Zum Hauptinhalt springen

Wenn der Mäher ohne Fahrer fährt

Gefährliche Fahrmanöver an steilen Hängen könnten der Vergangenheit angehören: Jetzt können Bauern ihre Terratracs fernsteuern oder ganz autonom fahren lassen.

Die beiden Produktmanager von der Maschinenfabrik Aebi können entspannt im Gras sitzen, während der Terratrac die Feldarbeit ausführt.
Die beiden Produktmanager von der Maschinenfabrik Aebi können entspannt im Gras sitzen, während der Terratrac die Feldarbeit ausführt.
Marcel Bieri

«Ach, wie schön wäre das, wenn ich hier sitzen und dabei einem selbst arbeitenden Terratrac zuschauen könnte.» So träumte ­Philipp Hohl vor bald zwei Jah­ren vor sich hin. Wäre er Landwirt, wäre es wohl ein Traum geblieben. Aber Hohl ist Produktmanager bei der Maschinenfabrik Aebi + Co. AG in Burgdorf. Aus der spontanen Idee wurde deshalb ein Gerät, das in der Lage ist, unbemannt und völlig selbstständig zu arbeiten.

Hohl und Mathias Leubler, ebenfalls Produktmanager bei Aebi, demonstrieren im Feld, wie das geht. Erst musste einer von ihnen in der Führerkabine des für das Fahren an steilen Hängen konzipierten Zweiachsgeräteträgers die zu erfüllende Aufgabe definieren. Dazu fuhr er eine äussere und eine innere Kontur um die Fläche, die es zu bearbeiten gilt.

Jetzt weiss das Gerät, wo es arbeiten muss und wo es wenden darf. Theoretisch könnte der Bauer jetzt «Znüni näh». In der Praxis aber wird er anderen Arbeiten nachgehen, während das Gerät die von den Kühen nicht ganz sauber abgefressene Weide mäht (oder mulcht, wie das in der Fachsprache heisst).

Stopp bei Hindernissen

Der Aebi TT211 Option Autonom, der bei Bedarf auch über eine Fernsteuerung gelenkt werden kann, arbeitet völlig selbstständig. Würde sich ihm plötzlich eine entlaufene Kuh oder ein anderes Hindernis in den Weg stellen, würde er fünfzig Zentimeter davor anhalten. Er sei mit einem ­Radarsystem ausgestattet, erklärt Hohl.

Zudem stellen Ultraschallsensoren sicher, dass er vor dem Hindernis stoppt. «Und für den äussersten Notfall hat es im­mer noch Kontaktschalter sowie einen Not-Aus-Knopf am Fahrzeug, den man drücken könnte», fügt Hohl hinzu.

Der vollautomatische TT211 auf Mission im Gelämde:

Während er erklärt, wählt Leub­ler in der Fahrerkabine am Touchscreen-Monitor eine zuvor aufgezeichnete Route aus, welcher der Terratrac nun mit einer Genauigkeit von plus/minus zwei Zentimeter folgt. «Teach and play back» heisst die Funktion. Sie ist an einem übersichtlichen Emmentaler Högerli wohl weniger gefragt als an einem kilometerlangen steilen Bord entlang der Autobahn oder in grossen Re­genwasserrückhaltebecken, die mehrmals pro Jahr gemäht werden.

Es seien denn auch vorab Kommunaldienste, die sich für die autonome Funktion ihrer Terratracs interessierten, sagen Hohl und Leubler, während sie ihre Weltneuheit präsentieren.

Eher im Ausland gefragt

Noch habe die Firma Aebi den Verkauf nicht forciert. Aber an internationalen Messen hätten sie beobachtet, dass gerade im Ausland ein Markt dafür bestehe. Denn dort seien die Vorschriften bezüglich Arbeitssicherheit wesentlich strenger als in der hie­sigen Landwirtschaft. Während hier die Waghalsigkeit der an steilen Hügeln herumkraxelnden Terratracfahrer bestaunt werde, sei dies im EU-Raum anders. Ab einer bestimmten Steilheit dürften Geräteträger nicht mehr bemannt arbeiten.

Philipp Hohl führt den elektronischen Mäher vor. Bild: Marcel Bieri
Philipp Hohl führt den elektronischen Mäher vor. Bild: Marcel Bieri

Hier könnte die Erfindung aus Burgdorf eine Marktlücke schliessen. Landwirte oder Kommunalarbeiter könnten unten am Hügel von sicherer Position aus über die Fernsteuerung das Werk erledigen.

Weil das Gerät dank Satellitensteuerung auf zwei Zentimeter genau programmiert werden könne, arbeite es zudem viel effizienter, als ein von Menschenhand gesteuertes Gerät es tun könnte. Das diene letztlich auch der Umwelt, betont Hohl.

Teure Anschaffung

Doch es ist nicht damit zu rechnen, dass die Hügel des Emmentals in Bälde mit selbstständig arbeitenden Geräten besiedelt werden. Denn wer einen Terratrac mit der Option Autonom aufrüsten will, muss dafür ab 30'000 Franken und eine Lieferfrist von acht bis zwölf Wochen einkalkulieren.

Für den Aebi TT211 Option Autonom wurde die Maschinenfabrik letztes Jahr vom Schweizerischen Verband für Landtechnik mit dem Swiss Innovation Award ausgezeichnet. «Wir sind zuversichtlich, mit unseren innovativen Produkten, die von 200 Mitarbeitern am Standort Burgdorf hergestellt werden, für die Zukunft gerüstet zu sein», sagen die beiden Produktmanager. Dabei sitzen sie im Gras und schauen zu, wie das Gerät selbstständig mähend seine Spur zieht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch