Der Leserbriefschreiber

Kirchberg

Mark Gasche aus Kirchberg ist so etwas wie der «Leserbriefschreiber der Nation». Er äussert sich regelmässig zu allen möglichen Themen - kurz, spitzzüngig und provozierend. Wer ist dieser Mann?

Haut oft in die Tasten: Mark Gasche ist der wohl eifrigste Leserbriefschreiber in unserer Region.

Haut oft in die Tasten: Mark Gasche ist der wohl eifrigste Leserbriefschreiber in unserer Region.

(Bild: Christian Pfander)

«Mark Gasche liegt falsch, wenn er von Chaos und verweigerter Zusammenarbeit fabuliert.» So reagierte Regierungsrat Christoph Neuhaus postwendend auf einen Leserbrief des Angesprochenen, in dem dieser sich über die «selbstherrliche Kesb» echauffierte.

«Mark Gasche ist ein sehr fleissiger Leserbriefschreiber. Seine Kommentare stören mich nicht weiter. Aber was er jetzt von sich gegeben hat, veranlasst mich, ­selber meinen ersten Leserbrief zu schreiben.» Absenderin: Anne Marie Gundi aus Höchstetten. Grund ihres Ärgers: Gasche verglich in seinem Beitrag zum Thema Vaterschaftsurlaub Kleinstkinder mit «lebendigen Puppen». Zu viel auch für zahlreiche weitere Leserinnen und Leser.

Mark Gasche, der Provokateur. 63-jährig, aufgewachsen in Grenchen, verheiratet, Vater dreier erwachsener Kinder, Besitzer einer AG für Lebensmittelhandel an seinem Wohnort in Kirchberg, zuvor mehrere Jahre als Gastronom in Südafrika tätig.

«Provokateur? Nein, das fasst sicher zu kurz», meint er bestimmt. «Ich möchte andere Leute in erster Linie zum Denken ­anregen. Und dazu, sich selber ­öffentlich zu einem bestimmten Thema zu äussern.»

Bloss kein Durcheinander: Mark Gasche bewahrt seine vielen Leserbriefe in diversen Ordnern auf. Foto: Christian Pfander

«Realistischer Eidgenosse»

Es befremde ihn, wie viele Menschen in der Schweiz «einfach immer die Faust im Sack machen». Höchstens mal an einem Stammtisch ihre Meinung hinausposaunten. «Wir haben hier eine Demokratie, in die man sich mit seiner Meinung einbringen und vielleicht sogar etwas bewirken kann.» Und genau das tue er. «Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist.»

Vor rund zehn Jahren begann Mark Gasche mit dem Verfassen von Leserbriefen. Verschickte sie an diese und andere Zeitungen. Freute sich darüber, wenn sie gedruckt wurden.

Und es wurden mehr und mehr. Gasche entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Vielschreiber, der sich zu beinahe jedem poli­tischen oder gesellschaftlichen Thema äusserte. Zuweilen mit stramm rechten Positionen, handkehrum wie ein gestandener Sozi.

Aber wo liegt denn eigentlich seine persönliche politische Heimat? «Nun, ich bezeichne mich als einen liberalen, realistischen Eidgenossen», sinniert er. Er habe in seinem Leben erfahren, dass «kaum etwas auf dieser Welt zu hundert Prozent richtig oder falsch ist, schwarz oder weiss, gut oder böse». Vieles bewege sich in einem «Graubereich» und sei «verhandelbar». Es gelte in erster Linie doch immer, «vernünftige Lösungen» anzustreben.

Mark Gasche hat in den vergangenen zehn Jahren mehrere Hundert Briefe geschrieben. Und obwohl nur ein Bruchteil davon publiziert wurde, fanden und finden Gasches Meinungsäusserungen regelmässig den Weg in die Leserbriefspalten.

Kein Sonderstatus

Das sorgt ab und an für böses Blut. «Warum wird der immer wieder berücksichtigt?», heisst es dann etwa in einer Mail an die ­Redaktion. Oder am Telefon: «Hat der Gasche bei euch einen Sonderstatus?»

Hat er natürlich nicht. Und auch auf der Redaktion ist nicht jedes Mal Begeisterung angesagt, wenn schon wieder ein Schreiben vom umtriebigen Mann aus Kirchberg eintrifft.

Doch Mark Gasche hat den Dreh raus, wie man sich schriftlich Gehör verschaffen kann. Seine Briefe sind in der Regel kurz und prägnant formuliert, bringen das Thema und seine Meinung in wenigen Sätzen auf den Punkt. Er verzichtet auf geschraubte Sätze und unverständliche Formulierungen. Und: Er zielt nie beleidigend auf einzelne Personen.

«Ich weiss, dass ich manchmal vielleicht nerve», ist sich Mark Gasche bewusst. «Aber ich lasse mir das Wort nie verbieten!»

Eine klare Ansage auch an seine Zukunft als eifriger und engagierter Leserbriefschreiber. Punkt.

Berner Zeitung

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