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Über das Emmental und die Welt

«Brattig für das Emmental und die benachbarten Gebiete» steht vorne auf dem Alpenhornkalender. Doch die Autoren des Büchleins, unter ihnen Eugen Egli, schauen weit über die Grenzen der Region hinaus.

Cornelia Leuenberger
Mitautor Eugen Egli ­präsentiert die neuste Ausgabe der Brattig.
Mitautor Eugen Egli ­präsentiert die neuste Ausgabe der Brattig.
Daniel Fuchs

Er ist mehr als einfach eine Agenda – er ist Garten- und Reiseführer, Lese-, Koch- und Lehrbuch. Und ja, er ist ein Begleiter durch das Jahr. Die Rede ist vom Al­penhornkalender, auch bekannt unter der kürzeren Bezeichnung Brattig. Auf der ersten Seite stellt sich die Publikation gleich selber vor: «Jahrbuch für heimatliche Art zur Belehrung und Unterhaltung mit astronomischem Kalendarium und Marktverzeichnis». Für heutige Ohren mag das arg angestaubt klingen, es macht aber gleichzeitig auch den Charme dieser Publikation aus, die 2017 im 92. Jahrgang erscheint. Seit kurzem ist die aktuelle Ausgabe im Handel.

Der Grossvater

Alle modernen Mediennutzungsarten treten denn auch in den Hintergrund, sobald man den Alpenhornkalender aufschlägt. Unweigerlich entsteht vor dem Auge der Betrachterin das Bild des längst verstorbenen Grossvaters, wie er am Stubentisch sitzt und die Brattig studiert. Vorneweg das Kalendarium mit Erklärungen zu den Monatsnamen sowie Bauern- und Wetterregeln, gefolgt von mehreren Seiten Gartentipps. Dann kommt das Futter für Lesehungrige.

Die Themen der Geschichten sind weit gefasst und beschränken sich nicht nur aufs Emmental. In der aktuellen Ausgabe geht es etwa um das Schweizerische Gastronomiemuseum in Thun, um eine mögliche Hotel- und Gastronomie-Erlebniswelt im Welschland, um François Bocion, den «Maler des Genfersees» oder das Schweizer Kreuz und dessen Entstehungsgeschichte.

Die Witwe

Natürlich stehen auch Geschichten aus dem Emmental in der Brattig. Zum Beispiel jene über das Schicksal der Witwe Verena Burkhard von Schönenthül in ­Sumiswald. Oder der ausführliche Beitrag über Leben und Werk des Regisseurs Franz Schnyder. Nicht zu vergessen die mehrere Seiten lange Chronik, in der Fritz Strahm übers Jahr alle Aspekte des Lebens im Emmental abbildet.

Zustande kommt dieses Sammelsurium an Texten, Gedichten und Bildern dank einer Gruppe von zehn bis fünfzehn Autorinnen und Autoren, die Verleger Markus F. Rubli jeweils ihre Ideen unterbreiten – oder die von ihm Aufträge für Artikel bekommen (s. Kasten).

Der Autor

Einer, der mit seinen Beiträgen immer wieder die Grenzen der engeren Region sprengt, ist der Langnauer Treuhänder Eugen Egli. Seit zwei Jahrzehnten gehört er zum Autorenteam der Brattig, und immer wieder schreibt er über den Kanton Tessin. Warum gerade der Süden, Herr Egli? «Ich war schon als Kind viel im Tessin, später hatte ich einen Chef aus diesem Kanton, und noch heute ist mir die Region wichtig.» Wobei wichtig nicht ganz die richtige Definition sein dürfte, denn er schiebt nach: «Ich bin verliebt in das Tessin.»

Der Alpenhorn- kalender ist ein «Jahrbuch für heimatliche Art zur Belehrung und Unterhaltung».

So erstaunt es nicht, dass Egli den Emmentalern gerade diese Region wiederholt ins Bewusstsein rückt. «Das Tessin hat an Einfluss verloren», ist der 67-Jährige überzeugt. Man fahre viel weniger dorthin in die Ferien als früher, dabei habe der Kanton viel zu bieten. Seine Zuneigung hat Egli auch in verschiedenen Vortragsabenden in Langnau zum Ausdruck gebracht: Einmal sprach er über «Hermann Hesse im ­Tessin», ein andermal stellte er Kathrin Rüegg vor, die mit Koch- und anderen Büchern ebenfalls zur Popularität des Südkantons beigetragen hat.

Der Regisseur

In der aktuellen Brattig schreibt Egli aber nicht über das Tessin, sondern über den Regisseur Franz Schnyder. Und widmet sich damit einem uremmentalischen Thema, hat der gebürtige Burgdorfer doch vor allem mit seinen Gotthelf-Verfilmungen Berühmtheit erlangt. «Ich bin ein absoluter Fan seiner Bildsprache», erklärt Egli. «Man hat das Gefühl, mit den Schauspielern in der Stube zu sitzen.»

Das gelte nicht nur für die Gotthelf-Filme, «sondern für all seine Werke». Schnyder führte etwa Regie bei «Gilberte de Courgenay» oder dem in Bern entstandenen Streifen «Im Gespensterhaus». «Zwischen uns die Berge», ein Film von 1956, spielt im Vatikan. Und damit hat auch Franz Schnyder die Grenze des Emmentals gesprengt.

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