Stockschläge im Morgengrauen

Burgdorf

Ein Mann verprügelte den Ex-Freund seiner Tochter. Wegen einfacher ­Körperverletzung verurteilte ihn das Regionalgericht Emmental-Oberaargau zu einer bedingten Geldstrafe.

Einzelrichterin Regula Masanti vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Geldstrafe.

Einzelrichterin Regula Masanti vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Geldstrafe.

Johannes Hofstetter

Er sei soeben von einem «stadtbekannten Drogendealer» attackiert und verletzt worden, teilte ein 30-jähriger Mann der Polizeinotrufstelle am 10. März letzten Jahres um 6.10 Uhr mit. Stunden später erschien er mit einer frisch genähten Rissquetschwunde auf der Stirn und in einem blutbefleckten T-Shirt auf dem Burgdorfer Polizeiposten.

Dort gab er zu Protokoll, der Vater seiner Ex-Freundin habe ihm frühmorgens auf einem Parkplatz aufgelauert. «Ich bin nicht pädophil!» brüllend sei der 50-Jährige auf ihn losgestürmt und habe ihn mehrfach mit einem Holzstock auf den Kopf ­geschlagen.

5400 Franken Strafe

Im September erhielt der An­greifer Post von der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde verurteilte ihn wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zu einer bedingten Geldstrafe von 4800 Franken und einer Busse von 600 Franken.

Eine weitere Busse von 100 Franken gabs für den Vater von drei Kindern, weil er zwei Wochen nach dem Rencontre mit seinem Ex-Schwiegersohn in spe mit fünf Joints in der Tasche erwischt wurde.

Alibi: Die schlafende Freundin

Die Strafe wegen des Krautbesitzes akzeptierte er, doch mit der Sanktion wegen der Körperverletzung mochte er sich nicht abfinden. Er zog den Fall weiter. Gegenüber Einzelrichterin Regula Masanti vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau stellte er fest, er sei zum Tatzeitpunkt im Bett gewesen. Das könne seine Freundin bestätigen, die schlafend neben ihm gelegen habe.

«Wenn er jemanden schlagen will, braucht er keinen Stecken.»Die Tochter des Verurteilten

Die Tochter des arbeitslosen Bauarbeiters versuchte, ihren Vater mit einem gewagten Argument zu entlasten: «Wenn er jemanden schlagen will, braucht er keinen Stecken», liess sie die Richterin wissen.

Ein in einem Callcenter tätiger Freund des jungen Mannes sagte allerdings, er habe zum Tatzeitpunkt mit dem Opfer telefoniert und mit­bekommen, was Dutzende von Kilometern entfernt passierte. Als Telefonprofi habe er aufgrund der Stimme den Beschuldigten als Aggressor identifiziert.

Hahnenkampf um eine Frau

Nach einem Grund für den Angriff befragt, tippten einige Zeugen auf einen aus dem Ruder gelaufenen Hahnenkampf. Ein Bekannter behauptete, die Männer hätten um eine Verkäuferin gebuhlt. Die Tochter liess die Richterin wissen, ihr Verflossener habe den Vater bei der Frau verleumdet, um seine eigenen Chancen zu erhöhen. Als er gemerkt habe, dass er so nicht zum Ziel kommen würde, habe er ihm mit einer erfundenen Gewalttat «eins reingewürgt».

Das Opfer räumte ein, sich mit der Verkäuferin über gesetzte Herren mit einem Hang für junge «Mädchen» unterhalten zu haben. Womöglich habe die Frau das dem Angeklagten falsch weitererzählt, worauf dieser glaubte, er habe ihn als Pädophilen gebrandmarkt.

Die Verteidigerin des Angeklagten plädierte auf einen Freispruch nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Zur Tatzeit sei es fast dunkel gewesen, sagte sie. Beweise dafür, dass es sich bei dem Angreifer um ihren Klienten gehandelt habe, würden ebenso fehlen wie Augenzeugen. Belastende Aussagen könnten auf Suggestivfragen der Polizei beruhen.

Keine Hinweise auf Dritte

Regula Masanti bestätigte den Schuldspruch und die Strafzumessungen der Staatsanwaltschaft. Die Busse für die Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz fiel mit 150 Franken etwas höher aus als im Strafbefehl.

Bei der Urteilsfindung habe sie primär auf die Aussagen des Beschuldigten und des Opfers abstellen müssen, sagte die Vorsitzende. Die Schilderungen des Opfers liessen auf ein reales Erlebnis schliessen. Was der Mann erzählt habe, stimme mit dem Arztbericht überein. Hinweise darauf, dass ein unbekannter Dritter auf ihn losgegangen war, seien keine erkennbar.

Berner Zeitung

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