim. Hausmusikkonzerte haben sie in ihrem früheren Zuhause bereits angeboten.

Die in Burgdorf aufgewachsene Querflötistin, Komponistin und Meisterkursabsolventin und der mehrfach ausgezeichnete Klarinettist aus dem russischen Nischni Novgorod haben sich vor gut zehn Jahren an der Musikakademie in Basel kennen gelernt. Nebst vielen Konzerten unterrichten beide Klarinette ­beziehungsweise Querflöte und führen mit Verlenti CH einen eigenen Notenverlag.

Rares vermitteln

Mit den viermal im Jahr statt­findenden Hauskonzerten wollen die Musiker in «entspanntem, interaktiven Ambiente Menschen jeglichen Alters und jeglicher Herkunft die Schönheit der Musik näherbringen». Ganz besonders aber möchten sie auch rare Musikliteratur unterschiedlichster Provenienz vermitteln.

Angedacht sei ausserdem eine Zusammenarbeit mit Burgdorfer Institutionen wie der Musikschule oder die Teilnahme an Anlässen in der Emmestadt, erklärt Ursula Seiler Kombaratov. Dass sie an der Burgdorfer Kulturnacht jüngst engagiert waren: Für die beiden ein wichtiger Einstieg ins städtische Kulturleben.

Nächstes Hauskonzert: Neujahrskonzert am 1. Januar 2018 mit Querflöte, Klarinette, Klavier. Infos: www.familie-kombaratov.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2017, 10:39 Uhr

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