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Hier entstand die Berner «Welle»

Die Roth Burgdorf AG verleimt Bretter zu grossen Holzträgern. Seit 50 Jahren. Sie schafft es auch, sich gegen die günstiger produzierende Konkurrenz aus dem Ausland durchzusetzen.

In den Produktionshallen der Roth Burgdorf AG werden pro Jahr gegen 30’000 Kubikmeter Holz verarbeitet. Bilder: Raphael Moser
In den Produktionshallen der Roth Burgdorf AG werden pro Jahr gegen 30’000 Kubikmeter Holz verarbeitet. Bilder: Raphael Moser

Was haben die Postfinance-Arena in Bern, die «Welle» beim Berner Bahnhof und der Swatch-Neubau in Biel gemeinsam?

Die Antwort führt ins Burgdorfer Industrie- und Gewerbegebiet Buchmatt. Hier stehen die Produktionshallen der Roth Burgdorf AG. Die Gebäude sind so gross, dass man zu Fuss mehrere Minuten braucht, um sie zu durchqueren. Es lärmen die Fräsen, es riecht angenehm nach Holz. Er möge diesen Duft auch nach vielen Jahren immer noch gerne, sagt Franz Lenherr, der Geschäftsleiter.

Die Roth AG zählt zu den schweizweit führenden Produzenten von Brettschichtholz. Die Firma verleimt Bretter zu Balken – und Balken zu grösseren Holzträgern. Diese werden ins ganze Land geliefert. Zu den prominentesten Aufträgen zählen die «Welle», der Swatch-Neubau oder die Postfinance-Arena, die beim Bau 1970 noch «Allmendhalle» hiess. Ein Jahr zuvor war die Roth AG gegründet worden; kürzlich hat die Firma mit einem grossen Fest ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Viel Leim

«Kommen Sie», sagt Franz Lenherr und geht voraus in die Leimerei, in jene Abteilung, in der noch am meisten Handarbeit nötig ist. Hier lagern 40 Meter lange, verleimte Balken, die nun zu einem grösseren Träger zusammengesetzt werden. Mitarbeiter entleeren mehrere Kübel voller Leim auf dem Balken, verteilen die klebrige Flüssigkeit mit Spachteln gleichmässig auf dem Holz:

Mit dem Deckenkran wird danach der nächste Balken auf die leimbeschichtete Fläche gehievt. Am Schluss wird das Ganze zwei Tage lang gepresst. So entsteht ein 10 Tonnen schwerer Holzträger. Der Träger werde für eine neue Fussgänger- und Velobrücke im aargauischen Rupperswil benötigt, erklärt Lenherr. Später, im Büro, zeigt er eine Visualisierung der geplanten Brücke:

70 Prozent Schweizer Holz

«Der Baustoff Holz ist im Trend», sagt Franz Lenherr. Das hat nicht nur mit dem steigenden ökologischen Bewusstsein der Bauherren zu tun, sondern auch durchaus praktische Gründe. Um alle Bestandteile der Holzbrücke von Burgdorf nach Rupperswil zu transportieren, braucht es neun Sondertransporte. Um eine Betonbrücke der gleichen Tragkraft zu bauen, wären dreimal mehr Lastwagenfahrten nötig. Zudem dauert die Montage der vorgefertigten Holzteile nur drei Tage. Die Bauzeit einer Betonbrücke wäre deutlich länger.

Öffentliche Bauten wie die Brücke von Rupperswil bestehen meistens vollständig aus Schweizer Holz. Private Bauherren bevorzugen manchmal – aus Kostengründen – ausländisches Holz, das dann aus Deutschland, Tschechien oder der Slowakei kommt. «Übers Jahr gesehen, verarbeiten wir 70 Prozent Holz aus der Schweiz und 30 Prozent aus dem Ausland», sagt Lenherr, der auf dem Rundgang nun in der Abbundhalle angekommen ist.

28’000 Kubikmeter

Gegründet wurde die Firma Roth 1969 von Zimmermeister Emil Roth. Nach dem Tod von ihm (1986) und seinem Sohn (1987) übernahm Ehefrau Maria Roth die Geschäftsführung. 1995 verkaufte sie die Firma in den Kanton Aargau an die Häring-Gruppe, die Firma Roth ist seither ein Tochterunternehmen. Geschäftszahlen geben die Verantwortlichen der Roth Burgdorf AG nicht bekannt. Sie verraten nur so viel: Pro Jahr verarbeitet der Betrieb 27’000 bis 28’000 Kubikmeter Holz, das sind durchschnittlich drei voll beladene Lastwagen pro Tag. Das Restholz, das bei der Produktion anfällt, wird gleich nebenan von der Firma Friedli zu Holzpellets gepresst und dann in der Region zum Heizen verwendet. «So wird der ökologische Kreislauf geschlossen», sagt Franz Lenherr.

Franz Lenherr, der Geschäftsleiter.
Franz Lenherr, der Geschäftsleiter.

Die Auftragslage sei gut, erklärt der Geschäftsleiter, «aber wir müssen uns immer wieder neu beweisen». Denn gegenüber ausländischen Brettschichtholz-Produzenten hat die Roth AG höhere Lohnkosten. Dafür seien die Mitarbeitenden «flexibel und gut ausgebildet»: Ingenieure, Techniker, vor allem Zimmerleute und Schreiner. Insgesamt zählt die Firma rund 40 Angestellte.

Weniger Kilometer

Mittlerweile steht Franz Lenherr neben der CMC-Anlage. Auf dieser werden die imposanten Holzträger millimetergenau zugeschnitten. Es wird gehobelt und gebohrt – alles computergesteuert. In den vergangenen sieben Jahren habe die Firma mehr als einen ganzen Jahresumsatz in die Erneuerung der Anlagen investiert, sagt Lenherr. «Heute ist der Betrieb einer der modernsten in Europa und voll digitalisiert. Wir wissen von jedem angelieferten Brett, zu welchem Bauteil es verarbeitet wurde.»

Bretter werden zu Balken verleimt, Balken zu Holzträgern.
Bretter werden zu Balken verleimt, Balken zu Holzträgern.

Solch moderne Anlagen seien nötig, um auf dem Markt bestehen zu können. Einen weiteren Vorteil sieht Lenherr im Standort Burgdorf, zentral in der Schweiz, nahe an der Autobahn. Auf diese Weise könnten die Transportkosten tief gehalten werden. Würden zum Beispiel die 40 Meter langen Holzträger für die Rupperswiler Brücke mit Spezialtransporten aus dem Ausland statt aus Burgdorf geliefert, wäre das deutlich teurer.

«Und wenn wir die vorgefertigten Holzträger bei den Kunden abgeliefert haben», sagt Franz Lenherr, «fahren wir auf dem Rückweg bei der Sägerei vorbei.» Um neues Holz zu holen.

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