Burgdorf

Von Uneinigkeit und Zusammenarbeit

BurgdorfDie Burgdorfer Sozialdemokraten feiern ihr gut 100-jähriges Bestehen. Differenzen, Vereinigungen und zahlreiche Errungenschaften prägen die Parteigeschichte.

Haben allen Grund zur Freude: Die SP-Stadträte Peter von Arb (links) und Urs Geiser vor dem Stammlokal ihrer  Partei Zur Gedult.

Haben allen Grund zur Freude: Die SP-Stadträte Peter von Arb (links) und Urs Geiser vor dem Stammlokal ihrer Partei Zur Gedult. Bild: Thomas Peter

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«Die Sektion Burgdorf wurde erstmals 1914 in den Protokollen der Kantonalpartei erwähnt», sagt Peter von Arb, Stadtratsmitglied und Fraktionspräsident der SP. Danach habe man während zweier Jahre nicht mehr viel von den Sozialdemokraten in der Emmestadt gehört. 1916 wurde ein neuer Vorstand gewählt.

«Danach wurde die SP reaktiviert, sodass im Januar 1917 eine nächste Hauptversammlung stattfand», fügt das Stadtratsmitglied Urs Geiser an. «Viele Akten sind verschollen», erklärt er. So könne man nicht genau sagen, in welchem Jahr die Burgdorfer SP ihren eigentlichen Ursprung habe. Seit dem Jahr 1917 sei die Sektion allerdings fester Bestandteil der Kantonalpartei. So feiern die Burgdorfer Sozialdemokraten am Samstag ihr 100-, 101- oder sogar 103-jähriges Bestehen.

Turbulente Zeiten

Auch die sozialdemokratischen Frauen haben sich 1917 erstmals zusammengeschlossen, um über gemeinsame Ideen zu diskutieren. Sie führten jährliche Frauentage durch, widmeten sich Menschen in Not und warben für die Zeitschrift «Die Frau in Leben und Arbeit». Die «Sozialdemokratische Frauengruppe Burgdorf» engagierte sich bis 1987 in der Emmestadt. Dann wurde sie in die lokale SP-Sektion integriert.

Kaum hatten sich die Sozialdemokratinnen mit den Sozialdemokraten zusammengeschlossen, teilte sich die SP Burgdorf in zwei Sektionen auf. «Es herrschten Meinungsverschiedenheiten», erklärt Urs Geiser. Die eine Sektion habe eher eine traditionelle, gewerkschaftliche Politik gemacht, während die andere progressiver gewesen sei und nicht zuletzt auch ökologische Anliegen vertreten habe.

«Trotz aller Uneinigkeit blieb der Wille zur Zusammenarbeit bestehen», schreibt die Stadträtin Andrea Lüthi in der Jubiläumsschrift. Da das Führen von zwei Sektionen und einer Gesamtpartei kräfteraubend gewesen sei, sei es 1995 zur Wiedervereinigung gekommen. «Wir sind eine offene Organisation, in der verschiedene Meinungen Platz haben», sagt Peter von Arb. So gebe es auch heute noch intensive Diskussionen bei den Sitzungen im Burgdorfer Stammlokal Zur Gedult.

Nachwuchs ist gefragt

Auch junge politisch Interessierte besuchen die Mitgliederversammlungen der SP. «Ich schätze es sehr, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten», sagt Peter von Arb. «Da sie sich speziell den Interessen ihrer Generation widmen, können wir viel von ihnen lernen», fügt er an. Doch es sei immer schwieriger, Nachwuchs zu rekrutieren, der auch dazu bereit sei, sich aktiv einzusetzen.

«In der SP haben verschiedene  Meinungen Platz.»Peter von Arb, SP-Stadtrat

Die Mitgliederzahlen wären allerdings konstant, und bei den letzten Stadtratswahlen habe man sogar einen «Rutsch» in Richtung Mitte-links festgestellt. Die SP kann auch auf andere Errungenschaften zurückblicken: «Wir haben uns für die Kultur, die Bildung und eine gute Lebensqualität in Burgdorf eingesetzt und massgeblich dazu beigetragen», sagt Urs Geiser. Zwei Beispiele dafür seien der Umbau der alten Sägegasseturnhalle in eine Kulturhalle und der Einsatz für ein atomstromfreies Burgdorf. Doch auch wenn die Vergangenheit wichtig sei, konzentriere sich die SP Burgdorf mehr auf die Zukunft, sagen Urs Geiser und Peter von Arb.

Das Ziel vor Augen

Burgdorf soll eine Bildungsstadt bleiben: So hatte sich die SP in den letzten Jahren für Burgdorf als Fachhochschulstandort eingesetzt. In Zusammenarbeit mit anderen Parteien hat sie erreicht, dass die Technische Fachschule, besser bekannt als «Lädere», von Bern ins Emmental zieht und zusätzlich ein neues Teclab aufgebaut wird. Auch die Jüngsten sollen profitieren. Ziel ist es, dass mithilfe der Frühförderung alle Kinder, unter anderem auch solche mit Migrationshintergrund, mit denselben Chancen in den Schulalltag starten können.

An der heutigen Jubiläumsfeier will die SP aber speziell auf ihre Initiative «bezahlbares Wohnen in Burgdorf» aufmerksam machen. Die Burgdorfer Sozialdemokraten fordern die Stadt dazu auf, sich für die Erstellung und Erhaltung preisgünstiger und qualitativ hochwertiger Mietwohnungen einzusetzen.


100 Jahre SP Burgdorf: Samstag von 10 bis 18 Uhr, Brüder-Schnell-Terrasse, Burgdorf.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 16.09.2017, 12:44 Uhr

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