Von Leinen und Lokomotiven

Burgdorf

Gleich zwei Führungen werden am nächsten Samstag an den europäischen Tagen des Denkmals durchgeführt: einmal übers Gelände der Schwob AG und einmal durch das Depot der BLS-Stiftung.

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Das Areal der Leinenweberei Schwob AG beim Bahnhof Burgdorf wirkt auch für den ungeübten Blick historisch wertvoll: Lange Backsteingebäude, eine prächtige Villa und ein Turm mit seltsamer Holzvorrichtung unter dem Dach fallen ins Auge.

«Das ist der alte Tröckneturm mit den Vorrichtungen für das Aufhängen der Stoffbahnen», erklärt Isabelle Meili, Mitarbeiterin der Denkmalpflege des Kantons Bern. Sie ist verantwortlich für die Region Burgdorf und wird die Teilnehmer am Samstag übers Areal der Schwob AG führen.

Anschliessend wird das Depot der BLS-Stiftung besichtigt – alles im Rahmen der europäischen Tage des Denkmals.

Mit dem richtigen Riecher

Als letzte erhaltene, noch produzierende Leinenweberei in der Schweiz kann die Schwob AG auf eine aufregende Vergangenheit zurückblicken. Massgeblich beeinflusst wurde sie durch das Wirken der Familie Schmid.

Die drei Brüder verfügten über den richtigen Riecher für die Textilindustrie: Sie sicherten sich das an den Schienenverkehr angebundene Land, verbanden Produktion und Handel und vergrösserten ihren Betrieb stetig.

Die unterschiedliche Bauart der Gebäude ist besonders bemerkenswert: Namhafte Architekten wurden von den Gebrüdern Schmid engagiert – wie etwa der Burgdorfer Robert Roller im Jahr 1861 für die Errichtung des Fabrikgebäudes mit angrenzendem Tröckneturm.

Der «Blaue Pfeil» auf Reisen

Das BLS-Depot für den historischen Wagenpark befindet sich gleich hinter der Schwob AG. Hier können die Besucher einen Blick auf die umfangreiche Sammlung von alten Lokomotiven werfen. Von fast jeder Lokgeneration ist mindestens ein Exemplar vorhanden. Ein Abstellgleis wird am Samstag jedoch leer sein: Der legendäre «Blaue Pfeil» begibt sich wieder auf Reisen, dieses Mal von Burgdorf nach Luzern und wieder zurück.

Der Alleskönner unter den Lokomotiven war von 1939 bis 1999 als Regionalzug zwischen Bern und Neuenburg im Einsatz. Speziell ist unter anderem die etwa einen Quadratmeter grosse Gefängniszelle, in der die Insassen bis nach Gampelen und von dort weiter in die Strafanstalt Witzwil geführt wurden.

Die Zelle wurde während der Restaurierung erhalten und kann am Samstag begutachtet werden. Kilian Elsasser, Verantwortlicher für Erhaltung, Restaurierung und Wiederinstandnahme, freut sich über jeden Passagier: «Es sind noch Plätze frei – besonders für die Rückfahrt nach Burgdorf.»

Denkmalpflege miterleben

«Austausch – Einfluss» lautet das diesjährige Thema der Tage des Denkmals. Nicht nur der Austausch von Wissen und Waren ist dabei am kommenden Samstag interessant, sondern auch der Austausch zwischen den Betrieben und der Denkmalpflege des Kantons. Die Rundgänge bieten nämlich nicht nur einen historischen Hintergrund, sondern auch einen Einblick in die Arbeit der Denkmalpfleger.

Seit Inkrafttreten des Bauinventars Burgdorf sorgt sich die Denkmalpflege um das Areal der Schwob AG. Unter anderem wurden die erwähnten Holzvorrichtungen am Tröckneturm gerettet. Der Erhalt der Eisenbahnen fällt ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Denkmalpflege.

Weil es für mobile technische Kulturgüter weniger kantonale Gesetze gibt, ist umso mehr Engagement vonseiten der BLS-Stiftung gefragt. Engagement ist auch in Zusammenhang mit der Bevölkerung ein wichtiges Stichwort: Ziel der Denkmaltage ist es auch, das öffentliche Interesse an der Erhaltung der Schweizer Kulturgüter zu wecken.

Berner Zeitung

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