Krauchthal

Und ewig lockt der Sattel

KrauchthalBald sitzt Ernst Salzmann wieder auf dem Velo: Nach dem ersten Bike­abenteuer vor fünf Jahren bricht der Emmentaler im Sommer zu einer Tour von Moskau nach Peking auf. Die 7800 Kilometer werden «as Läbige» gehen, befürchtet er.

Sammelt so viele Trainingskilometer, wie es geht: Ernst Salzmann will bereit sein, wenn am 12. Juni die grosse Erlebnistour losgeht.

Sammelt so viele Trainingskilometer, wie es geht: Ernst Salzmann will bereit sein, wenn am 12. Juni die grosse Erlebnistour losgeht. Bild: Thomas Peter

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Was für andere eine Tortur wäre, ist für ihn Freude pur: «Wenn ich auf dem Velo sitze, bin ich zufrieden», sagt Ernst Salzmann. Aschi, wie ihn alle nennen, fährt aber nicht einfach nur ein bisschen Fahrrad. Er macht Biketouren. Lange Touren. Durch ferne Länder. Zum ersten grossen Abenteuer brach er im Sommer 2011 auf. Von Krauchthal aus spulte er mit einem Kollegen 3000 Kilometer ab, 19 Tage später kamen sie in Moskau an.

«Das war eine tolle Erfahrung», sagt Salzmann rückblickend. Die Reise hat seine Abenteuerlust aber nicht etwa gestillt. Im Gegenteil. Aschi bekommt nicht mehr genug. «Ich habe noch viele Träume, die ich verwirklichen möchte.» Den nächsten Wunsch erfüllt sich der 51-jährige Krauchthaler diesen Sommer: Am 12. Juni bricht er in Moskau zu einer Veloodyssee durch Sibirien, die Mongolei und die Wüste Gobi auf, bis er am 25. August in Peking ankommen will.

Die Lunge wollte nicht mehr

Gerne mit dem Velo unterwegs war Ernst Salzmann eigentlich schon immer. «Mit meinem Schwiegervater ging ich stets eine Woche pro Jahr mit dem Velo in die Ferien.» Ein Wendepunkt kam 2009. Damals lag Salzmann mit einer Lungenembolie im Spital. «Es sah nicht gut aus», erinnert er sich. «Ich sagte mir: Wenn ich hier lebend rauskomme, erfülle ich mir den Wunsch, mit dem Velo ans Meer zu fahren.» So kam es, dass er mit seinem Fahrrad von Krauchthal in die Toskana fuhr. Und später eben unter anderem nach Moskau.

Training in der Waschküche

Mit dem neusten Projekt legt Salzmann nun noch eine Schippe drauf. Denn die Strecke, die er mit dem Velo diesmal abfährt, ist mehr als doppelt so lang wie jene 2011. 80 Tage wird er unterwegs sein, 65 davon auf dem Velo. Insgesamt 7831 Kilometer werden in dieser Zeit zu absolvieren sein – macht im Schnitt 120 Kilometer pro Tag. «Das wird wehtun, es wird ‹as Läbige› gehen.» Trotzdem freut er sich. «Das wird einmalig.» Die nötige Fitness bringt er mit: Durch den Winter hindurch hat er sich auf seinem Hometrainer in der Waschküche fit gehalten. Mittlerweile ist er mit seinem richtigen Velo wieder draussen unterwegs. Gegen 2000 Trainingskilometer dürfte er bis zum Abflug im Juni in den Beinen haben.

Den Schlafsack brauchts nicht

Einen grossen Unterschied zur Abenteuertour von 2011 gibt es: Salzmann wird mit einer Gruppe unterwegs sein. «Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir zu zweit oder zu dritt gefahren wären.» Der Kollege, der ihn letztes Mal begleitet hatte, wird diesmal nicht mitkommen. «Während dreier Jahre habe ich im Internet nach Fahrpartnern gesucht, jedoch niemanden gefunden.» Dann sei er auf die Organisation des ehemaligen Veloweltmeisters Max Hürzeler gestossen, die ebendiese Route in ihrem Programm führt. «Das Angebot hat mich überzeugt.»

Die Gruppe umfasst 25 Teilnehmer plus Begleiter. Übernachtet wird in zwei Tourbussen, die ständig mit dabei sind, oder in grösseren Städten im Hotel. «Das Gepäck und den Schlafsack muss ich nicht mehr selber schleppen», sagt Salzmann schmunzelnd. Nicht einmal sein eigenes Fahrrad wird er dabeihaben, der Veranstalter stellt Profivelos zur Verfügung.

Geld für Kinder

Wie bereits 2011,wird der Bauleiter aus Krauchthal seine Erlebnisreise auch dieses Mal mit einer Sammelaktion für einen guten Zweck verbinden. Vor fünf Jahren sammelte er für den Batzebär der Berner Kinderkliniken einige Tausend Franken. Dieses Mal sucht er wiederum Spender aus seinem Umfeld, die entweder pro gefahrenen Kilometer oder pauschal einen Betrag spenden. Das Geld kommt wiederum vollumfänglich dem Batzebär zugute.

Verständnisvolle Ehefrau

Dass er für drei Monate verreisen kann, verdankt der Velofreak zum einen seiner Arbeitgeberin Swisscom und zum anderen seiner Ehefrau. «Ich kann die Ferienguthaben von letztem und diesem Jahr zusammen beziehen.» Und seine Frau unterstütze ihn, damit er seine Träume verwirklichen könne.

Gut möglich, dass ihre Toleranz auch nach der bevorstehenden Tour weiterhin gefragt sein wird. Zwar sagt Aschi Salzmann: «Wenn ich mein Velo an der ­Chinesischen Mauer abstelle, ­habe ich mein Ziel erreicht.» Dass ihn das Velofahren danach loslassen wird, ist jedoch nicht zu erwarten. «Nordkorea, Südkorea und Japan würden mich schon auch noch reizen...» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.04.2016, 08:29 Uhr

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