Umfahrung Emmental: Volk gibt die Richtung vor

Burgdorf

Eine Minimalvariante für 144 Millionen oder ein Riesenprojekt für 647 Millionen Franken: Die Bürgerinnen und Bürger können mitbestimmen, wie die Verkehrsprobleme im Emmental gelöst werden sollen.

  • loading indicator
Philippe Müller

Nach Jahren der Stagnation geht es nun vorwärts mit der Behebung der Verkehrsprobleme im Emmental. Die Gemeinden Burgdorf, Oberburg und Hasle leiden seit langem unter den zahlreichen Autos und Lastwagen, die sich Tag für Tag durch die Ortszentren quälen.

Am Dienstag stellten Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) und Kreisoberingenieur Roger Schibler die beiden Varianten vor, die zur Diskussion stehen: Einerseits die Variante Null+, mit der das bestehende Strassennetz optimiert würde, andererseits eine neue Umfahrungsstrasse, die die Gemeinden entlasten würde.

Am Donnerstag startet die öffentliche Mitwirkung. Bis zum 13.November können sich alle Interessierten zu den beiden Varianten äussern. Die Erkenntnisse aus der Mitwirkung werden in den Variantenentscheid einfliessen, den der Regierungsrat im Frühling 2016 fällen wird, wie Egger bekräftigte. Baubeginn für beide Varianten wäre nicht vor 2022.

Umfahrung: Teurer Tunnel in Oberburg

Überrascht haben Egger und Schibler am Dienstag, als sie die Kosten für die Umfahrungsstrasse präsentierten. Während Jahren hatte der Kanton von Gesamtkosten von rund 370 Millionen Franken gesprochen. Am Dienstag nun wurde klar: Im Vorprojekt wird mit 647 Millionen Franken gerechnet. Das entspricht einem Kostenanstieg von 75 Prozent. Zum Vergleich: Die geplante Umfahrungsstrasse im Oberaargau wird mit 136 Millionen Franken geschätzt.

Egger erklärte den Anstieg von 370 auf 647 Millionen mit zwei Beispielen: Erstens seien für die alte Schätzung in der Zweckmässigkeitsbeurteilung aus dem Jahr 2007 nur oberflächliche Berechnungen angestellt worden. «Zweitens wurde damals für den Tunnel in Oberburg ein viel zu kleiner Betrag eingesetzt.» Schibler ergänzte, dass für den Tunnel 2007 mit 88 Millionen Franken gerechnet worden war, mittlerweile betrügen die veranschlagten Kosten schon 238 Millionen.

Die Variante Umfahrung rechnet mit 7,5 Kilometern Neubaustrecke. Teile davon werden offen geführt, es sind jedoch auch vier Tunnels vorgesehen (siehe rote Linien in der Grafik). Entlang der Neubaustrecke in der Gemeinde Hasle müssten drei bewohnte Häuser abgerissen werden, dazu einige Gewächshäuser.

Null+: Unterführungen und Kreisel

Die Variante Null+ wäre für deutlich weniger Geld zu bekommen: Im Vorprojekt werden die Kosten auf 144 Millionen Franken veranschlagt. Obwohl Null+ nur die Optimierung des bestehenden Strassennetzes zum Inhalt hätte, würde sie zwei wichtige Forderungen erfüllen, die in den letzten Jahren von allen Seiten immer wieder gestellt worden sind: Der Busverkehr hätte gegenüber dem Individualverkehr Priorität, was die Einhaltung des Fahrplans garantieren soll. Zudem würden die drei Bahnübergänge Burgdorf Buchmatt, Burgdorf Spital und Hasle untertunnelt. Dadurch würde der Verkehrsfluss verbessert und nicht länger durch geschlossene Bahnschranken gestört.

Zudem würde die stark befahrene und als Nadelöhr bekannte Löwenkreuzung in Oberburg mit einem Kreisel entschärft.

Mitwirkung: Vom 15.Oktober bis zum 13.November können sich alle Interessierten an der öffentlichen Mitwirkung beteiligen. Die Unterlagen können im Verwaltungszentrum Neumatt Burgdorf, Dunantstrasse 7b, 3.Stock, besichtigt werden. Montags und freitags jeweils von 9 bis 12 sowie von 13.30 bis 17 Uhr; mittwochs von 17 bis 20 Uhr; Samstag, 17.10. und 7.11. von 9 bis 12 Uhr.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt