Wehe, wenn er losgelassen

An der Koppiger Fasnacht geht traditionellerweise ein Güggu um. Wird er freigelassen, beginnen die närrischen Tage. Wird er wieder eingefangen, sind sie zu Ende. Das ist auch an diesem Wochenende so.

Der Güggu und die Narren: Am Wochenende steigt die Koppiger Fasnacht.

Der Güggu und die Narren: Am Wochenende steigt die Koppiger Fasnacht. Bild: Andreas Marbot

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Noch kann der Güggu friedlich auf seinem Kissen schlummern und von süssen blonden Hühnern träumen, wie er es auf dem Fasnachtsplakat getreu dem dies­jährigen Motto «troumhaft» tut. Aber nicht mehr lange, dann heisst es Flügel recken, Federn putzen, Schnabel wetzen, Kamm stellen. Noch dreimal schlafen, dann beginnt im Dorf an der Ösch die fünfte Jahreszeit, und der schräge Vogel muss seinen Verpflichtungen nachkommen.

Gratissuppe, Guggenmusik, Gügglete

Der Hahn gehört zur Fasnacht in Koppigen wie die Konfetti in die Kanone. Er ist nicht nur das Wappentier der Gemeinde, sondern auch das Maskottchen der närrischen Tage. Luzern hat den Urknall, Basel den Morgestraich, Langenthal das Fischen und Koppigen die Gügglete.

Und die geht so: Am Freitagabend befreit der Gemeinderatspräsident den Hahn – verkörpert durch einen kostümierten Unbekannten – aus seinem Käfig beim Gemeindehaus. Damit gibt er symbolisch den Schlüssel und die Macht ab. Die Fasnacht kann beginnen.

Drei Tage regieren die Narren das Dorf. Die Kinder und Erwachsenen treiben den Güggu mit Lärminstrumenten bewaffnet und mit weissem Hemd und roter Mütze verkleidet zum Blauen Schulhaus hinunter. Dort läuft er noch eine Zeit lang wie ein kopfloses Huhn herum, bis er sich absetzt und sich der Jagdzug auflöst. Danach wird Gratissuppe für alle geschöpft und Tee ausgeschenkt. In der Güggeler-Bar im Clubhaus des Sportvereins, wo gefeiert wird, bis der Hahn kräht, und in den Beizen geht es mit Guggenmusik und Schnitzelbänken weiter.

Die Tradition bewahren

Der Güggu streicht über die ­Fasnachtstage durchs Dorf. Am Samstagnachmittag stolziert er am von der Schule organisierten Umzug. Klar, muss er immer wieder für Konfettischlachten herhalten. Am Sonntagnachmittag an der Uslumpete wird er von den Kindern eingefangen, zum Käfig geschleppt und wieder eingesperrt. Tschüss, bis zum nächsten Mal. Die Fasnacht ist zu Ende. Das Federvieh hat sogar seine eigene Clique: die Güggeler, die jeweils mit einem eigenen Wagen am Umzug teilnehmen.

«Bis heute ist der Güggu der Star.»Dominique Luder

Aber woher kommt der Brauch? Das Ehepaar Hans und Dominique Luder weiss die Antwort. Er ist Gründungsmitglied der Güggeler-Clique. Sie ist von Anfang an im Fasnachtskomi­tee dabei. Heute singen sie bei der Koppiger Tratschhenne Schnitzelbänke. Die beiden er­innern sich: Vor 15 Jahren soll­te die Gügglete die Dorffasnacht vor dem Untergang retten. «Damals», erzählt Dominique Luder, «war die Fasnacht am Sterben. Beide Schnitzelbankgruppen haben aufgehört. Es gab nur noch den Umzug, sonst nichts mehr.»

Das darf nicht sein, dachten sich einige. Also seien sie zusammengesessen und hätten gegrübelt. Inspirieren liessen sich die Fasnachtshelfer von den Bernern, die zur Eröffnung bekanntlich den Bären aus seiner Winterruhe wecken und aus dem Käfigturm befreien. Und weil in Koppigen eben der Hahn das Wappentier ist, tauschte man den Mutz kurzerhand durch einen Gockel aus. Am Sonntagnachmittag wurde zudem ein Kindermaskenball eingeführt.

Wer ist der Hahn?

Der Neustart gelang. Die Fasnacht war gerettet. «Bis heute ist der Güggu der Star», sagt Dominique Luder. «Die Kinder sind jeweils Feuer und Flamme für ihn.» Fotos würden von und mit dem Federvieh geschossen. Aus der einstigen Zusammenkunft ist das Fasnachtskomitee geworden. Es besteht heute aus Mitgliedern von Guggenmusiken, Vereinen und Schnitzelbänken und trifft sich vier- bis fünfmal pro Jahr, damit die Fasnacht koordiniert werden kann.

Wer im Hahnenkostüm steckt,darf übrigens niemand wissen. «Natürlich rätseln und spekulieren die Koppiger immer wieder, wer dieser Güggel sein könnte», sagt Hans Luder. Das sei das Witzige an der Sache. Gerade darum ist und bleibt ein wohlgehütetes Geheimnis, wer sich jedes Jahr aufs Neue durchs Dorf jagen lässt.

Programm Koppiger Fasnacht:

In Koppigen und Umgebung ­stehen am Wochenende die ­Beizenfasnacht und der Maskenball des Turnvereins auf dem Programm. Heuer kommt als Location neu der Saal der Gartenbauschule Oeschberg dazu.

Freitag: 19 Uhr: Gügglete, Start beim Gemeindehaus, Gratis­suppe und Tee beim Blauen Schulhaus, Bar im KSV-Clubhaus. Ebenfalls ab 19 Uhr: Beizenfasnacht im Kreuz Höchstetten, im Freienhof Hellsau, im Diavolo Koppigen, im KSV- Clubhaus mit Guggenmusik und Schnitzelbänken.

Samstag: 14.01 Uhr: Umzug. Route: Willadingenstrasse–Mühlegässli–Stöckstrasse–Utzenstorfstrasse–Hauptstrasse–Willadingenstrasse. Danach ­Sujetpräsentation und Guggenkonzert. 19 Uhr: Beizenfasnacht im Flury und im Diavolo Kop­pigen, im Frohsinn Willadingen, im Saal der Gartenbauschule Oeschberg. 20.18 Uhr: Maskenball beim Alten Schulhaus.

Sonntag: 14.45 Uhr: Kindermaskenball und ab 15 Uhr Uslum­pete beim Blauen Schulhaus mit Schnitzelbänken und Gugge. Ab 15.45 Uhr: Güggu einfangen.

Bätterkinden:

Auch im unteren Emmental sind am kommenden Wochenende die Narren los. In Bätterkinden ­haben die ortsansässigen Schrottofoniker ihre Finger im Spiel. «Nume nid dribisse» heisst es bei ihnen. Los geht es mit einem Päng, zum Schluss geht der Böög in Flammen auf. Dazwischen wird gefeiert.

Freitag: 20.01 Uhr: Päng! Fasnachtseröffnung mit Gulasch, Guggen und Böög-Präsentation beim Kreisel.

Samstag: 13.31 Uhr: Umzug. Route: Weidenweg–Föhrenweg–Bahnhof–Kronenplatz. ­Danach Guggenauftritte beim Kronenplatz. 17.01 Uhr: Zwüschehupf im Sternen. Ab 19.31 Uhr: Beizenfasnacht in der Brücke, im Sternen und im Piazza.

Sonntag: 16.31 Uhr: Böög-Verbrennen beim Brandplatz hinter der Saalanlage Bätterkinden. In Utzenstorf: Sonntag: 14.01: Tschämeler-Zvieri mit kleinem Umzug Landi–Kirchschulhaus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 11:52 Uhr

Der Güggu, das Wappentier

Ein schreitender silberner Hahn auf rotem Grund: So präsentiert sich das Koppiger Wappen. Der Sage nach hat ein Hahn in einer kalten Winternacht um 1375/1376 die Burgbewohner auf dem Bühl vor einer mordenden und brandschatzenden Guglerhorde gewarnt. Eine kleine Meute zog nämlich von Herzogenbuchsee her zum Dörfchen Coppingen. Niemand bemerkte die Eindringlinge. Doch plötzlich begann mitten in der Nacht vom Torhäuschen her ein Hahn zu krähen. Er weckte die Schlafenden, die ihre Burg verteidigten und schliesslich die Schlacht gewannen. Aus Freude über den Sieg erklärte Ritter ­Peter von Thorberg den Retter in der Not zum Wappentier.nnh

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