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Warten auf Feuz – Teil 1

Beat Feuz' WM-Abfahrt inklusive Medaillen-Hoffnungen in St. Moritz wurde auf Sonntag verschoben. Im Gasthof Rosegg in Bumbach, wo Feuz aufgewachsen ist, machte man sich einen gemütlichen Nachmittag.

Nicht überschwänglich, aber zufrieden: Beat Feuz' Fans im Gasthof Rosegg in Bumbach, nachdem der Emmentaler Skistar die Bestzeit aufgestellt hat.
Nicht überschwänglich, aber zufrieden: Beat Feuz' Fans im Gasthof Rosegg in Bumbach, nachdem der Emmentaler Skistar die Bestzeit aufgestellt hat.
Daniel Fuchs
Am Samstag warteten die Fans vergebens: In Beat Feuz' Stammbeiz, dem Restaurant Rosegg in Schangnau hätte das Rennen live übertragen werden sollen.
Am Samstag warteten die Fans vergebens: In Beat Feuz' Stammbeiz, dem Restaurant Rosegg in Schangnau hätte das Rennen live übertragen werden sollen.
Daniel Fuchs
Die Rennbegeisterung hat auch die Kinder gepackt.
Die Rennbegeisterung hat auch die Kinder gepackt.
Daniel Fuchs
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Spannend war es trotzdem. Statt eine Minute und vierzig Sekunden waren es gut drei Stunden. 180 Minuten gebanntes Warten auf den einen grossen Auftritt an der Ski-WM in St. Moritz, darauf, dass Beat Feuz, der Kugelblitz aus Bumbach, das Schangnau, das Emmental, den Kanton Bern, ja: die ganze Schweiz vergoldet. Hätten sie ihn nur gelassen.

Beat Feuz feierte am Samstag seinen 30. Geburtstag und hätte den Tag perfekt machen können, indem er an der Abfahrt aufs Podest fährt. Um 12 Uhr hätte es losgehen sollen, um halb drei wurde das Rennen abgesagt.

Bereits kurz vor Mittag füllt sich der abgedunkelte Saal des Gasthofs Rosegg in Bumbach nach und nach. Die Tische sind zu langen Tafeln angeordnet, die Servicemitarbeiterinnen schreiten hektisch und auf den Händen volle Tabletts jonglierend durch die Gänge. Kaffee Crème, Kaffee Pflümli, Kaffee Zwetschgen.

Freudige Erwartung, lautes Fachsimpeln, ein Skifest im Kleinen hier am Fusse des Hohgants, an jenem Hang, wo Beat Feuz das Skifahren gelernt hat. Die Leinwand steht ganz vorne im Saal. An den Tischen 11 und 12 hat sich der Fanclub «Beat Feuz» versammelt. An Tisch 15 sitzen die jungen Schangnauer.

Auf die Frage, ob sie den Beat Feuz persönlich kennen würden: «Beätu? Ja klar. Ich ging mit ihm in die Lehre», sagt der eine. Ein anderer mit Sportmütze und Bart wurde mit ihm konfirmiert, andere gingen mit ihm in die Schule. «I bi bau chly närvos», sagt der mit der Sportmütze und blickt zur Leinwand. Ausscheiden oder Gewinnen, nichts anderes scheinen die jungen Schangnauer an diesem Samstag von Feuz zu erwarten.

Zwölf Uhr ist lange vorbei. Die Rennleitung in St. Moritz verschiebt die Abfahrt immer wieder. Der Nebel ist zäh, dann zerren tiefhängende Wolken an den Nerven der erwartungsschwangeren Skifans.

Hier in Bumbach geht man es ruhig an. Man lässt sich vom verschobenen Rennen natürlich nicht beunruhigen. «I ga de mau iz Menü», sagt ein älterer Mann mit Fis-Ski-Mütze. Was das heisst, lässt sich kurz darauf an den Servicemitarbeiterinnen ablesen. Jetzt tragen die Frauen in schwarzen Hosen und bordeauxroten Poloshirts tellerweise Cordonblues und grosse Bierflaschen in den Saal.

Man kennt sich hier und scheint von Natur aus geduldig. Wer den Saal betritt, begrüsst die Anwesenden, was meist mit einem Kopfnicken quittiert wird. Schnell wird klar: Beat Feuz ist ein Kitt in dieser Gemeinde, Schangnau, mit rund 1000 Einwohnern. Und der Gasthof Rosegg wird an solchen Tagen zu einer Art Familientreffen.

9 von 10 Menschen kennen den Beätu mehr oder weniger persönlich. Kein Wunder. Von der Terrasse aus sieht man den Bauernhof, wo er aufgewachsen ist, genau neben der Skipiste. Beat hat auch heute noch dort oben ein Stöckli gemietet.

Es ist laut im Saal. Man wartet und trinkt und eine Erwartung liegt in der Luft, eine Hoffnung darauf, dass Kugelblitz Feuz endlich aus dem Häuschen donnert und unsere samstäglichen Träume von einer Goldmedaille wahrmacht.

Verschoben und wieder verschoben. Der Feuz-Fanclub verlässt um 13:45 Uhr den Saal. Erst um 14:30 Uhr sind wieder Neuigkeiten von der Rennleitung zu erwarten. Das reicht für eine kurze Abfahrt hier in Bumbach, wo kein Wölkchen am Himmel die Stimmung zu trüben vermag. Andere lassen sich derweil Glacé-Coups bringen, Jasskarten, weitere Biere, weitere Kaffees. Und die jungen Schangnauer trinken grüne Tees, sogenannte Fröschli: Münzentee mit Schuss.

Ein halbe Stunde später füllt sich der Saal wieder. Der Fanklub hat sich rechtzeitig wieder um den Stammtisch versammelt, nur um schlechte Nachrichten zu vernehmen: Die tiefhängenden Wolken in St. Moritz bleiben stur. Das Rennen ist verschoben. Vielleicht auf morgen, vielleicht auf Mittwoch.

Der anfänglich nervöse junge Mann sagt es schliesslich so: «Ich bin sowieso nur hierhergekommen um Bier zu trinken», lächelt und wirft eine Karte auf die Jassdecke. Inzwischen hat die Rennleitung die Männer-Abfahrt auf Sonntag 13:30 Uhr angesetzt. Fortsetzung folgt.

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