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Warum das Benzin im Emmental günstiger ist

Je ländlicher die Gegend, desto billiger das Benzin. Grund dafür sind die tieferen Landpreise – und der Konkurrenzdruck unter den Tankstellenbetreibern.

Markus Zahno
Schon Grossvater Rüegsegger verkaufte Benzin. Heute zählt die Tankstelle in Aeschau zu den günstigsten.
Schon Grossvater Rüegsegger verkaufte Benzin. Heute zählt die Tankstelle in Aeschau zu den günstigsten.
Raphael Moser

Eine Fahrt von Bern ins Emmental ist immer schön. Und sie wird noch vergnüglicher, wenn man möglichst günstig tanken will. Beim Kreisel eingangs Grosshöchstetten, dort, wo die Agglomeration langsam ins Land übergeht, kostet der Liter bleifreies Benzin 1.60 Franken. In Zäziwil, wo im Schaufenster neben der Tankstelle Rasenmäher, Motorsägen und allerlei andere Geräte ausgestellt sind, gibts den Liter für 1.55 Franken. Ein paar Kilometer weiter, bei der Landmaschinenwerkstatt in Schüpbach, sind es noch 1.53 Franken. Und wer in Richtung Eggiwil weiterfährt, reibt sich verwundert die Augen: Bei den vier Tankstellen in und um Eggiwil kostet der Liter Bleifrei sogar nur 1.51 respektive 1.50 Franken.

Als Konsument fühle er sich «abgezockt», wenn er in Grosshöchstetten für das gleiche Produkt so viel mehr zahle als in Eggiwil, schrieb kürzlich ein Leser aus der Agglo Bern. Und auch weniger preisbewusste Autofahrer dürften sich schon gefragt haben: Wie sind solche Preisunterschiede möglich?

Höhere Standortkosten

Die Suche nach Antworten führt zuerst zu Fabian Bilger. Er ist stellvertretender Geschäftsführer von Avenergy Suisse, dem Verband der Benzin- und Ölbranche. «Ja», erklärt er, «beim Benzinpreis gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land.» Tendenziell sei der Kraftstoff in ländlichen Gegenden günstiger als in der Agglo. «Der Hauptgrund dafür sind die Standortkosten.» Will heissen: Je städtischer ein Gebiet ist, desto höher sind die Immobilienpreise, die Mieten der Tankstellen, die Löhne der Angestellten und so weiter. «Das ist ja auch in anderen Branchen wie dem Gastgewerbe zu beobachten.»

Die Benzinpreise sind aber noch von anderen Faktoren abhängig. Zum Beispiel von der Grösse der Tanks, in dem die Tankstellen ihr Benzin lagern. Je grösser der Tank, desto weniger oft muss er aufgefüllt werden – und desto tiefer sind die Transportkosten. Sogar der Pegelstand des Rheins hat Einfluss: Etwa ein Drittel des Benzins, das importiert und an die Tankstellen weiterverteilt wird, gelangt nämlich über die Rheinschifffahrt in die Schweiz. Je weniger Wasser der Rhein führt, desto weniger Fracht können die Schiffe laden und desto höher werden die Transportkosten.

Preisbewusste Autofahrer

Eine wichtige Rolle spielt zudem der Konkurrenzkampf unter den Tankstellenbetreibern. Beim Benzin achten die Kunden nämlich stark auf den Preis; das bestätigen alle angefragten Fachleute. So fahren Automobilisten zum Teil kilometerweite Umwege zu einer Tankstelle, an der sie ein paar Rappen sparen können.

«Wir haben sogar Kunden aus dem Kanton Luzern. Oder Bauern, die 400 Liter auf einmal tanken.»

Peter Rüegsegger

Das beobachtet auch Tankstellenbetreiber Peter Rüegsegger. Er führt in Aeschau bei Eggiwil die Rüegsegger Installationen AG. Wichtigstes Standbein des Viermannbetriebs ist das Sanitär- und Heizungsgeschäft. Neben der Werkstatt, direkt an der Hauptstrasse Schüpbach–Eggiwil, ist die Tankstelle eingerichtet. Auf den Fenstersimsen blühen rote und weisse Geranien. Die Leuchtreklame am Dach ist unspektakulär, nur drei Wörter stehen darauf: Tankstelle, Benzin und Diesel. Spektakulär ist dafür der angeschriebene Benzinpreis. Hier kostet der Liter Bleifrei 95 nämlich nur 1.50 Franken. Zum Vergleich: Der Schweizer Durchschnittspreis liegt derzeit bei 1.66 Franken.

Privat und unabhängig

Schon sein Grossvater habe in der alten Schmiede eine Tankstelle geführt, erzählt Peter Rüegsegger, damals sei das Benzin noch von Hand gepumpt worden. Heute habe er im Prinzip keine andere Wahl, als den Benzinpreis so tief anzusetzen. Denn ein Konkurrent in Eggiwil verkaufe den Most seit Jahr und Tag sehr günstig. «Würden wir nicht mitziehen, würden deutlich weniger Leute bei uns tanken.»

In Grosshöchstetten kostet der Liter Bleifrei 10 Rappen mehr als in Eggiwil. Bild: rmo
In Grosshöchstetten kostet der Liter Bleifrei 10 Rappen mehr als in Eggiwil. Bild: rmo

Rüegsegger führt seine Tankstelle privat. Die Anlage gehört ihm, das Benzin bezieht er zum jeweiligen Tagespreis bei einer Handelsfirma. «Mal sind die Einkaufskonditionen günstiger, mal teurer – das ist wie beim Heizöl», erklärt der Unternehmer. Wenn es an der Tankstelle etwas zu flicken gibt, erledigt er die Reparatur nach Möglichkeit selbst. So kann er die Fixkosten tief halten und den Benzinpreis tiefer ansetzen als andere. Der niedrige Preis wiederum zieht zusätzliche Leute an: «Wir haben sogar Kunden aus dem Kanton Luzern. Oder Bauern, die 400 Liter auf einmal tanken», berichtet Peter Rüegsegger.

Harter Verdrängungskampf

Zu Rüegseggers Konkurrentinnen zählt die Oel-Pool AG mit Sitz im aargauischen Suhr. Sie betreibt in der Schweiz mittlerweile 340 Tankstellen, viele davon unter der Marke Ruedi Rüssel. Eine steht am Dorfeingang von Eggiwil, wo der Liter Bleifrei bei unserer Testfahrt von Bern ins Emmental 1.515 Franken kostete. «Unser Ziel ist, das Benzin 2 bis 3 Rappen günstiger als die Markengesellschaften zu verkaufen», sagt Christoph Lötscher, Geschäftsführer Tankstellensektor bei der Oel-Pool AG. Mit dem tieferen Preis steigere man die Absatzmenge, denn: «Verdienen kann man in diesem Sektor nur mit der Menge.»

«Wir rechnen damit, dass der Benzinabsatz in nächster Zeit um 2 Prozent zurückgeht – pro Jahr», erklärt Lötscher. Denn die neuen Autos, die auf den Markt kommen, verbrauchen immer weniger Sprit. Oder, im Falle der Elektroautos, gar keinen mehr. Der Verdrängungskampf bei den Tankstellen dürfte sich also weiter zuspitzen und die Margen beim Benzin tief bleiben. Zur Freude all jener, die beim Tanken auf jeden Rappen schauen.

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