Burgdorf

Vom Schleierhut bis zum Kronleuchter

BurgdorfDie Brocante aus dem Burgdorfer Casino-Fundus lockte am Samstag viele Theaterfans und Liebhaber alter Dinge zum Stöbern, Märten und Heimtragen an.

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Hüte und Schuhe, Bilder und Spiegel, Ständer voller Kleider, ein fast brauchbarer Brunnentrog und ein etwas ramponierter Kronleuchter. Dazwischen plüschige Stühle, angekratzte Tische sowie antiquierte Scheinwerfer und nicht mehr taufrische Mikrofone. Utensilien aus vergangenen Bühnenzeiten lassen nostalgische Gefühle aufkommen. Und so manche der zahlreichen Besucher lassen einiges an Geld liegen.

Dieses kann auch gebraucht werden. Schliesslich geht es darum, mit der Brocante und dem anschliessenden Umbaufest den Schlussstrich unter die lange Planung des Casino-Umbaus zu ziehen und dem neuen Theater einen prachtvollen Bühnenvorhang zu finanzieren. Die Bro­cante am vergangenen Samstag lockte jedenfalls viele Besucher zum Stöbern an.

Objekte mit Geschichte

Annemarie Blaser verliebt sich augenblicklich in den hellen Strohhut mit zartem Schleier und grosser Schleife. «Ich mag Dinge mit Geschichte», sagt sie. Und Christoph Albrecht hat soeben einen grazilen seidenen Damenschirm mit Griff aus Holz und Elfenbein für 50 Franken erstanden. «Nur Barzahlung» steht auf kleinen Plakaten. So begeben sich Raphael Wild und Matthias Egger mit Banknoten in den Händen auf Einkaufstour.

Schauspieler Uwe Schönbeck mischt sich unters Volk und preist einige Artikel mit Wortwitz und Charme an. Viele Liebhaberobjekte finden Abnehmer; goldene Sandalen falscher Schuhgrösse gleichermassen wie nicht mehr funktionsfähige vor-digitale Licht- oder Stimmverstärker.

«Die Scheinwerfer können mit LED-Lampen umgerüstet werden», sagt Peter Schläfli, Geschäftsführer des Casino-Theaters. Ein Renner sind Korbstühle und Stühle überhaupt, die sofort neue Besitzer finden. Zufrieden tragen Silvio Fischer und Melanie Steuri zwei absolut kitschige Heiligenbilder fort. Für 10 Franken haben sie die holzgerahmten Gemälde erworben.

Den hand­gefertigten, grossen Drachen ­Untrubadimo mit leicht ramponierter Schnauze aus einer Pfadivorstellung hat die Stadt als Vertreter der Sage von Sintram und Bertram gekauft. Und Maja Weber ist beglückt, dass sie ihren alten Regiesessel nach jahrelangen Einsätzen mit den Bertholdianern nun daheim geniessen kann.

Gerhard Wacker stellt im Kirchbühl eine kleine und sehr massive Maschine mit vielen Zahnrädern vor – eine Leitspindel-Drehbank, die zu einem guten Preis ebenfalls verkauft werden soll. Sie war als Lern- und Demoobjekt für die Gewerbeschüler vor rund 120 Jahren angefertigt worden. Denn diese wurden bis in die 60er-Jahre im Casino-Gebäude unterrichtet. Auch das ist ein Teil der langen Geschichte.

Kaum mehr Kulissen nötig

Der Businessplan von Peter Schläfli lautet: Alles wird ver-kauft, und das letzte Stück gibt es gratis auf den Heimweg. Er hofft auf rund 10'000 Franken Ein-nahmen von Brocante und Ab-schlussfest. Alle Künstler treten gratis auf, und das Risotto wird vom Stadthaus gesponsert. Die vergangenen vierzehn Tage wurde der Materialfundus im Casino geräumt.

Bei einigen Objekten musste die Denkmalpflege erst abklären, ob sie schützenswert sind. Erst danach wurden sie zum Verkauf freigegeben. Die Architektin, die für den Umbau zuständig ist, will zudem ein paar Trouvaillen ins neue Haus integrieren. Für Kulissen und Bestuhlung, die teils in den Marktlauben aufgestellt sind, haben sich ein paar umliegende Kleintheater interessiert.

Und Kulissen kamen bereits in den letzten Jahren nicht mehr häufig zum Einsatz. «Heute bringen Tourneetheater ihre eigenen Bühnenbilder, Einrichtungen, Requisiten und Garderoben mit; unser Fundus wird seit Jahren nur sehr selten genutzt», informiert Peter Schläfli. Noch rechnen er und sein Team mit rund zwei Monaten, bis das ganze ­Casino-Theater leer geräumt und bereit für den Umbau ist. Und ­danach gilt für all die vielen Theaterfans eine Wartezeit bis voraussichtlich Neujahr 2019, wenn es heisst: Vorhang auf im neuen Casino-Theater.

Neuer Vorhang finanziert

Ein Beitrag zur Neueröffnung wurde nun schon geleistet. «Der neue Vorhang inklusive Befestigung und Automation ist mit Brocante und Umbaufest bereits finanziert», sagt Peter Schläfli auf Anfrage. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.06.2017, 20:18 Uhr

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