Langnau

Von Taschenrechnern und den Bilateralen

LangnauZwei Emmentaler Unternehmer lupfte es fast aus dem Sessel, als sie Angriffe auf die Personenfreizügigkeit verteidigen mussten.

«Unsere Industrie kämpft»: Nationalrat Hans Grunder verteidigte in Langnau die Personenfreizügigkeit.

«Unsere Industrie kämpft»: Nationalrat Hans Grunder verteidigte in Langnau die Personenfreizügigkeit. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich hätten Hans Grunder und Toni Lenz völlig gelassen bleiben können. Der BDP-Nationalrat und der Präsident der Berner KMU mussten keineswegs gegen eine Übermacht argumentieren. Auch den Oberländer GLP-Präsidenten Jürg Grossen hatten sie auf ihrer Seite, als sie an einem Podiumsgespräch in den Räumen der Langnauer Swiss Fine Line AG über die bilateralen Verträge diskutierten. Trotzdem wirkte jener Mann am gelassensten, der als Einziger die Position der SVP vertrat.

«Du würdest fluchen»

Manfred Bühler, der Nationalrat aus dem Berner Jura, sagte Sätze wie: «Die totale Personenfrei­zügigkeit bringt uns langfristig mehr Schaden als Nutzen.» Die Wirtschaft sei ja früher, «als wir das noch selber regelten», auch gewachsen. Nebenbei räumte er ein, die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte könnte mit «etwas mehr Bürokratie» verbunden sein.

Auf diese Aussage hin lud Hans Grunder den Anwalt ein, für ein oder zwei Monate in einem Betrieb wie seinem zu arbeiten und Fachkräfte zu rekrutieren. «Du würdest fluchen», sagte Grunder mit Blick auf die administrativen Hürden, die ohne Personenfreizügigkeit genommen werden müssten. Sein Ingenieurunternehmen habe vor einigen Jahren zwölf deutsche Fachleute engagieren müssen, damit es den Auftrag an der Gotthardröhre ­habe ausführen können. «Im Moment arbeiten wir an der U-Bahn in München», verriet der Firmengründer aus Rüegsauschachen und sagte: «Wir bilden zwar dauernd Lehrlinge aus, aber ohne Personenfreizügigkeit ginge es einfach nicht.»

«Wir bilden zwar dauernd Lehrlinge aus, aber ohne Personenfreizügigkeit ginge es einfach nicht.»Hans Grunder
Unternehmer

Kein Land habe die Finanz­krise besser gemeistert als die Schweiz. «Es gibt absolut keinen Handlungsbedarf», fasste Grunder zusammen. Auch der Langnauer Toni Lenz sah im heutigen System nur Vorteile für die Schweiz. Als Bühler auf Verträge aus dem Jahr 1972 verwies, mit denen die Wirtschaft auch funktioniert habe, forderte das Lenz’ trockenen Humor heraus: 1972 habe er sich über einen Taschenrechner gefreut, der auf zwei ­Stellen nach dem Komma genau rechnen konnte. Doch seither habe sich einiges getan.

Bequeme Unternehmer?

Bühler mochte die Angst seiner Gesprächspartner nicht teilen. Diese warnten vor einer Abwanderung grosser Unternehmen in den EU-Raum. Wenn eines ins Ausland wechsle, bediene es sich der Ausrede der mangelnden Fachkräfte bloss aus Bequemlichkeit, sagte er. Das Wort Bequemlichkeit im Zusammenhang mit Schweizer Unternehmern stach Hans Grunder gewaltig in die Nase: «Unsere Industrie kämpft», betonte er. Unternehmern vorzuwerfen, sie seien bequem geworden, fand Grunder unerhört. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2018, 21:36 Uhr

Artikel zum Thema

«Fremde Richter» könnten nur über fünf bilaterale Verträge walten

Der Bundesrat nennt im Aussenhandelsbericht erstmals die Abkommen, die von einem Rahmenvertrag tangiert wären. Mehr...

EU-Streit: Cassis plant Bilaterale III

SonntagsZeitung Neue bilaterale Verträge mit der EU sollen den Streit um «fremde Richter» beilegen Mehr...

«Die SVP reizt das System aus»

INTERVIEW Die Selbstbestimmungsinitiative sei antidemokratisch, weil sie den Minderheitenschutz infrage stelle, sagt Philosophin Katja Gentinetta. Mehr...

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Spiel mit den Schwächsten

Foodblog Spanien kann alles

Die Welt in Bildern

Spiel zwischen Mauern: Palästinensische Buben spielen in einem verlassenen Gebäude in Gaza Stadt. (21.Juni 2018)
(Bild: Mohammed Salem) Mehr...