Viele Papiere begleiten die Tiere an die OGA

Langnau

Wenn Hans Erhard die Tierausstellung organisiert, muss er nicht nur Bauern finden, die ihre Vierbeiner zur Schau stellen wollen. Er muss vor allem auch einen grossen administrativen Aufwand betreiben.

Zur Frage, welche Aufgabe die Tiere während der OGA zu erfüllen haben, schrieb Hans Erhard ins entsprechende Formular: «Keine.»

Zur Frage, welche Aufgabe die Tiere während der OGA zu erfüllen haben, schrieb Hans Erhard ins entsprechende Formular: «Keine.»

(Bild: Thomas Peter)

Vor drei Jahren war es noch mit einem A4-Blatt getan. Dort konnte Hans Erhard notieren, welche Tiere an der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung (OGA) aufgeführt werden sollen. Daraufhin erhielt das für die Tierausstellung verantwortliche Geschäftsleitungsmitglied vom Veterinärdienst des Kantons Bern die Bewilligung.

Doch für die nächste OGA, die in einem Monat in Langnau eröffnet wird, genügte das nicht mehr. Erhard musste zusätzlich ein mehrseitiges «Bewilligungsgesuch für Werbung mit Tieren» ausfüllen. Der Veterinärdienst will darin nicht nur wissen, wie viele Tiere gezeigt werden und woher sie kommen.

Er will auch wissen, wie sie an der Ausstellung gehalten werden, welche Ausbildung die verantwortliche Person durchlaufen hat und welche Aufgabe die Tiere während der Werbeveranstaltung zu er­füllen haben. «Keine», hat der Rüderswiler Landwirt in der entsprechenden Spalte notiert.

Aufgabe der zwölf Milchkühe ist es, an der OGA das zu tun, was sie sonst auf dem Bauernhof tun: Fressen, schlafen und Milch geben. Ausgestellt werden zudem ein Stier, acht Mutterkühe mit je einem Kalb, zwölf Schafe, zwölf Ziegen sowie zwei Stuten mit Fohlen. Und ein Lehrbienenstand wird eingerichtet.

4,5 Quadratmeter pro Kuh

Die Bienen brauchen – obwohl in grosser Zahl vertreten – wenig Platz. Für alle andern Tiere musste Erhard anhand der Tierschutzgesetzgebung genau berechnen, welche Gattung wie viele Qua­dratmeter beansprucht.

Weil er im Nebenerwerb als Berater am Inforama Emmental arbeitet, wusste er, wo in seinem dicken Ordner nachzuschlagen ist, um zu erfahren, wie viel Platz zum Beispiel eine Kuh mit einer Wiederristhöhe von 130 bis 140 Zentimetern zugut hat: 4,5 Quadratmeter. Pro Kuh mit Kalb hat die OGA-Geschäftsleitung nun 6 Quadratmeter ausgeschieden. Er habe etwas Reserve eingebaut, sagt Erhard.

Aber er kann die Tiere im OGA-Stall nicht so platzieren, wie sich das die Bauern vorgestellt hatten. «Wir hätten die Schafe und Ziegen nebeneinander halten wollen», sagt er. «Doch die beiden Gattungen dürfen sich nicht berühren.» Das Tierseuchengesetz zwingt die Aussteller nun, Ziegen und Schafe entweder durch eine Art Spuckschutz zu trennen oder weiter entfernt voneinander unterzubringen, damit sie sicher keine Erreger übertragen, die zu Aborten führen können.

Abmelden, anmelden...

Hans Erhard liegt die Bewilligung des Kantons für die OGA 2017 vor. Doch der Bürokram ist noch nicht erledigt. Sobald die Tiere ihre Höfe verlassen und in die Markthalle geführt werden, geht er erst richtig los: Für jede Kuh, jedes Kalb und jedes Schaf muss der Landwirt zu Hause ein Begleitdokument in dreifacher Ausführung ausfüllen. Und jedes einzelne Tier muss er in der Tier­verkehrsdatenbank des Bundes abmelden.

Dies, damit Hans Erhard sie unter neuer Nummer als Besitz der OGA wieder anmelden kann. Elf Tage später muss das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder durchgespielt, der Halterwechsel erneut gemeldet werden. «In der Tierverkehrsdatenbank muss jederzeit rückverfolgt werden können, wo die Tiere sind. Da darf kein einziger Tag fehlen», erklärt Erhard.

Kein Auslauf

Der Landwirt wird alles daransetzen, dass die Vorschriften eingehalten werden. Er will nicht riskieren, dass der Tierarzt, der die Oberaufsicht hat über das Geschehen im Stall, oder allfällig auftauchende Kontrolleure des Veterinärdienstes und des Tierschutzes einen Grund zu Be­anstandungen finden könnten.

1992 wurde OGA-Röbu zum Publikumsliebling. Denn der Stier frass den Besucherinnen und Besuchern aus der Hand – jedenfalls solange sie ihm Toblerone entgegenstreckten. Bild: Guido Pelli

Ausser den Milchkühen werden alle Tiere in Laufställen gehalten. Erhard ist froh, dass die Ausstellung keine vierzehn Tage dauert. «Sonst müssten wir die Kühe zwischendurch einmal um die Ilfishalle herumtreiben», sagt er. Denn mindestens alle vierzehn Tage braucht eine Kuh Auslauf.

Ein bis zwei Landwirte werden Tag und Nacht im Stall zirkulieren und sich um das Wohl der Tiere kümmern. Müssten sie heutzutage einschreiten, wenn jemand versuchen sollte, dem Stier Schokolade zu verfüttern, so wie es vor 25 Jahren beim als OGA-Röbu bekannt gewordenen Muni noch und noch gemacht wurde? «Nein. Warum auch?», sagt Hans Erhard. «Wenn der Stier gern Schokolade hat, spricht nichts dagegen.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt