Sumiswald

Vertrauen in den Nonnenstolz wieder aufgebaut

SumiswaldDurch den schlecht gewordenen Käse ist die Dorfkäserei AG in eine ­finanzielle Bredouille geraten. Geschäftsleiter Niklaus Käser bleibt zwar angespannt, schaut aber optimistisch in die Zukunft.

Vor gut einem Jahr war die Eröffnungsfeier des Neubaus: Der Liquiditätsengpass war der Grund, weshalb am Tag der offenen Tür Zettel auflagen, die die Besucher zum Kauf von Aktien motivieren sollten.

Vor gut einem Jahr war die Eröffnungsfeier des Neubaus: Der Liquiditätsengpass war der Grund, weshalb am Tag der offenen Tür Zettel auflagen, die die Besucher zum Kauf von Aktien motivieren sollten. Bild: Thomas Peter

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Die beiden Parteien sagen das Gleiche und noch dazu im gleichen Wortlaut: «Der Richter hat entschieden. Der Betrag ist bezahlt. Die Sache ist erledigt.»

Gemeint sind Niklaus Käser und Hans Haslebacher von der Sumiswalder Dorfkäserei AG auf der einen Seite sowie Michael Spycher, Käser in Fritzenhaus hinter Wasen, auf der anderen. Es geht um den Vorfall im Jahr 2014. Damals liess Niklaus Käser aus Platzgründen seinen berühmten Nonnenstolz-Käse im Lager seines Berufskollegen Michael Spycher ausreifen. Ein halbes Jahr später dann die schlechte Nachricht: Mehr als die Hälfte der rund 3000 Laibe waren schlecht geworden.

Die Bemühungen der Berufskollegen, sich untereinander zu einigen, fruchteten nicht. Sie trafen sich vor dem Richter. Anschliessend musste Michael Spycher etwa 130'000 Franken Schadenersatz berappen. Die Sache war somit eigentlich erledigt. Zumindest Spycher findet auf Anfrage, dass genug darüber geschrieben worden sei.

Das Aktienkapital

Für die Dorfkäserei Sumiswald jedoch hatte der Vorfall weitreichende Konsequenzen, die noch heute spürbar sind. Denn knapp ein Jahr später hatte Niklaus Käser mit einem Neubau für 2,5 Millionen Franken begonnen – eine notwendige Erweiterung des Betriebs, um rentabel zu bleiben und mit derselben Anzahl Mitarbeitenden die doppelte Menge an Käse zu produzieren.

Die Dorfkäserei AG geriet in einen Liquiditätsengpass. Das war auch der Grund, weshalb am Tag der offenen Tür im April vergangenen Jahres Zettel auflagen, die die Besucher zum Kauf von Aktien motivieren sollten. Die AG brauchte 100'000 bis 200'000 Franken zusätzliches Aktien­kapital. Erreicht hat sie das nicht. Aber immerhin kamen bis heute zusätzliche 54'000 Franken zusammen.

«Der Schaden hat uns gewaltig zurückgeworfen», sagt Verwaltungsratspräsident Hans Haslebacher heute. Er spricht von einem Jahr wenn nicht zwei Jahren, bis die Umsatzeinbussen von etwa einer halben Million Franken gegenüber dem Finanzplan aufgeholt seien. Die Lage ist angespannt. Niklaus Käser sagt es so: «Ich bin jetzt immer ein bisschen auf ­Nadeln. Wenn der Umsatz im Laden nicht stimmt, werde ich unruhig.»

«Ich bin jetzt immer ein bisschen auf Nadeln.»Niklaus Käser, Dorfkäserei Sumiswald

35 Handwerker und Bauarbeiter waren am Neubau beteiligt. Laut Hans Haslebacher konnten davon bis zum heutigen Tag 23 restlos ausbezahlt werden. Mit 12 Handwerkern wurde ein Darlehensvertrag ausgehandelt. Diese Rechnungen werden nun inklusive Zins in den nächsten zwei Jahren abbezahlt.

Der Vertrauensverlust

Schwer wiegt aber nicht nur der materielle, monetäre Schaden. Der Vorfall hat auch zu einem Vertrauensverlust bei den Kunden geführt. Schliesslich ist Niklaus Käser mit seinem Nonnenstolz etwa auch bei der Migros in den Regalen vertreten. Er ist verantwortlich, wenn die Qualität nicht stimmt. Egal, wer vor dem Richter recht bekommen hat. Inzwischen lässt Käser seine Preziosen im Lager der Käserei Hohgant in Schangnau reifen. Dort liegen derzeit wieder 5000 Laibe. «Ein Prachtbild gibt das ab», sagt Haslebacher. Es habe ein bisschen gedauert, jetzt sei das Vertrauen wieder da, sagt Käser.

Beim anderen Grossverteiler

Abgesehen davon, dass die finanzielle Lage und mit ihr auch Niklaus Käser noch ein, zwei Jahre angespannt bleiben wird, läuft alles andere nach Plan. Käser ist mit seinen Neubau, den Anlagen und der Qualität zufrieden. Anfang Jahr konnte er sich für die Biokäseproduktion zertifizieren lassen, und bereits im März lag ein erstes Mal sein «Sumiswald Bio-Schlosskäse» während einer Aktionswoche im anderen Grossverteiler auf – alles ganz nach Plan. Und auch die Website steht inzwischen. Neu kann der altehrwürdige Nonnenstolz via Onlineshop bestellt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.05.2018, 16:53 Uhr

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