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Unglücklich verliebt, aber nicht vergewaltigt

Ein junger Mann war wegen der Vergewaltigung einer 14-Jährigen angeklagt. Davon hat ihn das Gericht freigesprochen.

Der heute 24-Jährige wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.
Der heute 24-Jährige wurde vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.
Keystone

«Was am Abend vom 16. Juli genau passiert ist, wissen nur die zwei Beteiligten», sagte Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser. An diesem Abend im Jahr 2014 holte ein 21-jähriger Langenthaler seine 14-jährige Chatbekanntschaft mit seinem Auto ab. Davor hatten sie sich bereits zweimal getroffen, waren sich nähergekommen.

Am 16. Juli dann soll der Vorfall passiert sein, der dazu führte, dass der Vater der 14-Jährigen zur Polizei ging und Anzeige erstattete. Gemäss der Aussage der Schülerin hat der 21-Jährige ihr gedroht, die Autotüren abgeschlossen und sie anschliessend vergewaltigt. Gemäss seiner Aussage ist der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen.

Widersprüchliche Aussagen

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau kam nun am Donnerstag zum Schluss, dass es sich nicht um eine Vergewaltigung handelte, und sprach den Beschuldigten von diesem Anklagepunkt frei. Denn bei den Aussagen des mutmasslichen Opfers stellte man mehrere Unstimmigkeiten fest. «Die Aussagen haben sich mit der Zeit immer mehr dramatisiert», sagte Richterin Fankhauser.

So erwähnte die 14-Jährige erst nichts von Gewaltanwendungen. Erst später dann erzählte sie, dass er sie gewürgt habe. Zudem hätten die Aussagen wie einstudiert gewirkt, so Fankhauser. Das Mädchen zeigte kaum Emotionen, wenn es von der vermeintlichen Vergewaltigung sprach, und nutzte Ausdrücke, die nicht dem Sprachgebrauch einer 14-Jährigen entsprechen.

Doch weshalb sollte sie die Geschehnisse anders schildern, als sie tatsächlich waren? Einvernahmen von Freundinnen, Tante und Mutter der 14-Jährigen deuten darauf hin, dass sie in den jungen Mann unglücklich verliebt war. Am Tag nach der verhängnisvollen Nacht traf sie sich nämlich erneut mit ihm.

Er machte mit ihr Schluss unter scheinheiligem Vorwand. So sagte er ihr, er gehe nach Mazedonien, ins Herkunftsland seiner Eltern. Dort werde er zwangsverheiratet. Wenige Tage später sah sie ihn aber mit seinem Auto durch ihren Wohnort fahren. Ihr wurde klar, dass er sie angelogen hatte. Von diesem Zeitpunkt an sprach sie mit Freundinnen und später auch mit der Mutter und der Tante über die vermeintliche Vergewaltigung.

In anderen Anklagepunkten wurde der heute 24-Jährige jedoch schuldig gesprochen. So verurteilte ihn das Gericht für mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind. Denn das Mädchen war noch im Schutzalter.

Dass er nicht gewusst habe, dass solche Handlungen mit einer 14-Jährigen illegal seien, wie dies sein Verteidiger sagte, liess die Richterin nicht gelten. Der Angeklagte sei in der Schweiz zur Schule gegangen und sollte dies wissen, so Fankhauser.

Illegale Bilder

Auch in den anderen Anklagepunkten wurde er schuldig gesprochen. So hatte er Nacktfotos von einer 17-Jährigen auf dem Handy. Diese hatte ihm eine weitere Chatpartnerin, die er auf Facebook kennen gelernt hatte, geschickt.

Zudem fand man Bilder mit kinderpornografischem Inhalt auf seinem Laptop. Das Regionalgericht verurteilte den Mann zu 13 Monaten Freiheitsstrafe bedingt sowie einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen, ebenfalls bedingt, und einer Busse von 2700 Franken.

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