«Vive l’OGA – et bonne visite»

Langnau

An der Eröffnungsfeier der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung (OGA) in Langnau zeigte sich, dass die Welschen gar nicht so anders ticken als die Emmentaler.

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Wir sind weltoffen», verkündet Ueli C. Gerber, als er am Samstag die Schar geladener Gäste zur Eröffnungsfeier der 14. Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung begrüsst. Der Präsident der OGA-Geschäftsleitung schmückt sich damit zwar mit fremden Federn. Denn es sind Mitgereiste der Gastregion um Montreux und der Montreux-Oberland-Bahn (MOB), die mit Dudelsack-, Alphorn- und Fanfarenklängen einen Hauch kultureller Vielfalt auf den OGA-Dorfplatz brachten.

Doch dann beweist Gerber ­selber auch Weltgewandtheit, indem er in seiner Ansprache fliessend zwischen Deutsch und Französisch wechselt. Er erklärt den Amis romands, was das bedeutet, wenn sie in den nächsten Tagen immer wieder hören: «Ah, du bisch ou da. Was machsch de du da?» Keiner erwarte eine konkrete Antwort darauf, weil im oberen Emmental klar sei, dass man sich im Ilfisstadion treffe, wenn die alle drei Jahre stattfindende OGA rufe.

Als «wirklisch sehr glücklisch, hier zu sein», preist sich Pierre Rochat. Er ist Verwaltungsratspräsident der MOB und Gemeinderat von Montreux. Die Region und die Bahn präsentieren sich an der diesjährigen OGA als Gastregion in der Kupferschmiede. Mit der cordialité traditionelle des vaudois wollen sie das tun, versichert Rochat und heisst die Emmentaler bienvenue. Als er mit «vive l’OGA – et bonne visite» endet, erntet er Applaus – und einen prall gefüllten Korb voller Ämmitaler Ruschtig.

Das Austauschen von Geschenken geht gleich weiter. Zuerst macht MOB-Direktor Georges Oberson noch etwas Werbung für das, was seine Leute in Langnau diese Woche bekannt machen wollen: das Jazzfestival von Montreux, den Weihnachtsmarkt und natürlich den Wein. Dann greift er unter dem Rednerpult nach einem «Geschenk mit Symbolcharakter, das uns daran erinnern soll, dass Montreux und Langnau in der Musik vereint sind», und stemmt eine schwere Glocke in die Höhe.

Ueli C. Gerber findet das lustig. Bald lachen auch die Gäste. Denn als der OGA-Präsident hinter den Vorhang greift, um die welschen Gäste seinerseits mit einem Geschenk zu beglücken, kommt eine nicht minder üppige Glocke zum Vorschein. «Ob Sie es glauben oder nicht: Das war nicht abgesprochen», versichert er.

Jetzt wird es ernst. Jetzt spricht Regierungspräsident Bernhard Pulver. Und er lässt es nicht dabei bewenden, die Oberemmentaler für ihre Power und ihre Offenheit zu loben. Er spricht den regionalen Verantwortungsträgern auch in sanftem Ton ins Gewissen. Damit der Kanton Bern seine im schweizerischen Vergleich unterdurchschnitt­liche Wirtschaftskraft steigern könne, «müssen wir gemeinsam – ohne politisches Hickhack – darüber nachdenken, wo denn die vielversprechendsten Entwicklungspotenziale liegen».

Etwa als Medizinalstandort habe der Kanton eine Stärke, in der besonders viel Wertschöpfung und Entwicklung möglich sei. «Davon profitiert die gesamte Wirtschaftsleistung des Kantons», sagt Pulver und kommt auch auf die im Emmental mit Argwohn registrierte Zusammenführung des Inselspitals mit dem Spitalnetz Bern zu sprechen: «Da geht es nicht um Zentralisierung in Bern und um die Schwächung der Regionen, wie manchmal befürchtet wird.»

«Jede Messe ist immer auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie wir unsere Wirtschaftsleistung verbessern können.»Regierungspräsident Bernhard Pulver

«Jede Messe ist immer auch eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie wir unsere Wirtschaftsleistung verbessern können», sagt Pulver noch. Doch vorerst besteht seine Aufgabe in Langnau nicht im Nachdenken, sondern im offiziellen Eröffnen der OGA 2017 – respektive im «Erfahren» derselben. Der Regierungsrat muss kein Band durchschneiden, sondern mit anderen Honoratioren in der Kleineisenbahn der MOB ein paar Runden drehen.

Damit ist die Ausstellung eröffnet. Der Berner Regierungspräsident gehört zu den ersten zig-tausend Besuchern, die in den nächsten Tagen an den Ständen vorbeiziehen werden. Bernhard Pulver erlebt die OGA als «heimelig».

Während sich die Offiziellen in der Kupferschmiede beim Apéro versammeln, ist es an den Ständen noch ruhig. Nur bei den Tieren in der Sonderschau der Landwirtschaft bilden sich schon bald erste Menschenansammlungen. Kleine Hände wollen über junge Rücken streicheln.

Den Gais Compagnons du Guillon, die im Salonwagen der MOB bei einem Glas Wein ein welsches Lied anstimmen, fehlen die Zuhörer noch. Mit den Worten, «so, jetz hei mer hurti chly Business gmacht», setzt sich ein Gewerbler noch einmal zu seiner an Knoblauchbrot knabbernden Familie. Er geniesst die Ruhe vor dem Sturm.

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