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Stein um Stein zur Effizienz

Seit rund hundert Jahren steht in Rüegsau ein Granit- und Marmorwerk. Jetzt plant die Salvisberg AG auszubauen. Das, obwohl immer weniger Grabsteine gebraucht werden.

Mass nehmen: Geschäftsführer Sven Salvisberg (links) und Steinwerker Stefan Witschi besprechen den nächsten Schnitt.
Mass nehmen: Geschäftsführer Sven Salvisberg (links) und Steinwerker Stefan Witschi besprechen den nächsten Schnitt.
Beat Mathys
An diesen Gipsgrabsteinen können sich Trauernde orientieren
An diesen Gipsgrabsteinen können sich Trauernde orientieren
Beat Mathys
Aus dem ursprünglichen kunsthandwerklichen Atelier für Holzschnitzerei entwickelte sich das heutige Marmor- und Granitwerk.
Aus dem ursprünglichen kunsthandwerklichen Atelier für Holzschnitzerei entwickelte sich das heutige Marmor- und Granitwerk.
Beat Mathys
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Eindrücklich, diese Steinblöcke. Wenn jetzt einer von denen runterfiele – das könnte fatal enden. Etwa so gross wie ein Smart ist der grösste, was für ein Brocken. Später wird Sven Salvisberg erklären, dass dieses Exemplar um die 16 Tonnen wiege. Mehr als das Zwanzigfache eines Smart. Auf der anderen Seite der Gebäude lagern die Steinplatten. Auch die sind schwer.

Nur drei Zentimeter dick, aber rund 600 Kilo schwer. Wenn dir eine solche entgegenfällt, gehst du besser aus dem Weg. Auf die Frage, wie viele verschiedene Steinsorten denn hier lagern, muss Salvisberg überlegen. Erste Schätzung: 250. «Nein, wahrscheinlich mehr», entgegnet der Geschäftsführer, der seit 2011 das Unternehmen an der Hauptstrasse in Rüegsau leitet.

Die Shoppyland-Ente

Das Produkt ist auch drinnen präsent: Der ganze Bürofussboden besteht aus glatten Steinplatten. Praktisch, denn mit dem Verkauf von Platten macht die Firma Salvisberg zwei Drittel des Umsatzes. Aber nicht nur mit Bodenplatten, sondern auch – und vor allem – mit Steinplatten für Küchenkombinationen, Badezimmer oder Tische. «Die Steine für diesen Betriebszweig kaufen wir bereits in Plattenform ein», erklärt Salvisberg, «danach werden sie zugeschnitten und geschliffen.»

Oft passiert das in Zusammenarbeit mit einem Küchenbauer oder einem Schreiner. «Wenn sich jemand für seine neue Küche eine Steinablage wünscht, schickt der Schreiner den Kunden zu uns, damit er sich das passende Material auswählen kann, das dann entsprechend bearbeitet wird.»

«Man verkauft nicht einfach nur Grabsteine, sondern begleitet Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, bei ihrer Trauerarbeit.»

Sven Salvisberg, Geschäftsführer

Gibt es denn auch unpassenden Stein? «Nein, grundsätzlich nicht, möglich ist vieles. Es ist einfach so, dass der Stein zum Kunden passen muss.» So gebe es Kundschaft, die darauf bestehe, dass alles homogen aussehe. Beispielsweise wollten sie keine «Flecken» auf ihrem Stein. «Flecken», ein Wort, das für Salvisberg negativ behaftet ist: «Wir sprechen von Natureinschlüssen.»

Und manche Kunden wünschen genau solche Natureinschlüsse in ihrem zukünftigen Badezimmer. «Eine Familie bestand zum Beispiel mal darauf, genau einen Teil einer Platte zu bekommen, weil sie darauf die Shoppyland-Ente erkannte.»

Die Leute sterben immer

Begonnen hat die Geschichte der Salvisberg AG im Jahr 1912. Die Gebrüder Walter und Werner Schneider eröffneten damals ein kunsthandwerkliches Atelier für Holzschnitzerei. Daraus entwickelte sich das heutige Marmor- und Granitwerk. Wie genau, weiss Sven Salvisberg nur vom Hörensagen. Jedenfalls wurden bald auch Grabmäler hergestellt. 1955 übernahm Salvisbergs Grossvater das Geschäft, 1980 sein Vater.

Der heutige Geschäftsführer, der folglich auf dem Betrieb aufwuchs, erinnert sich: «In der Schule hiess es jeweils: ‹Ah, du bist der Sohn des Grabsteinhändlers. Ihr habts gut, die Leute sterben ja immer.› Das mag damals so gewesen sein, doch mittlerweile gibt es weniger Einzel-, sondern mehr anonyme oder Gemeinschaftsgräber.» Entsprechend weniger Grabsteine würden verkauft. Doch was heisst das zahlenmässig für Salvisberg? «Jährlich produzieren wir rund hundert Grabmale.

Die Bandbreite reicht dabei von schlichten Steinen bis hin zu Kunstwerken.» Ist ein Stein besonders in Erinnerung geblieben? «Für einen Walliser Winzer stellten wir einst einen Grabstein mit gravierten Trauben her oder auch ein Familiendenkmal in Form eines Schiffs, das über zwei Meter breit war, fertigten wir schon an.» Mit Letzterem sei der Bildhauer sicher zwei, drei Wochen beschäftigt gewesen. Der Bildhauer habe sogar eine «Beziehung» zu jedem Denkmal. «Man verkauft nicht einfach nur Grabsteine, sondern begleitet Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, bei ihrer Trauerarbeit.»

Die Schreiner mit Stein

Mit den Grabmalen generiert die Firma mittlerweile noch ein Drittel des Gesamtumsatzes. Entsprechend den beiden Betriebszweigen sind auch verschiedene Arbeitskräfte angestellt. Auf der einen Seite werden Steinbildhauer beschäftigt. Sie sind für die künstlerische Arbeit mit den Grabsteinen zuständig. Auf der anderen Seite arbeiten Steinwerker in Rüegsau, die eher das Handwerkliche für den Bau abdecken.

«Wie Schreiner, einfach mit Stein», erklärt der Geschäftsführer. Und das Geschäft scheint zu laufen: Mitte Dezember reichte das Unternehmen ein Baugesuch ein, um unter anderem die Kranbahn zu erweitern und einen Lagerplatz in eine Produktionshalle umzubauen (siehe Box unten).

Laut Salvisberg werde aber die Konkurrenz, vor allem jene aus dem Ausland, grösser: «Wir müssen sicherstellen, effizient zu produzieren, damit wir bestehen können. Wer das nicht tut, wird über kurz oder lang nicht überleben.» Über den Daumen gepeilt, gebe es in der Schweiz 100 bis 150 Unternehmen, die ebenfalls in der Steinverarbeitung tätig seien, so Salvisberg. Jedoch keine zehn, die sowohl massives Material als auch Platten verarbeiten.

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