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Unser Emmental streitet ums Geld

Für zwei Lieder über das Emmental wurde Unterstützung der Regionalkonferenz beantragt. Sie heissen fast gleich und spielen beide in der Region. Den Zuschlag bekam aber nur eins – das gefällt den Machern des anderen nicht.

Cartoon Max Spring

Peter Erhard ist aufgebracht. Er ist der Initiator des Liedes «Mein Emmental», in dem durchaus erfolgreich Käse, Fleisch und Bier besungen werden. Mit diesem Stück hat er sich kürzlich bei der Regionalkonferenz um Unterstützung beworben. Einen Zustupf gab es aber nicht. Stattdessen wurde ein fast gleichnamiges Lied unterstützt: «Mis Ämmitau» von der Band Volxrox. Peter Erhard: «Ich verstehe nicht, dass die Regionalkonferenz Steuergelder an das Video ‹Mis Ämmitau› von Volxrox vergibt.»

Marketingfranken heisst der Topf, aus dem Erhard gerne geschöpft hätte. Laut Website der Regionalkonferenz ist dieser dafür gedacht, Events und Projekte mit überregionaler Ausstrahlung zu unterstützen. Nun erhält die Band Volxrox das Geld. Diese hat Ende April ihr zweites Album «Familie-Fest» veröffentlicht, auf dem sich ein Song mit dem Titel «Mis Ämmitau» befindet. Zu diesem Lied soll nun ein Musikvideo gedreht werden, und genau dieser Dreh wird von der Regionalkonferenz mit 4000 Franken aus dem Marketingfrankentopf unterstützt.

An Auflagen halten oder kein Geld

Die Frage, die sich aufdrängt: Wieso? Wieso wird statt des Volksmusikschlagers «Mein Emmental» das Volksmusikrockstück «Mis Ämmitau» unterstützt? Karen Wiedmer, Geschäftsführerin der Regionalkonferenz Emmental, erklärt: «Ein wichtiger Punkt für uns ist, dass wir auf den Videoinhalt Einfluss nehmen und mitbestimmen können, was gezeigt wird.» Dies sei beim Volxrox-Video möglich, der «Mein Emmental»-Clip hingegen sei schon gedreht gewesen. Dass mitbestimmt werden kann, ist eine Bedingung für die Unterstützung des Projekts. Will heissen: Wenn sich Volxrox nicht an die Auflagen der Regionalkonferenz hält, gibts auch die 4000 Franken nicht.

«Ich verstehe nicht, dass die Regionalkonferenz Steuergelder an das Video von Volxrox vergibt.»

Peter Erhard, Intiator von «Mein Emmental»

So werde mit Emmental Tourismus kooperiert werden, sodass die Region Einfluss darauf nehmen könne, welche Orte und Sehenswürdigkeiten des Emmentals gezeigt würden. Die Unterstützung der Region werde im Volxrox-Video zu erkennen sein. Die Form ist noch zu bestimmen «Im Gegensatz dazu handelt es sich bei ‹Mein Emmental› um ein Video mit Produktplatzierungen», so Karen Wiedmer. Nichtsdestotrotz bezeichnet sie das Lied «Mein Emmental» ebenfalls als bestes Marketing für die Region, und es sei schön, zu sehen, dass das Video auch ohne staatliche Unterstützung habe realisiert werden können.

«Die wissen, welche schönen Plätze es gibt»

Und was sagt eigentlich der dritte Beteiligte Volxrox dazu? Simu Lüthi, Frontsänger und Manager in Personalunion: «Wir haben uns gemeinsam mit Emmental Tourismus für den Marketingfranken beworben, da wir als Einheimische stark im Emmental verankert sind.» Den Unmut Erhards versteht er teilweise: Es sei immer unangenehm, wenn jemand anderes bevorzugt werde.

Ein Blick in die Werkdatenbank der Urheberrechtsgenossenschaft Suisa zeigt übrigens: Das unterstützte Lied «Mis Ämmitau» taucht darin gleich zweimal auf: 2013 als Liveversion von Lüthis erster Band Simu und Simu und 2019 als Albumversion von Volxrox. «Mein Emmental», das leer ausging, hingegen wurde erstmals 2018 registriert.

Übrigens: Das vom Marketingfranken gesponserte Video entwickelt sich langsam. Derzeit entstehe das Drehbuch, verrät Lüthi. Dass die Regionalkonferenz und Emmental Tourismus mitreden wollen, sei kein Problem, im Gegenteil: «Die Beteiligten beider Institutionen wissen, welche schönen Plätze es im Emmental gibt, das kann hilfreich sein.» Geplant sei aber kein klassisches Werbe-, sondern ein Musikvideo, in dem die Geschichte des Liedes erzählt wird. Darin spielt auch das Emmental seine Rolle. Aber das dürfte bei diesem Titel ohnehin klar sein.

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